Pressematerial

Studioausstellung: Liminal Spaces

Hinterglasbilder von Fride Wirtl-Walser

Liminal Spaces sind menschenleer empfundene, für einen Moment der Zeit enthobene Räume, mit anderen Worten Nicht-Orte. Zugleich malerisch und unheimlich, markieren sie Übergange zwischen dem, was war, und dem, was kommt. Im Werk von Fride Wirtl-Walser (geb. 1932) sind solche uneindeutigen Raumsituationen allgegenwärtig und bilden eine Art Galerie der Zwischenwelten.

Wirtl-Walser studierte Bildhauerei an der Stuttgarter sowie Malerei und Glaskunst an der Münchner Kunstakademie. Sie lebt im oberbayerischen Peinting und zählt zu den bedeutendsten Vertretern der zeitgenössischen Hinterglasmalerei.

Aus der großzügigen Schenkung der Künstlerin an das Bayerische Nationalmuseum im Jahr 2025 sind 38 Bilder zu sehen, die faszinierende Ansichten von natürlichen und künstlichen, konkreten und abstrakten Räumen zeigen. Sämtlich zeugen sie von der Fantasie und Kreativität der Künstlerin, reflektieren ihre innere Haltung, Denkweise und mentale Grundeinstellung. Sie laden zu einer abwechslungsreichen visuellen Expedition ein.

Titel der Ausstellung:
Liminal Spaces

Untertitel:
Hinterglasbilder von Fride Wirtl-Walser

Zeitraum:
24.09.2026 - 17.01.2027

Ort:
Bayerisches Nationalmuseum, Studio

mehr zur Ausstellung Flyer (PDF)
D195702 bearb

Pressematerial

Liminal Spaces. Hinterglasbilder von Fride Wirtl-Walser

Publikation: Liminal Spaces. Hinterglaskunst von Fride Wirtl-Walser

hg. von Frank Matthias Kammel, mit Texten von Thomas Schindler, München 2026, 96 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen

12,00 Euro

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Blicke und Strukturen
Fride Wirtl-Walser ist eine genaue Beobachterin. Ihr künstlerischer Blick richtet sich insbesondere auf die Möglichkeiten der menschlichen Wahrnehmung. Ihre Arbeiten mit Augenbildern gleichen auf den ersten Blick wissenschaftlich präzisen Darstellungen, die alle anatomischen Bestandteile eines Auges berücksichtigen. Bei näherem Hinsehen ist zu erkennen, dass die Augen auf momentane Emotionen schließen lassen.
Die Malerin versteht den Blick „Killroys“ über eine Mauer hinweg oder durch eine dichte Nebelwand hindurch als ein Hinauswachsen über selbstgesetzte oder fremdbestimmte Limitationen. Am Beispiel des christlichen Kreuzes versucht sie folgendes zu verdeutlichen: Nach ihrer Lesart handelt es sich dabei um eine Variante des bereits in der „Steinzeitkunst“ nachzuvollziehenden Kreuz-Schemas, das dazu dient, der Raumwahrnehmung einen abstrakt-bildlichen Ausdruck zu verleihen.

Dazu gehören: Killroy, Zwei Augen, Blaues Kreuz

Killroy

2010

© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack

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Zwei Augen

2013

© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack

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Blaues Kreuz

2002

© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack

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Die Hexe von Pullach

1987

Vorbilder und Eigenkreationen
Die Künstlerin besitzt ein besonderes Interesse an historischen Darstellungen naturwissenschaftlicher Phänomene. Aus diesem Grund kauft sie sich in den 1970er- und 1980er-Jahren vornehmlich in einem Antiquariat in Prag zahlreiche grafische Blätter aus Lexika und Enzyklopädien. Sie nutzt Kopien davon jahrzehntelang als Vorzeichnungen für ihre Bilder, sogenannte Risse. Neben Bildern von versteinerten Tieren sprechen sie besonders solche von Mikroorganismen, chemischen Elementen und geografischen Eigenheiten an.
Themen und Figuren für ihre Bilder findet sie in der antiken und mittelalterlichen Mythologie, aber auch in den Sagen und Märchen ihrer Kindheit. Fride Wirtl-Walser widmet sich den Erzählungen und Gestalten immer wieder und fügt den ihr bereits bekannten eigene Kreationen hinzu. Diese spiegeln mitunter eigene Befindlichkeiten und Stimmungslagen, verweisen aber auch auf (un-)angenehme Bekanntschaften.

© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack

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Ammerbagage

2016

Naturräume I
Ansichten von Gebirgen und einzelnen Bergen, Flüssen, Inseln, Küstenlandschaften, Wäldern und Mooren besitzen im Werk der Künstlerin einen hohen Stellenwert. Sie verbindet mit der Natur eine Vorstellung der Endgültigkeit jedes Augenblicks in Anlehnung an Heraklits von Ephesos (520–460 v. Chr.) philosophische Formel des „panta rhei“ (grch. „Alles fließt“). Diese besagt, dass sich die Welt in einem steten Wandel, einer ewigen Bewegung und einem fortlaufenden Werden und Vergehen befindet.
Der Rückgriff auf den griechischen Philosophen verdeutlicht, dass es Fride Wirtl-Walser um die emotionale Erfahrung bei der künstlerischen Schilderung und Betrachtung von Naturräumen geht. Natur wird hier nicht dokumentarisch abgebildet, sondern durch Eindrücke und Stimmungen, Licht und Farbe neu interpretiert. Jedes Bild fängt Sehnsucht und Vergänglichkeit ein.

© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack

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HPG mit Goldfuß

2004

Serie Hohenpeißenberg
Im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg sieht Fride Wirtl-Walser in einer Sonderausstellung zur japanischen Kunst in den 1970er-Jahren zum ersten Mal eine Auswahl an Farbholzschnitten des wohl berühmtesten japanischen Malers der Edo-Zeit, Katsushika Hokusai (1760–1849). Dabei lernt sie einige der „36 Ansichten des Fuji“, dem Hauptwerk Hokusais, kennen.
Sie ist sofort von der Idee eingenommen, einen Berg in den Mittelpunkt einer Serie von Ansichten zu stellen. Wiederkehrend malt die Künstlerin die markante dreieckige Silhouette des Hohenpeißenbergs und die von ihrem Standpunkt aus auf dem Gipfelplateau rechts angeordnete Wallfahrtskapelle. Wirtl-Walser arbeitet nicht kontinuierlich an der Serie. In über 30 Jahren wird sie schließlich über 100 Hinterglasversionen des Motivs erschaffen. Der Hohenpeißenberg besitzt für sie eine große emotionale Bedeutung, weil er sie an die Berge ihrer Kindheit im Kleinwalsertal erinnert.

© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack

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Inspiration für Techniken und Motive
Die technischen Möglichkeiten zur künstlerischen Gestaltung der Rückseite eines gläsernen Bildträgers sind vielfältig. Hauptsächlich kommen die Bemalung mit Ölfarben, die Radierung von aufgeklebten Metallfolien oder das Aufkleben bedruckter Papierbögen, zum Beispiel Kupferstichen, die sogenannten Glaskupfer in Frage. Oft werden Malerei und Radierung kombiniert. „Monster“ und „Der vergessene Roboter“ deuten diese Bandbreite an. „Loft“ bezieht sich auf die antike Kunst des Zwischengoldglases, bei der eine Goldfolie zwischen zwei Glasschichten gelegt wird.
Schmuck in Form von Broschen, Anhängern und Ohrringen nimmt einen nicht allzu großen Stellenwert im Werk der Künstlerin ein. Bei der Konzeption dieser kleinformatigen Kunstwerke stehen antike Vorbilder Pate, daher auch die Wahl des Werkstoffs Bergkristall. Unterstützung bei deren Anfertigung findet sie bei einer befreundeten Goldschmiedin in Schongau.

Dazu gehören: Vergessener Roboter, Loft, Brosche "Kircherl im Gewitter"

Vergessener Roboter

1988

© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack

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Loft

2006

© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack

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Brosche "Kircherl im Gewitter"

1998

© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack

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Kulturräume I
In der Vorstellung der Künstlerin bevölkern allerlei Kreaturen künstliche Räume. Sie sind Repräsentanten von Gefahren, deren Eintreten sie zumindest für möglich hält. Das Schrätlgatterl ist ein historisches Schutzzeichen im Alpenraum. Es dient dazu, böse Mächte fernzuhalten. Einerseits ist die Künstlerin begeistert von vorprogrammiert, orchestriert agierenden Maschinen und Robotern in Fabriken. Mit einer tödlichen Maschine konfrontiert zu sein, ist andererseits eine Schreckensvision der Künstlerin.
Die in der Nähe Peitings gefundene mittelalterliche Moorleiche „Rosalinde“ hat die Raumwahrnehmung Wirtl-Walsers um eine historische Dimension erweitert. Ihr ist anhand des Funds bewusst geworden, dass unbelebte Räume unsichtbar für alle dennoch stets kulturell geprägt sein können. Rosalindes lange Zeit unbekannte Anwesenheit in ihrer räumlichen Nachbarschaft und ihr Schicksal berühren die Künstlerin.

Dazu gehören: Killermaschine, Rosalinde

Killermaschine

1988

© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack

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Rosalinde, versunken im Moor

2004

© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack

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Sagrada Familia

1996

Kulturräume II
Architekturdarstellungen nehmen im Werk der Künstlerin einen breiten Raum ein. Auf zahllosen Reisen erkundet sie Kirchen und Kirchenruinen in ganz Europa, aber auch mehrfach die Skyline von New York. Für Wirtl-Walser sind es gerade mittelalterliche Architekturen, die wie bei vielen Menschen einerseits das Interesse an der Vergangenheit wecken. Andererseits verdeutlichen ihr die Relikte von Menschenwerk, dass Kultur ein dynamisches Konstrukt ist, das Werden und Vergehen notwendigerweise einschließt.

© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack

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Jupiter-Triptychon

2013

Die Künstlerin visualisiert ihre Vorstellung der von einem gigantischen System aus Wirbelstürmen geprägten Oberfläche des größten Planeten unseres Sonnensystems. Fride Wirtl-Walser versteht diese Art Raum als Chiffre für das Unbekannte in der menschlichen Existenz, das ambivalent, zufällig, beängstigend, widersprüchlich und doch stimmig, geheimnisvoll sowie harmonisch ausfallen kann.
Faszinierend ist das Zusammenspiel der Fremdartigkeit stark kontrastierend gefärbter Wolken und deren Dynamik. Gleichzeitig geht von dem Bild etwas Unbekanntes, für die Menschen noch Unverstandenes, quasi ein Schrecken aus. Die zusammengehörenden Bilder zeigen bei wechselndem Lichteinfall oder dem Standortwechsel der Betrachtenden verschiedene Perspektiven. Anders formuliert, repräsentiert das Gesamtbild permanent einen Zwischenzustand, wie er für Liminal Spaces typisch ist.

© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack

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Über mein Leben

2023

Das Zieh- oder Bewegungsbild ist eines der letzten Werke der Künstlerin, entstanden kurz bevor ihre schwindende Sehkraft die künstlerische Tätigkeit endgültig unmöglich macht. Mit dem Werk zieht sie symbolisch die Bilanz ihres Künstlerlebens. Dargestellt finden sich das Böse, verkörpert durch die Figur des Teufels, und das Gute, dargestellt mit einem Engel. Die Zeilen, die das Zentrum des Bildes fast vollständig einnehmen, besitzen nach Aussage von Fride Wirtl-Walser keine unmittelbare Bedeutung. Der fast unleserliche Text
repräsentiert vielmehr die vielen Geschichten, die ihr Leben durchziehen.
Zieht man an einem der Enden der beiden Schnüre die durch Löcher in der Glasplatte gefädelt und verknotet sind, verschwindet entweder der Teufel oder der Engel. Die Künstlerin visualisiert ihre Vorstellung vom menschlichen Sein als Zustand zwischen wechselnden, zufälligen, ungeplanten, kontextabhängigen Stimmungen, der zwischen Gut und Böse oszilliert.

© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack

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Die Niemandsrose (Mein Lieblingsbild)

2004

Es handelt sich um ein von der Künstlerin so genanntes „Kulissen-“, auch „Streifen-“ oder „Scherbenbild“. In seinem Rahmen sind acht Glasstreifen arrangiert, auf die einzelne Zeilen aus dem 1961 erschienenen Gedicht „Psalm“ von Paul Celan (1920–1970) aufgetragen sind:
„Dir zulieb wollen / wir blühn. / Dir entgegen. / Ein Nichts / werden wir, sind wir, werden / wir bleiben blühend: / die Nichts, die / Niemandsrose“.

Die Zeilen des Gedichts sind von links nach rechts und von unten nach oben zu lesen. Fride Wirt-Walser fordert die Betrachtenden dazu heraus, sich mit dem Text auch körperlich intensiver auseinanderzusetzen. Die Verrenkungen des Kopfes sind ein konzeptioneller Teil des anspruchsvollen Kunstwerks. Der Künstlerin gefällt an dem Text der melancholische, aber Hoffnung verströmende Grundzug, den sie als Kraftquelle verinnerlicht hat und bis heute rezitieren kann.

© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack

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Ecce Homo

1971

Nach ihrer Ausbildung wohnt die Künstlerin bei ihren Eltern in Peiting. Sie bezieht ihre eigene Wohnung im ersten Stock. Über der Essecke richtet sie den Herrgottswinkel ein und schnitzt dafür ein Kruzifix. Weil ihr vier Bilder als Entourage fehlen, ruft sie ihren Bruder Hubert Kriss-Heinrich (1929–2019) an. Ihn bittet sie darum, ihr ein Hinterglasgemälde zu leihen, das sie kopieren möchte. Er überlässt ihr für diesen Zweck kurzzeitig ein sogenanntes Rußbild mit Ecce Homo-Darstellung, das im 19. Jahrhundert in Raimundsreut im Bayerischen Wald entstanden ist.
Ihr Ecce Homo gelingt so gut, dass ihre Schwester darum bittet, dieses erste Bild geschenkt zu bekommen. Und sie erhält das Bild. Nach über 50 Jahren trennt sie sich wieder von dem Stück, um es an Fride Wirtl-Walser zurückzugeben, die es dem Bayerischen Nationalmuseum aufgrund seiner herausragenden Bedeutung für die Dokumentation ihres Gesamtwerkes überlässt.

© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack

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Saalaufnahmen

© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack

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Saalaufnahmen

© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack

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Saalaufnahmen

© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack

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Saalaufnahmen

© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack

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Saalaufnahmen

© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack

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