Pressematerial
Studioausstellung: Liminal Spaces
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Liminal Spaces. Hinterglasbilder von Fride Wirtl-Walser
Publikation: Liminal Spaces. Hinterglaskunst von Fride Wirtl-Walser
hg. von Frank Matthias Kammel, mit Texten von Thomas Schindler, München 2026, 96 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen
12,00 Euro
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Hier können Sie sich das Cover herunterladen:
DownloadFride Wirtl-Walser ist eine genaue Beobachterin. Ihr künstlerischer Blick richtet sich insbesondere auf die Möglichkeiten der menschlichen Wahrnehmung. Ihre Arbeiten mit Augenbildern gleichen auf den ersten Blick wissenschaftlich präzisen Darstellungen, die alle anatomischen Bestandteile eines Auges berücksichtigen. Bei näherem Hinsehen ist zu erkennen, dass die Augen auf momentane Emotionen schließen lassen.
Die Malerin versteht den Blick „Kilroys“ über eine Mauer hinweg oder durch eine dichte Nebelwand hindurch als ein Hinauswachsen über selbstgesetzte oder fremdbestimmte Limitationen. Am Beispiel des christlichen Kreuzes versucht sie folgendes zu verdeutlichen: Nach ihrer Lesart handelt es sich dabei um eine Variante des bereits in der „Steinzeitkunst“ nachzuvollziehenden Kreuz-Schemas, das jenseits symbolischer Aufladungen dazu dient, der Raumwahrnehmung einen abstrakt-bildlichen Ausdruck zu verleihen.
HPG mit Goldfuß
2004
aus der Serie der hundert Ansichten des Hohenpeißenbergs.
Die Künstlerin dokumentiert ihre Stimmungen bei der Betrachtung des Berges, mal aus der Nähe, mal aus der Ferne, nie mit Menschen oder Tieren, stets nur Architektur, Pflanzen oder Geologisches, für sie ist der HPG die landschaftliche Bühne, biete Raum für immer wieder neue eigene Erfahrungen.
© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack
DownloadInspiration für Techniken und Motive
Die technischen Möglichkeiten zur künstlerischen Gestaltung der Rückseite eines gläsernen Bildträgers sind vielfältig. Hauptsächlich kommen die Bemalung mit Ölfarben, die Radierung von aufgeklebten Metallfolien oder das Aufkleben bedruckter Papierbögen, zum Beispiel Kupferstichen, die sogenannten Glaskupfer in Frage. Oft werden Malerei und Radierung kombiniert. „Monster“ und „Der vergessene Roboter“ deuten diese Bandbreite an. „Loft“ bezieht sich auf die antike Kunst des Zwischengoldglases, bei der eine Goldfolie zwischen zwei Glasschichten gelegt wird.
Schmuck in Form von Broschen, Anhängern und Ohrringen nimmt einen nicht allzu großen Stellenwert im Werk der Künstlerin ein. Bei der Konzeption dieser kleinformatigen Kunstwerke stehen antike Vorbilder Pate, daher auch die Wahl des Werkstoffs Bergkristall. Unterstützung bei deren Anfertigung findet sie bei einer befreundeten Goldschmiedin in Schongau.
Vergessener Roboter
1988
Hinterglasradierung, koloriert; die Künstlerin versteht die Natur als starken Gegensatz zur Künstlichkeit, deren Maximum sie damals in einem neu konstruierten Industrieroboter ausmachte, den sich bei einem Bekannten selbst anschauen konnte; FWW möchte zeigen, dass Künstliches langfristig nicht gegen die Natur durchzusetzen vermag, Räume also langfristig stets Naturräume sein werden, wenn auch mitunter geprägt durch menschliche Hinterlassenschaften.
© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack
DownloadLoft
2006
UV-Verklebung zweier Scheiben, Bemalung jeweils auf der Innenseite; die innere Struktur von menschleeren Räumen in der Draufsicht, Grundrisse, aber auch Aufrisse von Fassaden, wie hier, als Form der Raumordnung faszinieren die Künstlerin, Räume sind aber ihr zufolge nie ganz unbelebt, sondern angefüllt mit dem durch ins Bild gesetzten Kreaturen, die den Nachhall der Wahrnehmungen und Zuschreibungen der Menschen, die sich in den Räumen bewegten repräsentiert werden. Räumen und Gegenden ist für die Künstlerin ein Motiv, dass die Allgegenwart des Unerklärlichen Im Alltag, beispielsweise für Zufälle, oder ein Deja Vu
Brosche „Kircherl“ mit bemaltem Glaseinsatz in Goldmalerei, Motiv: Dorfkirche oder Kapelle im Regen, 1980/1990, Wetterphänomene faszinieren die Künstlerin, weil sich hierdurch die Wahrnehmung von Umwelt und Architektur verändert, im Regen verändere, verflache, ja verflüssige sich ihr zufolge der scharfe Blick.
© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack
DownloadKulturräume I
In der Vorstellung der Künstlerin bevölkern allerlei Kreaturen künstliche Räume. Sie sind Repräsentanten von Gefahren, deren Eintreten sie zumindest für möglich hält. Das Schrätlgatterl ist ein historisches Schutzzeichen im Alpenraum. Es dient dazu, böse Mächte fernzuhalten. Einerseits ist die Künstlerin begeistert von vorprogrammiert, orchestriert agierenden Maschinen und Robotern in Fabriken. Mit einer tödlichen Maschine konfrontiert zu sein, ist andererseits eine Schreckensvision der Künstlerin.
