Truhe
Gebrauchsort Parzham
(Gde. Griesbach im Rottal,
Lkr. Passau), 17. Jh.
Fichtenholz,
95,5 : 165 : 69 cm.
Inv.Nr. 84/53



Tisch

Pierre Étienne Lavasseur (?)
und Pierre Philippe Thomire
(Beschläge).
Paris, um 1806.
Mahagoni auf Eiche,
Bronze, Porzellan,
H. 90 cm.
Inv.Nr. R 6141

Das Bayerische Nationalmuseum besitzt eine reiche Sammlung außerordentlicher Möbel. Entsprechend der ursprünglichen Konzeption des Museums als Vorbilder- sammlung für das heimische Kunstgewerbe, wurden seit der Gründung in der Mitte des 19. Jahrhunderts zahlreiche historische Möbel gesammelt, Infolge der damaligen Bevorzugung des gotischen und Renaissance- Vorbildes, erwarb man bis zur Jahrhundertwende überwiegend Möbel dieser Epochen. Auf diese Weise entstand im Bayerischen Nationalmuseum eine der bedeutendsten deutschen Möbelsammlungen des 15. Und 16. Jahrhunderts. Vor allem die mächtigen gotischen Sakristeischränke des nördlichen Alpenraumes und die je nach Herkunft aus einer der süddeutschen Reichsstädte unterschiedlich gestalteten Fassadenschränke bestim- men das Bild.

Ein weiterer bedeutender Teil der Möbelsammlung stammt aus dem Besitz der ehemaligen Kurfürsten und Könige von Bayern, dem Haus Wittelsbach. Es ließ dem Museum seit seiner Gründung wertvolle Schenkungen aus der Residenz und anderen Schlössern Münchens, wie Nymphenburg und Schleißheim, zukommen. So zeugen prächtige Kabinettschränke mit Elfenbein, Halbedelsteinen und aufwendigen Goldschmiedearbeiten vom internationalen Rang des Augsburger Kunst- handwerks im 17. Jahrhundert. Vor allem aus dem Besitz des prachtliebenden Kurfürsten Max Emanuel sind kostbare Zeugnisse Antwerpener und Pariser Ebenisten- kunst überliefert - Möbel, die durch feinste Verarbeitung exotischer Materialien wie Schildpatt und Perlmutt beein- drucken. Die einmalige Sammlung von Möbeln in dieser sogenannten „Boulle"-Technik bildet einen der Schwer- punkte des Kunsthandwerks um 1700.

Österreichische und deutsche Biedermeier-Möbel, vor allem aus München - das neben Wien ein Zentrum dieser Stilentwicklung bildete - bereichern das Bild der Sammlung. Prunkmöbel des Historismus aus Münchner Werkstätten, die auf den ersten Industrie-Ausstellungen des 19. Jahrhunderts gezeigt wurden, illustrieren die Entwicklung des Mobiliars bis hin zum Jugenstil.

Die Bemalung von Möbeln - aus dem Sammlungsbreich der volkskundlichen Abteilung des Museums - entwickelte sich grundsätzlich von dunklen Farben - vor allem Braun und Schwarz, auf holzsichtigem Grund, meist ornamental und symmetrisch - des 17. und frühen 18. Jahrhunderts zu einer bunten Farbpalette und floralen wie figuralen Motiven.

Schreiner des Inntals, der Gegend von Schliersee/ Miesbach, aus Tölz und Umgebung, schufen charakter- istische Malstile, zum Teil unter Mithilfe von Malern. Im Untergeschoß West des Bayerischen Nationalmuseums sind als Beispiele ausgestellt ein 1770 datierter Schrank mit Furniermalerei aus dem Inntal, ein von Johann Nepomuk Bichler bemaltes Himmelbett von 1778 und ein ebenfalls 1778 datierter Schrank mit der Darstellung der vier Jahreszeiten, laut Signatur von Johann Böheim bemalt.

Aber auch in anderen Gegenden Bayerns gab es eine vielfältige und eigenständige Möbelmalerei. Östlich von Nürnberg zum Beispiel, vermutlich in Alfeld, wurden noch um 1860 Möbel sehr bunt bemalt, wie ein ausgestellter Schrank belegt.

Neben den aufwendig bemalten Möbeln dürfen die einfach oder gar nicht bemalten sowie die mit Schnitzdekor versehenen, die es in Bayern auch gab, nicht übersehen werden.


Elfenbeinplastik . Barockskizzen . Miniaturen . Glasmalerei . Textilien . Tapisserien . Kostüme . Keramik . Glas . Möbel . Stadtmodelle . Goldschmiedekunst . Metallkunst . Uhren/Instrumente . Waffen . Zunft/Handwerk . Rechtsaltertümer

 

 

 

 

 

 



Schreibtisch
Aus dem Besitz des
Grafen Stroganoff.
David Roentgen (1743-1807),
Neuwied, um 1785-1790.
Birkenmaserholz auf Eichen-
und Nußbaumholz;
Messing, goldbronziert,
115,5 : 113 : 60,5 cm.
Inv.Nr. 75/222