Kanne, gefertigt für
Herzog Ernst von Bayern

Hall in Tirol, Hütte des
Wolfgang Vitl, Dekor u.U.
von Paul Dax, 1535/38.
Glas, kalt bemalt,
H. 33,6 cm,
Inv.Nr. G 517

Das Bayerische Nationalmuseum besitzt eine Vielzahl kostbarer Hohlgläser von der Völkerwanderungszeit bis zum Jugendstil und verfügt damit über eine der herausragenden Sammlungen dieser Art weltweit.

Der Bestand umfaßt vor allem künstlerisch und historisch wertvolle Gläser aus dem deutschen Sprachgebiet vom 15. bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Dazu kommen aber auch einzelne bedeutende frühere Werke wie etwa der syrische Emailglasbecher aus der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts als wichtiges Zeugnis islamischer Glaskunst (siehe Abbildung oben) oder einige Spitzen- werke venezianischer Glasbläser aus den berühmten Glashütten auf Murano.

Schwerpunkte der Sammlung bilden die Gläser des späten Mittelalters und die Tiroler Gläser der Renaissance, die wegen ihrer hohen Qualität und dem reichen Dekor aus kalt aufgebrachten Lackfarben und Gold zum Besten aus dem Bereich „à la Façon de Venise" gehören (siehe Abbildung der Kanne, gefertigt für Herzog Ernst von Bayern). Die kostbaren geschnittenen Gläser der Barockzeit, darunter vor allem die in Nürnberg dekorierten Prunkstücke, sowie die aus den führenden Hütten in Brandenburg, Sachsen, Böhmen oder Schlesien stammenden Trinkgefäße bilden einen weiteren Höhe- und Schwerpunkt der Sammlung.

Beeindruckend ist auch die Reihe von Gläsern aus dem Besitz historischer Persönlichkeiten, etwa die Römer des Dichters Friedrich von Schiller, der Reichskammer- gerichtspokal, aus dem Goethe getrunken haben dürfte, das Jean Paul-Glas, der Becher vom Wiener Kongreß, das Pereat-Glas des Kronprinzen Ludwig und die Gläser des Königs Max I. Joseph von Bayern.

Ihren internationalen Rang verdankt die Glassammlung nicht allein den Überweisungen aus Wittelsbacher Hofbesitz, sondern vor allem auch den qualitativ wie quantitativ bedeutenden Zuwendungen bürgerlicher Mäzene im 19. und 20. Jahrhundert (Stiftung Prof. Martin J. von Reider , Familie von Hirsch auf Gereuth, Kommerzienrat Emil Bassermann-Jordan, Kaufmann Oskar Tietz, Sanitätsrat Dr. med. Heinrich Brauser).

Bedauerlicherweise sind die seit dem zweiten Weltkrieg deponierten und seither nur zeitweise und meist in kleinem Umfang der Öffentlichkeit gezeigten Bestände aufgrund der Sanierungsmaßnahmen im Bayerischen Nationalmuseum auch weiterhin nicht zugänglich.

Neben diesen aufwendig verzierten Gläsern - oftmals Einzelstücke - besitzt das Bayerische Nationalmuseum auch umfangreiche Bestände an Gläsern, die - zunehmend als Massenprodukt entstanden - dem alltäglichen Gebrauch dienten.

Seit dem 18. Jahrhundert wurden Trink- und Schenkgefäße, aber auch Flaschen oder Vorratsgefäße zunehmend aus Glas gefertigt. Die Herstellung erfolgte in Glashütten, die wegen ihres großen Holzbedarfs für Pottasche und Schmelze in Waldgebieten gegründet wurden (Spessart oder Bayerischer Wald).

Im 19. Jahrhundert verstärkte sich diese Entwicklung, um in der zweiten Jahrhunderthälfte durch die industrielle Herstellung der Verwendung von Glas einen großen Auftrieb zu geben. Es entstanden neue Gefäßformen - zum Beispiel Flaschen für Rotwein, Weißwein und Bier - und Gefäßgruppen - zum Beispiel Karaffe oder Kanne mit Trinkgläsern oder Rotweingläser, Weißweingläser, Sektkelche usw.

Zum Teil wurden Gefäße für eine bestimmte Verwendung, durch andere aus anderem Material verdrängt. Der Versand von Mineralwasser erfolgte nicht mehr in Steinzeugflaschen, sondern in Glas. Bier wurde nicht mehr hauptsächlich aus Steinzeugkrügen, sondern aus Biergläsern getrunken.

Durch die Horst K. Jannott Stiftung am Bayerischen Nationalmuseum konnte ein Teil einer Privatsammlung erworben werden, die die angeführten Gesichtspunkte veranschaulicht. Aus Raumnot ist jedoch diese Sammlung derzeit im Bayerischen Nationalmuseum nicht ausgestellt.


Elfenbeinplastik . Barockskizzen . Miniaturen . Glasmalerei . Textilien . Tapisserien . Kostüme . Keramik . Glas . Möbel . Stadtmodelle . Goldschmiedekunst . Metallkunst . Uhren/Instrumente. Waffen . Zunft/Handwerk . Rechtsaltertümer

 

 




Glasflasche in Leinensack
mit Lederbesatz.

18. Jh. Glas lichtgrün,
Leinen, Leder,
H. 34,7 cm Dm. 23,5 cm.
Inv.Nr. 71/434