Christoph Jamnitzer
Nürnberg, um 1602 (?)
Silber, vergoldet, farbig gefasst, Bergkristall
52,2 cm
Inv.-Nr. 2000/81.1-2
Der "Mohrenkopf" Christoph Jamnitzers verbindet in einzigartiger Weise bildhauerische Kraft und goldschmiedehafte Zier. Über dem ornamental konzipierten Fuß erhebt sich nahezu schwebend das höchst eindringlich modellierte Haupt eines Jünglings mit negroiden Zügen. Das gekräuselte Haar ist mit einer im Nacken geknoteten Binde geziert, die in sechsfacher Wiederholung den Buchstaben T trägt. Die Komposition gipfelt in einem hohen Federbusch, der mit farbig hinterlegten Bergkristallen besetzt ist. Der exotische Kopfputz bildet die Handhabe für die gleich einem Deckel abzunehmende Schädelkalotte. Christoph Jamnitzer, ein Bildhauer-Goldschmied von überlegenem Rang, verleiht der fremdländischen Erscheinung betont schönheitliche Züge und erhöht das Bildwerk zu einem durch würdevoll-ernsten Ausdruck geprägten Charakterkopf. Wegen der heraldischen Motive wurde der Mohrenkopfpokal bislang auf die Florentiner Familien der Pucci und der Strozzi bezogen und als Geschenk innerhalb des Florentiner Patriziats gedeutet. Doch neuere Achivalienfunde legen die Annahme nahe, dass das Goldschmiedewerk aus Anlass der 1602 in Dresden festlich begangenen Vermählung des Kurfürsten Christian II. von Sachsen (1583-1611) mit der dänischen Prinzessin Hedwig (1581-1641) entstand.

