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Wiedereröffnung der Mittelalter-Säle
Presseinformation
Wiedereröffnung der Mittelalter-Säle
Saal 3 - Grabmale
Die Verewigung in aufwendigen Grabmalen gehörte zu den Mitteln der Repräsentation von Geistlichkeit und Adel. In figürlich gestalteten Grabplatten und den unabhängig vom eigentlichen Begräbnisort errichteten Epitaphien (Gedenktafeln) fanden persönlicher Nachruhm und Hoffnung auf das Seelenheil anschaulichen Ausdruck. Oft gaben die Dargestellten ihre Grabmale schon zu Lebzeiten in Auftrag. So stellten sie sicher, dass sie in der gewünschten Form in Erinnerung blieben.
Als Ausweis von Stärke und Tugend präsentieren sich die Ritter häufig über einem Löwen oder einem Untier. Mit dem Auftritt in militärischem Gewand spiegeln sie ihren gesellschaftlichen Status und vermitteln ein Bild ihres Lebensstils. Zugleich überliefern solche Darstellungen das Aussehen von Waffen und Rüstungen der Entstehungszeit.
Eine Bronzeplastik des 20. Jahrhunderts bildet einen spannungsvollen Kontrapunkt zu den mittelalterlichen Steinbildwerken. Als Äußerung der Memoria, des Totengedenkens, besitzt sie jedoch eine den jahrhundertealten Monumenten ähnliche Funktion.
Grabmal des Ritters Konrad V. von Bickenbach (+ 1393)
Würzburg, um 1390
© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack
Die Bickenbach waren ein edelfreies Geschlecht mit Besitzungen im Rheingau und im Odenwald. Das Grabmal zeigt Konrad in modischer Rüstung auf einem Löwen. Im spitzbogigen Aufsatz präsentieren zwei Höflinge unter dem Antlitz Christi einen geviertelten Schild mit der Ahnenprobe, dem mittels der Wappen der Vorfahren erbrachten Nachweis der noblen Abstammung des Verstorbenen.
DownloadSaal 4 - Kunst um 1400
Große Altaraufsätze, sogenannte Retabel, gehören zu den repräsentativen Ausstattungsstücken der Kirchen. Haben sie bewegliche Seitenteile, werden sie Flügelaltäre genannt. Mit ihrer Wandelbarkeit bieten sie wechselnde Ansichten für Werk-, Sonn- und Feiertage. An den höchsten Festen verweist reichlicher Einsatz von Gold in der geöffneten Hauptansicht auf die himmlische Sphäre. Zahlreiche erhaltene Tafelgemälde, Reliefs und Einzelskulpturen waren einst Teil dieser Gesamtkunstwerke. In den Jahrzehnten zwischen 1390 und 1430 entwickelte sich ein eleganter, idealisierter Stil. Er war von der höfischen Kultur in Paris und Prag geprägt. Die fein bewegten Formen und das Raffinement der weichfließenden Linienführung erreichten einen Höhepunkt. Die Künstlichkeit der Gewandbildung steht in spannungsreichem Kontrast zur naturnahen Schilderung des Körpers. Man spricht von der Epoche des Schönen Stils, der auf ganz Europa ausstrahlte. Seine Leitbilder sind die Schöne Madonna und das Schöne Vesperbild. Beide Marienmotive bringen auf neue, bis dahin nicht gekannte Weise eine tief empfundene Emotionalität zum Ausdruck.
Raumeindruck Saal 4 mit Fenster
Fenster:
Szenen der Passion und Auferstehung Christi: Teile des Mittelfensters und Ornamentscheiben aus der Regensburger Minoritenkirche
Regensburg, um 1350
In den Chorfenstern waren jeweils sieben sechsteilige Medaillons übereinander geordnet. Die Szenen füllten die gesamte Breite der Fensterbahnen aus – zur Entstehungszeit eine moderne Lösung. Das Mittelfenster zeigte oben die Auferstehung Christi. Einzig dieses Bildfeld blieb vollständig erhalten. Die Fragmente darunter gehören zur Verurteilung durch Pontius Pilatus und zur Kreuzigung. Der kniende Stifter ist als Lektor Wenzel bezeichnet. Dieses Segment stammt wohl aus einem Fenster mit dem Leben des hl. Franziskus, das rechts vom Mittelfenster platziert war. Die Ornamentscheiben kommen zum Teil aus dem Langhaus der Kirche.
© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack
DownloadFenster: Szenen der Passion und Auferstehung Christi
Teile des Mittelfensters und Ornamentscheiben aus der Regensburger Minoritenkirche
Regensburg, um 1350
In den Chorfenstern waren jeweils sieben sechsteilige Medaillons übereinander geordnet. Die Szenen füllten die gesamte Breite der Fensterbahnen aus – zur Entstehungszeit eine moderne Lösung. Das Mittelfenster zeigte oben die Auferstehung Christi. Einzig dieses Bildfeld blieb vollständig erhalten. Die Fragmente darunter gehören zur Verurteilung durch Pontius Pilatus und zur Kreuzigung. Der kniende Stifter ist als Lektor Wenzel bezeichnet. Dieses Segment stammt wohl aus einem Fenster mit dem Leben des hl. Franziskus, das rechts vom Mittelfenster platziert war. Die Ornamentscheiben kommen zum Teil aus dem Langhaus der Kirche.
© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack
Pähler Altar
Flügelretabel mit der Kreuzigung Christi und den hll. Johannes der Täufer und Barbara
Prag, um 1390
© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack
Das Werk entstand in einer der führenden Malerwerkstätten Prags, dem damals politischen und künstlerischen Zentrum des Reiches. Charakteristisch sind elegante Körper- und Gewandformung. Im Goldgrund der Kreuzigung deuten mit kleinen Schlagstempeln erzeugte Umrisszeichnungen zwei Engel an. Die Außenseiten der Flügel zeigen Maria mit dem Jesuskind und Christus als Schmerzensmann.
Download"Bamberger Altar" Kreuztragung, Kreuzigung und Kreuzabnahme Christi
Meister des Bamberger Altars, Nürnberg, 1429
© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack
Das Triptychon ist ein Hauptwerk der fränkischen Malerei. Die Passion Christi wird detailreich und mit besonderem Augenmerk auf emotionale Gesten der Begleiter Jesu geschildert. Der Entstehungszeit der Gemälde entsprechen die Rüstungen und Gewänder der Soldaten. Ihr Anführer trägt Züge des damals regierenden Kaisers Sigismund.
DownloadReliquienbüste
Köln, um 1350/1358
© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack
Hinter dem Sichtfenster in der Brustöffnung wurden einst Reliquien eines unbekannten heiligen Bischofs präsentiert. Die Wappen kennzeichnen das Bildwerk als Stiftung von
Abt Reinhard von Lülsdorf, der dem Benediktinerkloster Siegburg bei Köln von 1350 bis 1358 vorstand.
"Seeoner Madonna"
Meister von Seeon, Mühldorf oder Salzburg, um 1435/1440
© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack
Als eine der frühesten Erwerbungen zählt dieses Marienbild auch zu den bedeutendsten des Museums. Der anonyme, nach ihr benannte Bildhauer prägte die Kunst im ostbayerischen und im Salzburger Raum auf Jahrzehnte. Kaum ein zweites Werk des Meisters von Seeon ist so gut erhalten und so sorgfältig wie aufwendig gearbeitet – bis hin zum Textilbesatz am Thron.
DownloadSaal 7 - Kunst in Frauenklöstern
Frauenklöster waren geistliche und geistige Zentren, Orte der Bildung und Kultur. Gottesdienst, Gebet und Handarbeit prägten das Leben der oftmals aus patrizischen und adeligen Familien stammenden Nonnen nach dem Prinzip „ora et labora“, bete und arbeite. Formen gefühlsbetonter Frömmigkeit kennzeichneten ihre Andachtspraxis. Dazu zählen die besondere Verehrung des Jesuskindes, des Herzens Jesu und des leidenden Heilands. Von dieser Religiosität gingen entscheidende Impulse zur Entwicklung wichtiger Andachtsbildtypen aus. So entstanden die ersten Vesperbilder – Darstellungen Mariens mit dem toten Sohn im Schoß – in Frauenkonventen des Zisterzienserordens.
Klöster sowie deren adelige Stifter und Schirmherren gehörten zu den bedeutendsten Auftraggebern von Kunstwerken. Vielfach gingen Nonnen auch selbst künstlerischen Tätigkeiten nach. Sie vervielfältigten Handschriften, schufen Miniaturmalerei sowie für den Gottesdienst notwendige liturgische Gewänder und Altarschmuck.
Vesperbild
wohl Mittelrhein, um 1360
© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack
Vesperbilder sind Darstellungen des Leichnams Christi im Schoß seiner Mutter. Mit diesem Motiv aus der Passion Jesu lebt Maria das dem Betrachter empfohlene Mitleiden vor. Das Größenverhältnis der Figuren erinnert daran, dass sie ihren Sohn als Kind ebenfalls im Schoß trug. Die in der Brust sichtbar eingeschlossenen Reliquien verschiedener Heiliger steigerten die Ehrwürdigkeit des Bildwerks.
DownloadReliquienbüste
Regensburg, 1345
© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack
Die auf Pfoten gestellte Büste zeigt eine heilige Jungfrau. Ihre Reliquien befanden sich im verschlossenen Gefach auf der Brust. Ein deutscher Text auf der Unterseite informiert über die Geschichte des Stücks: Es entstand 1345 für Kunigunde von Egloffsheim, die erste Priorin des Augustinerinnenklosters Niederviehbach bei Dingolfing.
DownloadEpitaph der Dominikanerin Gerhaus Ferin
Bamberg, um 1443
© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack
Der Evangelist Johannes empfiehlt eine Nonne an Maria und Jesus. Energisch streckt ihr das Kind seine Rechte entgegen, Zeichen ihrer Aufnahme in den Himmel. Die Inschrift besagt, dass Gerhaus Ferin, Dominikanerin im Bamberger Kloster vom Heiligen Grab, am Vorabend von Fronleichnam 1443 verstarb. Die Tafel ist ein Gedächtnisbild, das zum Gebet für die erinnerte Person auffordert.
DownloadPressegespräch am 04.03.2026
Dr. Matthias Weniger (Referent), Dr. Kristina Mösl (Leitung Konservierung-Restaurierung), Dr. Frank Matthias Kammel (Generaldirektor)
v.l.n.r.
© Bayerisches Nationalmuseum, Foto: Bastian Krack
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