Zeremonialhammer zur
Öffnung der heiligen
Pforte des Petersdomes

Rom, 1550. Geschenk von
Papst Julius III. an den
Augsburger Bischof,
Kardinal Otto Truchseß
von Waldburg. Silber,
vergoldet, Ebenholzstiel,
L. 37,5 cm.
Inv.Nr. R 692




Hlg. Georg im Kampf
mit dem Drachen.


Jakob I. Miller
(um 1550-1618),
Augsburg, um 1615.
Trinkspiel, wohl ehemals
mit mechanischem Laufwerk
im Sockel. Silber, teilweise
vergoldet und kalt bemalt,
Steinbesatz.
39 : 26,7 : 13,5 cm.
Inv.Nr. 86/227


Die Werke der Goldschmiedekunst zählten lange zu den weniger bekannten und minder gewichtigen Beständen des Bayerischen Nationalmuseums. Angesichts einer geradezu überwältigenden Präsenz der europäischen und speziell der süddeutschen Goldschmiede- und Schmuckkunst in der Münchner Residenz schien sich aus der Sicht des Bayerischen Nationalmuseums ein auch nur annähernder Vergleich mit jenem Ensemble von vornherein zu verbieten. So bedeutete die Abgabe einiger weniger Objekte aus der Silberkammer der Münchner Residenz an das Bayerische Nationalmuseum - wie etwa des Jungfrauenbechers eines Goldschmieds aus der Nürnberger Familie Ritter und des Jägers von Leonhard Umbach - bereits eine wesentliche Bereicherung der Goldschmiedeabteilung des Museums. Gleiches gilt etwa auch für die aus der Würzburger Festung Marienberg überwiesene Adam und Eva-Gruppe des Hans Kellner.

Doch auch aus anderen historischen Beständen gelangten bedeutende Goldschmiede- und Schmuck- objekte insbesondere der königlichen Sammlungen in das Bayerische Nationalmuseum. Das Münzkabinett hatte 1862 auf Order König Maximilians II. dem Bayerischen Nationalmuseum den Komplex der 1781 aus der Pfalz-Neuburger Fürstengruft in der Stadtpfarrkirche zu Lauingen geborgenen Schmuckgegenstände zu über- weisen.

Auf den Besitz der Universität zu Dillingen geht der hochbedeutende Zeremonialhammer zurück, der zur Öffnung der Heiligen Pforte im Heiligen Jahr 1550 diente.

Die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vorgenommenen Er- werbungen des Bayerischen Nationalmuseums auf dem Gebiet der Goldschmiedekunst wollten nun insgesamt keinesfalls in Konkurrenz treten zu den Beständen in der Münchner Residenz. So erwarb man keine höfischen Goldschmiedewerke. Vielmehr galten die Ankäufe höchst verschiedenartigen Silberobjekten vornehmlich aus süddeutschen Werkstätten, die wohl zugleich auch den Kunsthandwerkern und Kunstinteressierten ein breitge- fächertes Spektrum der Typen und Formen vor Augen führen sollten. Auch die dem Museum zugedachten Stiftungen verfolgten die gleiche Tendenz. Die Schenkung von Baron von Hirsch auf Gereuth umfaßte vor allem Nürnberger Goldschmiedearbeiten recht einfachen Cha- rakters; die von Leopold Fürst Fugger-Babenhausen 1871 geschenkte Sammlung von etwa 3000 aus einer Augsburger Werkstatt stammenden Modellen für die Goldschmiede- und Metallkunst hatte wohl in erster Linie als Anregung für das zeitgenössische Kunsthandwerk zu dienen.