Die in der Nähe Peitings gefundene mittelalterliche Moorleiche „Rosalinde“ hat die Raumwahrnehmung Wirtl-Walsers um eine historische Dimension erweitert. Ihr ist anhand des Funds bewusst geworden, dass unbelebte Räume unsichtbar für alle dennoch stets kulturell geprägt sein können. Rosalindes lange Zeit unbekannte Anwesenheit in ihrer räumlichen Nachbarschaft und ihr Schicksal berühren die Künstlerin.
Killermaschine
1988
Eingesprenkeltes Terpentin auf Spiegelgrund, mit großen unkontrollierbaren Maschinen zusammenzutreffen, ist in doppelter Hinsicht eine Schreckensvision der Künstlerin, es geht ihr dabei nicht um die in allen alltäglichen Räumen grundsätzlich möglichen Unfälle aufgrund der unüberschaubar großen Anzahl technischer Apparaturen, sondern auch um Roboter, deren einzige Funktion das Töten darstellt, für Fride Wirtl-Walser entscheidet sich durch Maschinen das Schicksal der Menschheit, es gibt kein Entkommen, keine „save spaces“.
© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack
DownloadSchrättlgatterl
2001
Unheimliches und Bedrohliches, das aus unbekannten Sphären in unseren Alltag hineinwirkt kann der Künstlerin zufolge mittels haptischer Trennelemente, regelrechten Schutzelementen eingehegt werden, dazu zählt sie insbesondere die Schrättlgatterl, mit deren Hilfe unser Alltagsraum vor allerlei furchteinflößenden Wesen geschützt wird.
© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack
DownloadSagrada Familia
2000/2010
Schemenhafte Architekturen berühmter Gebäude und dabei vor allem Kirchen repräsentieren den Raum und die Gesellschaft, in denen sie gebaut wurden, sind Ausdruck symbolischer Ordnungen, dabei haftet insbesondere Kirchen auch etwas Geheimnisvolles an, weil deren Architekturen und Ausstattungen nicht selbst erklärlich sind und so Spielräume für eigene Interpretationen lassen
© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack
DownloadJupiter-Triptychon
2013
Die Künstlerin visualisiert ihre Vorstellung der von einem gigantischen System aus Wirbelstürmen geprägten Oberfläche des größten Planeten unseres Sonnensystems. Fride Wirtl-Walser versteht diese Art Raum als Chiffre für das Unbekannte in der menschlichen Existenz, das ambivalent, zufällig, beängstigend, widersprüchlich und doch stimmig, geheimnisvoll sowie harmonisch ausfallen kann.
Faszinierend ist das Zusammenspiel der Fremdartigkeit stark kontrastierend gefärbter Wolken und deren Dynamik. Gleichzeitig geht von dem Bild etwas Unbekanntes, für die Menschen noch Unverstandenes, quasi ein Schrecken aus. Die zusammengehörenden Bilder zeigen bei wechselndem Lichteinfall oder dem Standortwechsel der Betrachtenden verschiedene Perspektiven. Anders formuliert, repräsentiert das Gesamtbild permanent einen Zwischenzustand, wie er für Liminal Spaces typisch ist.
Über mein Leben
2023
Jüngstes Bild der Künstlerin, Bewegungsbild mit Darstellung des Bösen in Person des Teufels einerseits und die eines Engels als Verkörperung des Guten andererseits; gewechselt wird die Ansicht durch einen Zugmechanismus; die Künstlerin visualisiert Ihre Vorstellung menschlichen Daseins als Zustand zwischen wechselnden, zufälligen, ungeplanten Zustand zwischen Gut und Böse, durch die Zugfäden ist es ihr möglich, den jeweiligen Gemütszustand auszudrücken.
© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack
DownloadDie Niemandsrose (Mein Lieblingsbild)
2004
Es handelt sich um ein von der Künstlerin so genanntes „Kulissen-“, auch „Streifen-“ oder „Scherbenbild“. In seinem Rahmen sind acht Glasstreifen arrangiert, auf die einzelne Zeilen aus dem 1961 erschienenen Gedicht „Psalm“ von Paul Celan (1920–1970) aufgetragen sind:
„Dir zulieb wollen / wir blühn. / Dir entgegen. / Ein Nichts / werden wir, sind wir, werden / wir bleiben blühend: / die Nichts, die / Niemandsrose“.
Die Zeilen des Gedichts sind von links nach rechts und von unten nach oben zu lesen. Fride Wirt-Walser fordert die Betrachtenden dazu heraus, sich mit dem Text auch körperlich intensiver auseinanderzusetzen. Die Verrenkungen des Kopfes sind ein konzeptioneller Teil des anspruchsvollen Kunstwerks. Der Künstlerin gefällt an dem Text der melancholische, aber Hoffnung verströmende Grundzug, den sie als Kraftquelle verinnerlicht hat und bis heute rezitieren kann.
© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack
DownloadEcce Homo
1971
Das erste Hinterglasbild der Künstlerin, Karrierestart mit der Ausstellung in der Galerie Handwerk; Gefordert waren Arbeiten mit historischem Charakter, weshalb sie sich für diese frühen Arbeiten für klassische Motive entschied, wobei die ersten Bilder plakative, einfach anzulegende Motive zeigen
© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack
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