Raumensembles

Das Bayerische Nationalmuseum beherbergt eine Reihe von Raumteilen (Decken, Türen, Wandpanele) und ganze Raumensembles aus dem Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert, die ihren ursprünglichen Platz im letzten oder in diesem Jahrhundert verloren haben. Aus der Fülle sollen drei Beispiele herausgegriffen werden.

Ein kostbares Studierstübchen, das für das Pfleghaus der Fugger in Donauwörth um 1548 wohl in Augsburg entstand, ist ein frühes Beispiel von konsequenter Verwendung von italienischen Renaissanceformen auf deutschem Boden. Das Kabinett wurde möglicherweise von Heinrich Kron und Hans Kels angefertigt. Es ist nicht nur innen vertäfelt, sondern auch außen dekoriert, da es in einen größeren Raum hineingestellt wurde.

Zwei reiche Raumdekors aus dem 18. Jahrhundert verdeutlichen die Stilentwicklung vom Rokoko zum beginnenden Klassizismus. Das Intarsienkabinett aus Schloß Fantaisie, Bayreuth, ist ein besonders schönes Beispiel dieses im 18. Jahrhundert beliebten Typus. Es wurde durch die beiden Bayreuther Ebenisten Spindler geschaffen, die 1764 nach Potsdam zur Ausstattung des Neuen Palais berufen wurden. Die Einlegearbeiten zeigen Landschaften mit pastoralen Motiven und klassischen Architekturen, Blumengehänge und Früchtekörbe.

Das Kabinett aus dem Palais Rheinstein-Tattenbach, später Arco-Valley, Ecke Maffei- und Theatinerstraße (1910 abgebrochen), gibt Zeugnis von diesem bedeutendsten Münchner Bau der Louis-seize-Zeit. Die Malereien auf Seidentaft, von dem als Porzellanmaler bekannten Joseph Zächenberger (1732-1802) und die Deckenbemalung erwecken den Eindruck eines Gartenkabinetts mit Spalieren, über die sich Weinlaub rankt.

 

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