Collection

Flügelaltar

Artist
Maler: Bartholome Zeitblom
Locality
Date
Ende 15. Jh.
Material
Öl auf Nadelholz, Nadelholz, vergoldet
Dimensions
Location
Bayerisches Nationalmuseum (not on display)
Inventory Number
MA 3248
Relation
Acquisition

Mitteltafel: Die bekrönte, in der Mitte stehende Madonna reicht dem Kind auf ihrem linken Arm eine Frucht (vielleicht eine Mandel?, als Passionssymbol). Ihr zur Rechten steht der hl. Wolfgang in bischöflichem Ornat mit Albe, Dalmatik, Pluviale und Mitra, in Händen den Bischofsstab und seine Attribute Beil und Kirchenmodell. Zur Linken Mariens der hl. Bonaventura, ebenfalls in bischöflichem Ornat, in Händen das Pedum und als Attribut ein Handkreuz, an dessen Kruzifix Bänder mit Inschriften nach seinem Meditationstraktat "Lignum vitae" befestigt sind. Die Texte sind von unten nach oben und jeweils links, rechts zu lesen: Jh[esu]s iudex r[ec]tiss[imus] - Jesus, Richter in Gerechtigkeit. Jh[esu]s finis optat[us] - Jesus, erwünschtes Ziel. Jh[esu]s victor fortissi[mus] - Jesus, Sieger in voller Kraft. Jh[esu]s spo[nsus] ornat[us] - Jesus, Bräutigam in Festeszier. Jh[esu]s i[n] cruce posit[us] - Jesus, am Kreuze aufgerichtet. Jh[esu]s triumpha[n]s mo[rtuus] - Jesus, triumphierend gestorben. Jh[esu]s Judaeis p[ro]dit[us] - Jesus, den Juden überliefert. Jh[esu]s mo[r]te da[mna]t[us] - Jesus, zum Tode verurteilt. Jh[esu]
p[ro]dit[us] - Jesus, den Juden überliefert. Jh[esu]s mo[r]te da[mna]t[us] - Jesus, zum Tode verurteilt. Jh[esu]s ple[nus] v[ir]tutib[us] - Jesus von Tugenden erfüllt. Jh[esu]s pati parat[us] - Jesus, zum Leiden bereit. Jh[esu]s p[ro]miss[us] pa [tri]bus - Jesus, den Vätern verheißen. Jh[esu]s p[ro] nob[is] nat[us] - Jesus,für uns geboren. Damit ist dies eine der frühesten Darstellungen des Heiligen nach seiner Kanonisation 1483. Die Figuren stehen auf gekacheltem Fußboden, hinter ihnen ein vergoldeter Wandbehang. Geschnitztes Sprengwerk aus drei von Ästen durchbohrten Kielbögen als Bekrönung, seitlich auf zwei Aststäben ruhend. Linker Flügel innen: Der Pestheilige St. Sebastian, an einen Baumstamm gefesselt und von Pfeilen durchbohrt, bis auf Lendentuch und Mantel unbekleidet. Rechter Flügel innen: Der Pestheilige St. Rochus in Pilgertracht mit gegürtetem Gewand , Mantel, Hut mit Pilgerabzeichen, Umhägetasche und Wanderstab. Ein kleiner Engel vor dem rechten Bein drückt chirurgisch einwandfrei die Pestbeule an seinem linken Oberschenkel heraus und sticht sie mit einer Nadel auf. Auf denFlü
Pestbeule an seinem linken Oberschenkel heraus und sticht sie mit einer Nadel auf. Auf den Flügelinnenseiten ist das bekrönende Sprengwerk, auch der Goldvorhang und Kachelboden weitergeführt. Linker Flügel außen: Hl. Nikolaus in bischöflichem Ornat, in den Händen das Pedum und ein Buch mit den drei Goldkugeln, die er der Legende nach drei armen Mädchen zukommen ließ, die ihr Vater in ein Freudenhaus verkaufen wollte (s. dazu auch Kat.Nr. 112). Über ihm die Inschrift "S. Niclas", zu seinen Füßen das Wappen der Familie Lebzelter. Es könnte auf Hans Lebzelter hinweisen, der Ulmer Ratsherr und Zunftmeister der Grautuchzunft war. Rechter Flügel außen: Der Pilgerheilige St. Jodokus in Pilgertracht und Wanderschuhen. Über ihm die Inschrift "S. Jos". Die fünfzackige Krone zu seinen Füßen ist sein Attribut. Als bretonischer Fürstensohn hatte er auf die Herrschaft verzichtet, um ein Leben als Einsiedler und später Pilger zu führen. Das Wappen auf seiner anderen Seite gehört der Ulmer Familie Pflaum. Schreinrückwand: Vera Icon auf imitierter Porphyrwand. Auf der nicht
gehört der Ulmer Familie Pflaum. Schreinrückwand: Vera Icon auf imitierter Porphyrwand. Auf der nicht ausgestellten, doch vermutlich dazugehörigen Predellentafel sind fünf heilige Franziskaner, die sog. Märtyrer von Marokko, dargestellt und inschriftlich bezeichnet: S. Otto, S. Berardus, S.Accursius, S.Petrus (von San Geminiano) und S. Adiutus, jeweils mit Schwert und Geißel in Händen, links neben ihnen der König von Marokko mit drei abgebrochenen Schwertern, der der Legende nach jene eigenhändig enthauptet haben soll. Sie sind 1481 heiliggesprochen worden. Der Altar vermittelt bewußt den Eindruck eines Flügelaltares mit geschnitzten Bildwerken im Mittelschrein und Reliefs auf den Flügelinnenseiten, indem die zentral dargestellte Muttergottes und die sie flankierenden Heiligen wie Bildwerke auf einem gekachelten Boden stehen und von einem punzierten Brokatvorhang hinterfangen werden. Hinzu kommt das geschnitzte Sprengwerk über der Mitteltafel und den flankierenden Flügeln. Einzelheiligen mit den Stifterwappen auf den Außenseiten
Die Einzelheiligen mit den Stifterwappen auf den Außenseiten der Flügel werden von dunklen Gründen hinterfangen. Die Öffnung des Flügelaltares bedeutet durch die Vergoldung auch eine inhaltliche Steigerung, die in der zentralen Darstellung der gekrönten Muttergottes mit dem Jesuskind gipfelt. Der Altar stammt aus dem Larissenkloster St. Maria in Söflingen bei Ulm, das durch die Säkularisation 1803 aufgelöst wurde. 1804 wurde er für die Gemäldegalerie Schleißheim angekauft und gelangte 1858 in das Bayerische Nationalmuseum. Dieser Altar ist Zeugnis für das künstlerische Engagement der Ulmer Bürger, darauf weisen die Wappen der Familien Lebzelter und Pflaum. In seiner Würde, der Figurenauffassung in ruhiger Haltung und satter Farbigkeit, entspricht er dem Willen der Auftraggeber nach feierlicher Präsentation. Von Buchner wird die Malerei dem nach diesem Altar benannten "Meister des Söflinger Altares" zugeschrieben, der stilistisch der Werkstatt des Ulmer Malers Bartholomäus Zeitblom nahestand.
nahestand. Rott identifizierte den Maler mit Daniel Schüchlin, dem Sohn des Ulmer Malers Hans Schüchlin. Werke von seiner Hand sind u.a. der Kreuzaltar der St. Georgskirche in Dinkelsbühl und die Flügel des Altares aus dem Kloster Urspring bei Blaubeuren (heute Stuttgart, Staatsgalerie).

