Pulverdose
Aus dem Besitz
Johann Wilhelms,
frühes 18. Jh.
Silber (?) vergoldet,
Perlmutter,
17,5 : 16 cm.
Inv.Nr. W 2896



Pallasch in orientalischer
Form aus dem Besitz
Kurfürst Maximilians I.
von Bayern.

Johann Michael,
Prag, um 1610/14. Klinge,
Passau, frühes 17. Jh.
Silber, vergoldet, Draht-
email, Granate und andere
Edelsteine, Eisen.
Länge der Klinge 84 cm.
Inv.Nr. W 2526 u. W 2527

Die Waffensammlung des Bayerischen Nationalmuseums umfaßt durchweg anspruchsvolle Objekte des 14. bis mittleren 19. Jahrhunderts, die zum größeren Teil in den beiden 1974 eingerichteten Waffensälen ausgestellt sind. Im Vergleich zu anderen großen Museen ist die Waffen- sammlung des Bayerischen Nationalmuseums wenig umfangreich, weist aber zahlreiche historisch wie künstlerisch bedeutende Objekte - vor allem aus dem süddeutschen Raum - auf. Zumeist handelt es sich um Einzelstücke: Mit einer Ausnahme fehlen umfassende Harnischgarnituren.

Die Waffen und Rüstungen des Museums stammen zum Teil aus früherem Wittelsbacher Besitz. 1855 und 1866/67 übernahm das Bayerische Nationalmuseum die zuvor in den Vereinigten Sammlungen befindlichen Waffenbestände der Wittelsbacher, 1913 wurde die Königliche Gewehrkammer aus der Münchner Residenz größtenteils in das Bayerische Nationalmuseum transferiert. Bei den aus Kronbesitz stammenden Waffen handelt es sich zum Teil um historische Erinnerungs- stücke der bayerischen Wittelsbacher (Sporen Albrechts III., Steigbügel Christophs des Starken und sog. Streithammer Sigismunds aus dem späten 15. Jahrhundert, Bolzenkasten Wilhelms IV. von 1522, Radschloßbüchse, Jagdtasche, Zeremonienschwert, Reiterschwert und Degen Maximilians I., München, frühes 17. Jahrhundert, sowie die "ungarische" Prunk- waffengarnitur Maximilians I., Prag 1610/14). Speziell bei den Gewehren spielen zudem die Bestände aus den ehemals in Neuburg a.D., Düsseldorf, Mannheim und Zweibrücken befindlichen Sammlungen der pfälzischen Wittelsbacher eine besondere Rolle (hervorzuheben ist die aus Degen, Steinschloßflinte und -pistolen bestehende Prunkgarnitur Johann Wilhelms von der Pfalz von dem in Düsseldorf wirkenden Büchsenmacher Armand Bongarde von 1690/91). Mit den Überweisungen aus Kronbesitz 1855-1913 gelangten auch zahlreiche Objekte in das Bayerische Nationalmuseum, die aus nicht ursprünglich wittelsbachischen, sondern nur vorübergehend zu Bayern gehörigen Territorien stammen: In Salzburg (1810-1816 bayerisch) befand sich ursprünglich die Große Reihengarnitur des Erzbischofs Wolf Dietrich von Raitenau, 1587 in Mailand eventuell von Pompeo della Chiesa oder vom Maestro di Castello gefertigt; zur berühmten Kunst- bzw. Rüstkammer in Ambras bei Innsbruck in Tirol (1805-1810 bayerisch) gehörten einst die mit einem Radschloßgewehr kombinierte Armbrust Ferdinands I. von 1520/26, ein um 1450 entstandenes Scheibenknaufschwert, ein um 1500 anzusetzendes Schwert mit birnförmig gewundenem Knauf, ein um 1480/90 zu datierender Panzerstecher, ein um 1580 in Spanien gefertigtes Rapier sowie verschiedene Gewehre. Zu solchen Objekten fürstlichen Charakters zählen auch die bedeutenden Trabanten- waffen des 16. Jahrhunderts im Bayerischen Nationalmuseum, die zum Teil aus Salzburg stammen.

Im 19. Jahrhundert vergrößerte sich die Waffensammlung des Bayerischen Nationalmuseums durch weitere Über- weisungen und Ankäufe. Aus dem Besitz der Universität Erlangen übernahm das Museum verschiedene ursprüng- lich in der Kunstkammer der Markgrafen von Brandenburg-Ansbach befindliche Objekte: u.a. einen Schallern (Nürnberg um 1480/85), eine Prunksturmhaube im orientalischen Stil (Nürnberg oder Augsburg um 1590) und einen Prunkdegen (Mailand um 1560). - Hochbe- deutend waren die Ankäufe aus der Rüstkammer des zunächst Freybergschen, ab 1608 Preysingschen Schlosses Hohenaschau: u.a. die älteste erhaltene italienische Harnischbrust (wohl Mailand um 1380/1400); der Visierhelm mit gemaltem Sonnengesicht (Landshut? um 1490/1500), die Roßstirn (Landshut? um 1550/60) und die Setztartsche oder Pavese (Süddeutschland, Anfang 16. Jahrhundert) mit dem Freybergschen Wappen. - Mit der Würzburger Sammlung Martinengo kamen 1858 u.a. Brust und Bart einer Garnitur Ottheinrichs von der Pfalz (1532/33 von Hans Ringler in Nürnberg), zwei Kniebuckel mit Ätzdekor in der Art Peter Flötners (Nürnberg um 1540/50) und zwei Harnisch- schultern (Augsburg um 1540/50) in das Bayerische Nationalmuseum.

Auf Ankäufe aus bayerischem Schloß- und Kirchenbesitz gehen ferner die aus Schloß Stein im Chiemgau erworbene Prunktartsche des Caspar Aspach (Steie- rmark 1480), der Jaspis-Achat-Szepter einer Muttergottes aus Teisendorf und der bedeutende Prunkharnisch eines Herrn von Pienzenau (Nürnberg? um 1550) auf farbig gefaßter Holzfigurine zurück, der aus der Pfarrkirche von Peterskirchen stammt. Auch Erwerbungen aus dem Kunsthandel trugen wesentlich zur Vermehrung der Waffensammlung bei; der Münchner Händler Kuppel- mayer vermittelte u.a. die von Ulrich Holzmann 1546 in Augsburg gefertigte Sturmhaube sowie das fahrbare Modellspielzeug eines Turnierritters im Stechzeug zu Pferde (Nürnberg um 1540/50) aus dem Besitz der Nürnberger Familie Holzschuher. Zu den wenigen Ankäufen der jüngeren Zeit zählen das Stechzeug eines von Anton Peffenhauser um 1570 in Augsburg geschlagenen Turnierharnischs sowie der um 1330/50 wohl im Rheinland entstandene elfenbeinerne Prunkdolch im Typus des Basilard.

Sammlungsleiter: Dr. Lorenz Seelig


Elfenbeinplastik . Barockskizzen . Miniaturen . Glasmalerei . Textilien . Tapisserien . Kostüme . Keramik . Glas . Möbel . Stadtmodelle . Goldschmiedekunst . Metallkunst . Uhren/Instrumente . Waffen . Zunft/Handwerk . Rechtsaltertümer

 

 

 

 



Steinschloßpistole aus
dem Besitz Kurfürst Max
Emanuels von Bayern

Christoph Josef Frey
(geb. 1685, in München
tätig ab 1719),
München, um 1720/1723,
Stahl, goldtauschiert;
Nußholz,
L. 54 cm, B. 5,5 cm.
Inv.Nr. 96/2