Erst in den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts erfolgte ein grundsätzlicher Wandel in der Erwerbungspolitik des Bayerischen Nationalmuseums, die auch die Gold- schmiedearbeiten betraf. Die anläßlich der Hundert- jahrfeier des Museums 1955 gewährte sogenannte Kulturspende sowie gezielt eingesetzte Mittel der folgenden Jahre ermöglichten nun den Ankauf höchst prominenter Zeugnisse vor allem der Augsburger Goldschmiedekunst des 17. und 18. Jahrhunderts, die nicht nur durch überragenden Rang ausgezeichnet sind, sondern zum Teil auch wichtige Ensembles mit starker kulturhistorischer Aussagekraft bilden (Lavabogarnitur des Elias I Drentwett, Tazza des Christoph Lencker, Fortuna-Pokal des Hans Petzolt, große Toilettegarnitur des Johannes Engelbrecht und anderer Goldschmiede mit dem Allianzwappen der Familien Westerholt und Waldbott-Bassenheim, Jagdservice von Gottfried Bartermann und Bernhard Heinrich Weyhe, Lavabo- garnitur des Johann Nikolaus Spickermann aus dem Besitz der Grafen von Giech, Service mit Emailmalereien aus der St. Petersburger Eremitage, Schachspiel des Christian Baur, Elefantenuhr des Georg Jungmair, Prunkplatte des Johann Andreas Thelott, Taufgarnitur des Peter Kick und Prunkapotheke des Markgrafen Karl August von Brandenburg-Ansbach von Joseph Herterich; ferner etwa Hausaltäre und sakrale Reliefs von Matthäus Walbaum und Albrecht von Horn).

Im Jahr 1981 gelang die Erwerbung des Kernbestandes des Hildesheimer Tafelservices von Bernhard Heinrich Weyhe und anderen Augsburger Goldschmieden - nun verfügte das Museum erstmals über ein historisches Tafelensemble höchsten Ranges, wie es sich ähnlich nur in den Silberkammern der großen Höfe findet. Besonders in der zweiten Hälfte der achtziger Jahre und in den frühen neunziger Jahren lag der Schwerpunkt der Erwerbungen im Bereich der Goldschmiedekunst eher in der Spätrenaissance und Frühbarock: Nach dem Ankauf des hl. Georg von Jakob Miller gelangten mit der Sammlung Fritz Thyssen (Legat Anita Gräfin Zichy- Thyssen) insbesondere bedeutende Tierfiguren und Trinkspiele aus süddeutschen Werkstätten ins Bayerische Nationalmuseum; der mächtige Humpen des Hans III Petrus veranschaulicht die Umsetzung von bildlichen Vorlagen des Peter Paul Rubens.

Das Jahr 1993 markiert eine weitere entscheidende Zäsur in der Geschichte der Goldschmiedesammlungen des Bayerischen Nationalmuseums: In der Folge der Erwerbungen aus den Kunstsammlungen des Fürsten- hauses Thurn und Taxis wurde der hochbedeutende Kernbestand der Regensburger Silberkammer, die bis zum Jahr 1992 in seltener Geschlossenheit erhalten war, in das Inventar des Bayerischen Nationalmuseums übertragen. Bei der Erwerbung konzentrierte man sich vornehmlich auf Ensembles: auf Objekte der Raum- ausstattung wie Spiegel und Girandolen, auf Tafelservice und deren wesentliche Elemente, ferner auf Toilette- service sowie auf wichtige zu Tafel und Buffet gehörige Objekte der fürstlichen Repräsentation, wie etwa die Lavabogarnitur Johann Christoph Stenglins. Eine eigene Gattung bilden die sakralen Goldschmiedewerke aus den 1802 an die Fürsten von Thurn und Taxis gefallenen Reichsabteien Neresheim und Obermarchtal.

Heute zählt die Goldschmiedesammlung des Bayer- ischen Nationalmuseum zu den größten Komplexen ihrer Art in deutschen Museen; speziell im Bereich des Augsburger Silbers nimmt sie eine führende Stellung ein.

Insgesamt weniger prominent ist hingegen der Bestand an Goldschmiedearbeiten des Mittelalters; hier sind etwa die um 1320/30 in Paris entstandene Emailscheibe mit der Darstellung "Jungfrau mit dem Einhorn" und der um 1480 von Hans Greif geschaffene Deckelbecher aus dem Ingolstädter Ratssilber hervorzuheben.


Elfenbeinplastik . Barockskizzen . Miniaturen . Glasmalerei . Textilien . Tapisserien . Kostüme . Keramik . Glas . Möbel . Stadtmodelle . Goldschmiedekunst . Metallkunst . Uhren/Instrumente . Waffen . Zunft/Handwerk . Rechtsaltertümer

 

 

 

 

 



Meßkelch
Georg Ignaz Baur,
Augsburg 1773/1775.
Silber, vergoldet,
Perlmutt, Steine,
H. 28 cm.
Inv.Nr. 57/175