BV002943573
Zum Objekt: Mus.-Kat. Karl Voll, Heinz Braune, Hans Buchheit, Katalog der Gemälde des Bayerischen Nationalmuseums (Kataloge des Bayerischen Nationalmuseums; Bd. 8), München 1908, Kat.-Nr. 302

BV002539476
Zum Objekt: Ernst Buchner, Aus dem Sitzungsbericht der Kunstwissenschaftlichen Gesellschaft in München. 4. Dezember 1924, in: Münchner Jahrbuch der bildenden Kunst, Neue Folge, Bd. 1, München 1924, S. 308

BV048290155
Zum Objekt: Rudolf Weser, Ein Söflinger Altar im Bayr. Nationalmuseum, in: Ulm und Oberschwaben, Mitteilungen des Vereins für Kunst und Altertum in Ulm und Oberschwaben, 28.1932, S. 51-54, S. 51-54

BV004394586
Zum Objekt: Hans Rott, Quellen und Forschungen zur südwestdeutschen und schweizerischen Kunstgeschichte im XV. und XVI. Jh.. Alt-Schwaben und die Reichsstädte Bd. II, Stuttgart 1934, S. XVIII

BV003793092
Zum Objekt: Alfred Stange, Schwaben in der Zeit von 1450 bis 1500, in: Deutsche Malerei der Gotik, Bd. VIII, München Berlin 1957, S. 36, Abb. 72

BV000924022
Zum Objekt: Alfred Stange, Kritisches Verzeichnis der deutschen Tafelbilder vor Dürer Bd. II, Norbert Lieb (Hrsg.), 1970, Kat.-Nr. 663

BV000921522
Zum Objekt: Joseph Braun, Tracht und Attribute der Heiligen in der deutschen Kunst, München 1974, Sp. 147

BV002320289
Zum Objekt: Gerlach van's Hertogenbosch, Oktavian Schmucki, Märtyrer von Marokko, in: Lexikon der christlichen Ikonographie, Bd. 7, 1974, Sp. 583-584

BV019683582
Zum Objekt: Alfred Schädler, Die "Alpenländische Galerie" in Kempten, ein künftiges Zweigmuseum des Bayerischen Nationalmuseums, in: Allgäuer Geschichtsfreund, Blätter für Heimatforschung und Heimatpflege Heft 83/84, 1984, S. 71-72

BV000169845
Zum Objekt: Ausst.-Kat. Bayerisches Nationalmuseum, München, 28. Juni 1984 - 07. Oktober 1984: Wallfahrt kennt keine Grenzen. Bayerisches Nationalmuseum, Adalbert Stifter Verein (Hrsg.), München 1984, S. 276 f.

BV001306720
Zum Objekt: Bildführer, Farbe und Form im späten Mittelalter. Bildwerke und Tafelmalerei aus dem Bayerischen Nationalmuseum für die Alpenländische Galerie in Kempten (Bayerisches Nationalmuseum Bildführer; 14), Bayerisches Nationalmuseum (Hrsg.), München 1989, Kat.-Nr. 8

BV004629886
Zum Objekt: Mus.-Kat. Hans Peter Hilger, Alpenländische Galerie Kempten. Zweigmuseum des Bayerischen Nationalmuseums, München, BNM (Hrsg.), München 1991, S. 77-82 (mit Abb.), Kat.-Nr. 57

BV046812535
Zum Objekt: Louise Marshall, St. Roch and the Angel in Renaissance Art, in: Studies in Iconography Bd. 41, Western Michigan University (Hrsg.), Kalamazoo 2020, S. 165-211, S. 185, Abb. Fig. 20, S. 189

Taxonomy

Altar

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