Sammlung

Teekanne mit Löwen-Knaufdeckel und koreanischem Löwen auf unterglasurblauem Fond

Künstler/in
Herstellung: Porzellanmanufaktur Meißen
Entstehung
Meißen
Datierung
1729-1731
Material
Feldspatporzellan, Unterglasurblau, Aufglasurfarbe (Eisenrot), Gold (teilweise)
Maße
Teekanne: H. (insgesamt) 11,9 cm, H. (ohne Deckel) 9,8 cm, L. 16,7 cm, Dm. (oben) 8,5-8,7 cm, Dm. (unten) 7,9 cm, Wandungsstärke 0,4-0,5, G. (ohne Deckel) 355,0 g; Deckel: H. 2,9 cm, Dm. 7,8 cm, Wandungsstärke 0,4, G. 61,0 g
Standort
Schloss Lustheim
Inventarnummer
L ES 324 a-b
Bezug
Zugang
Unbefristete Leihannahme 2012, Freundeskreis des Bayerischen Nationalmuseums e.V., München, Sammlung Victor, Herbert und Ralph von Klemperer, Dresden (bis 1938), Sammlung Gustav von Klemperer, Dresden (bis 1926)

Die Meißener Teekanne mit unterglasurblauem Fond und rot-goldenen Löwendarstellungen in den Reserven ahmt exakt ein chinesisches Vorbild nach. Wenigstens zwei Originale befanden sich einst in der Sammlung von August dem Starken (1670–1733). Noch heute besitzt die Dresdner Porzellansammlung eine solche chinesische Kanne, die, in den Boden eingeschnitten und geschwärzt, die historische Inventarnummer des Japanischen Palais ≫N:161- /www≪ trägt (Inv.-Nr. PO 4114). Um 1730 wurden im Auftrag des Pariser Händlers Rodolphe Lemaire zahlreiche fernöstliche Porzellane in der Meißener Manufaktur kopiert. Mit Unterstützung des Manufakturdirektors Graf von Hoym setzte Lemaire nicht nur die Bezeichnung seiner Kopien mit den gekreuzten Schwertern in Emailblau statt – wie üblich – in Unterglasurblau durch, sodass die Marken später mithilfe eines Diamanten abgeschliffen und die Stücke mit großem Gewinn als ostasiatische Originale weiterverkauft werden konnten. Hoym und Lemaire besaßen zudem die Dreistigkeit, die nötigen Vorbilder aus der königlichen Sammlung zu entnehmen. Unter den rund 220 von Dresden nach Meißen verschifften fernöstlichen Porzellanen befanden sich auch zwei Teekannen mit der Inventarnummer 161, nach denen der Porzellanmaler Johann Gregorius Höroldt drei Malereimodelle anfertigen ließ, die wiederum mit der Inventarnummer des chinesischen Vorbilds beschriftet wurden. Genau drei Meißener Kopien sind heute noch nachweisbar – neben dem Exemplar in Schloss Lustheim befinden sich zwei weitere in der Dresdner Porzellansammlung. Sie tragen die Inventarnummer 461 des Japanischen Palais, wohin sie Ende 1734 zusammen mit zahlreichen älteren Arbeitsvorlagen aus der Manufaktur abgegeben worden waren. Bei genauem Besehen ist festzustellen, dass auf den Unterseiten aller drei Kannen eine zweizeilige Beschriftung ausgeschliffen wurde. Dabei handelte es sich sicher um die ursprünglich aufgemalte Inventarnummer des chinesischen Vorbilds, wie der Vergleich mit weiteren Malereimodellen belegt, bei denen diese Bezeichnungen noch ganz oder teilweise erkennbar sind. Das Lustheimer Exemplar stammt aus der Dresdner Sammlung Gustav von Klemperers (1852–1926), dessen Söhne Victor, Herbert und Ralph nach den Novemberpogromen 1938 nach Südafrika flohen. Die bedeutenden Kunstschätze, die sie zurücklassen mussten, wurden von den Nationalsozialisten konfisziert. Als im Zuge der Vorbereitungen eines Bestandskatalogs die Provenienz des Teekännchens wie auch des nachfolgend beschriebenen Suppentöpfchens bekannt wurde, erklärten sich die Erben bereit, die beiden restituierten Stücke dem Freundeskreis des Bayerischen Nationalmuseums zu verkaufen, sodass sie weiterhin in Schloss Lustheim gezeigt werden können.

BV021658926
Zum Objekt: Ludwig Schnorr v. Carolsfeld, Porzellansammlung Gustav v. Klemperer, Dresden 1928, Abb. Taf. 20, Kat.-Nr. 112

BV002007964
Zum Objekt: Richard Seyffarth, Johann Gregorius Höroldt. vom Porzellanmaler zum 1. Arkanisten d. Königl. Porzellan-Manufaktur Meissen, Dresden 1981, Abb. 64

BV040748200
Zum Objekt: Mus.-Kat. Julia Weber, Meissener Porzellane mit Dekoren nach ostasiatischen Vorbildern Bd. 1-2, Renate Eikelmann (Hrsg.), München 2013, Kat.-Nr. 321

BV002596995
Zum Objekt: Jahresbericht Bayerisches Nationalmuseum München 2012-2013, Renate Eikelmann (Hrsg.), München 2014, S. 34-35, Abb. S. 34

BV042077994
Zum Objekt: Julia Weber, Meissen Porcelains with East Asian decoration in the Ernst Schneider Collection, in: Art Antiques London, Haughton International Fairs (Hrsg.), London 2014, S. 119-128, Abb. 8

Forschung

Restituiert an die Erben nach Gustav von Klemperer im Jahr 2012.

Systematik

Gefäß - Kanne - Teekanne

Weitere Werke