Große Platte mit Szenen
aus der Geschichte der
Latona.


Urbino, um 1550.
Majolika, Dm. 46,6 cm.
Inv.Nr. Ker 2376




Henkelflasche

Niederbayern (Kröning),
um 1880 ?,
Irdenware, H. 31,2 cm.
Inv.Nr. 71/87


Die keramische Sammlung des Bayerischen Nationalmuseums ist eine der umfangreichsten Europas. Sie umfaßt neben Irdenware deutsches Steinzeug, italienische Majolika sowie europäische Fayence, Steingut und Porzellan. Den Grundstock der Sammlung bildet die Schenkung von König Max II. von Bayern, der dem Museum eine Vielzahl an exemplarischen Stücken aus den Beständen der bayerischen Kurfürsten und Könige übereignete.

Die Sammlung ist zur Zeit aufgrund der Umbauarbeiten im Bayerischen Nationalmuseum nur in Auszügen zu besichtigen. Lediglich die Majoliken sind in den neuen Sälen in ihrem ganzen Reichtum präsentiert.

Die Majolika des Hauses zeichnet sich neben schönen Istoriati-Tellern besonders durch eine große Anzahl an Bianchi di Faenza aus, von denen wiederum ein Weinkühler und eine Reihe von Tellern und Schüsseln aus dem 1576 datierten Prunkservice, das für Herzog Albrecht V. von Bayern gearbeitet wurde, hervorzuheben sind.

Im Unterschied zu Majolika und Porzellan geht der größte Teil der Fayence-Bestände auf eine private Stiftung, die Sammlung Heiland, zurück, deren mehr als 2200 Objekte aus dem mittel- und süddeutschen Raum dem Bayerischen Nationalmuseum 1934 vermacht wurden. Einzigartig ist vor allem der Schatz an Künersberger Fayencen, der in den vergangenen Jahrzehnten noch durch herausragende Erwerbungen erweitert werden konnte.

Neben kleineren Beständen der Manufakturen Wien, Ansbach, Höchst, Berlin, Ludwigsburg und Sèvres liegt der Schwerpunkt der Porzellan-Sammlung bei Meißen (siehe auch Schloß Lustheim ), Nymphenburg und Frankenthal. Die Meißen-Sammlung zeichnet sich vor allem durch frühe Höroldt-Chinoiserien und Kauffahrtei- Szenen aus, darunter ganze Service. Das Haupt- augenmerk der Sammeltätigkeit des Museums richtet sich auf Nymphenburger Porzellan, das durch eine Vielzahl an unterschiedlichen Modellen und Dekoren vertreten ist, sowie durch den Großteil der köstlichen Figuren und Gruppen des Modelleurs und bedeutendsten Figuristen des Rokoko Franz Anton Bustelli. Weltweit einzigartig können im Bayerischen Nationalmuseum alle 16 Schauspieler seiner "Italienischen Komödie" in bemalter Form bewundert werden. Der Reichtum an Frankenthaler Porzellan im Bayerischen Nationalmuseum erklärt sich aus dem Umstand, daß der Besitzer dieser Manufaktur, Kurfürst Carl Theodor von der Pfalz, 1779 das Erbe des kinderlos verstorbenen bayerischen Kurfürsten Maximilian III. Joseph antrat und seine Residenz nach München verlegte.


In Bayern gab es über Jahrhunderte eine weitverbreitete und umfangreiche handwerkliche Herstellung von Keramik für den alltäglichen Gebrauch, die in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts ihr Ende fand.

Die Landhafner des Krönings, einer Landschaft östlich von Landshut in Niederbayern, erlangten im 18. und 19. Jahrhundert mit ihrer Irdenware überragende Bedeutung. In der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts arbeiteten rund 70 Werkstätten, die ihr Geschirr bis nach Salzburg und Südtirol verkauften. Ausgezeichnete Tone, eine hervor- ragende Drehqualität und der rasch aufzubringende Spritzdekor bildeten dafür die Voraussetzungen.

Ein anderes wichtiges Produktionszentrum bestand im südlichen Mittelfranken, dessen Irdengeschirr meist Malhorndekor aufweist.
Eine Besonderheit bildete das Schwarzgeschirr, das im Kröning noch in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts hergestellt wurde. Die Schwärzung entstand allein durch Luftabschluß beim Brand und förderte die Abdichtung der Gefäße ohne Glasurauftrag. In Obernzell (Lkr. Passau) wurde zusätzlich Graphit beigemischt, was die Abdichtung erhöhte und zudem Feuerbeständigkeit bewirkte, wichtig zum Beispiel bei Gefäßen, die dem Schmelzen von Metallen diente.

Eine andere Besonderheit bildete das Steinzeug, dessen Dichte durch hohe Brenntemperatur erreicht wurde. In Bayern gab es dazu handwerkliche Herstellungen in Creußen (Oberfranken), in der Rhön (Unterfranken), in Pressath (Oberpfalz), in Louisenruh bei Augsburg (Schwaben) und in Peterskirchen (Niederbayern).

Die umfangreiche Sammlung des Bayerischen National- museums erlaubt, die angesprochenen Gesichtspunkte zumindest für das 19. Jahrhundert in Bayern vorzustellen. Aus Raumnot kann dies derzeit in München nicht erfolgen. In Markt Obernzell (Lkr. Passau) besteht im Schloß jedoch ein Keramikmuseum als Zweigmuseum des Bayerischen Nationalmuseums, das in ausführlicher Weise diesen Themen dient.


Elfenbeinplastik . Barockskizzen . Miniaturen . Glasmalerei . Textilien . Tapisserien . Kostüme . Keramik . Glas . Möbel . Stadtmodelle . Goldschmiedekunst . Metallkunst . Uhren/Instrumente. Waffen . Zunft/Handwerk . Rechtsaltertümer

 

 




Sigismund Graf von
Haimhausen

Modell von Franz Anton
Bustelli (gest. 1763),
Nymphenburg, 1761.
Porzellan, bemalt und
vergoldet,
H. 44,5.
Inv.Nr. Ker. 4369