Sammlung

Figur mit Sockel: Mädchen einen Hund haltend

Künstler/in
Entstehung
Frankreich
Datierung
1. Drittel 14. Jh.
Material
Messing, gegossen
Maße
Gesamt: H. 7,25 cm, G. 47,1 g; Figur mit Plinthe: H. 6,0 cm; Schaft zur Aufnahme der Klinge: H. 1,25 cm, B. 1,3 cm, T. 0,75 cm
Standort
Bayerisches Nationalmuseum (nicht ausgestellt)
Inventarnummer
2011/4.1-2
Bezug
Zugang
Geschenk 2011, Dr. Bernhard Heitmann, Hamburg. 1994 aus dem Kunsthandel in London erworben

Von der Antike bis ins 18. Jahrhundert waren figural gestaltete Besteckgriffe als Luxusartikel gebräuchlich. Sie wurden meist separat gearbeitet. Anwendung fanden sie zunächst bei Messern und Löffeln, später auch bei Gabeln. Sie wurden oft aus Edelmetallen oder anderen wertvollen Materialien gefertigt, weshalb nur sehr wenige Exemplare bis heute überdauert haben, was das hier vorgestellte Geschenk umso willkommener macht. Vergleichsweise haben sich barocke Griffe aus Elfenbein am häufigsten erhalten, von denen auch das Bayerische Nationalmuseum eine ganze Reihe besitzt. Als Motive wurden sowohl Darstellungen aus dem profanen wie aus dem religiösen Bereich gewählt – so hat man frühen Löffelgriffen wiederholt die Gestalt der Zwölf Apostel gegeben; Vertreter dieser Gattung findet man wiederum auch im Bayerischen Nationalmuseum. Bei dem Neuzugang hingegen trägt eine junge Frau auf dem linken Arm ein Tier, dessen lange Leine sie mit der Rechten hält. Die Formen sind zu stark verschliffen, als dass sich aus der Darstellung allein schwer entscheiden ließe, ob es sich um einen Hund oder ein anderes Tier handelt. Proportionierung, Haartracht und Gewandung der Statuette belegen eine Entstehung im 14. Jahrhundert. Bei zwei weiblichen Figuren im Musée de Cluny in Paris (Inv.-Nr. Cl. 18162) und im British Museum in London (Inv.-Nr. 1824,0429.96) lässt sich das Tier eindeutiger als Hund bestimmen, was die Darstellungen in einen höfischen Kontext rückt. Im ersten Fall ziert die Dame den Schaft eines nur 9 cm großen silbernen Accessoires, das an einer Kette getragen wurde. Die gegossene Bronzestatuette in London ist hingegen mit 12,3 cm größer als die Münchner Figur. Die moderne Montage hindert ein Urteil, ob sie als autonomes Kunstwerk konzipiert war oder einst ebenfalls als Teil eines Gerätes diente. Bemerkenswert erscheint noch, dass die Gerätschaft, hier wohl die Klinge eines Beimessers zur Jagd, bei diesem Stück von einer Nut am Griffende aufgenommen und nicht umgekehrt mittels einer Erl im Griff fixiert wurde, wie es bis heute gebräuchlicher ist.

BV002539476
Zum Objekt: Münchner Jahrbuch der bildenden Kunst, 3. Folge, Bd. 63, München 2012, S. 239-240, Abb. 1

BV002596995
Zum Objekt: Jahresbericht Bayerisches Nationalmuseum München 2010-2011, Renate Eikelmann (Hrsg.), München 2012, S. 32 (mit Abb.)

BV046277210
Zum Objekt: Ausst.-Kat. Bayerisches Nationalmuseum, München, 28.11.2019-19.04.2020: Treue Freunde. Hunde und Menschen, Frank Matthias Kammel (Hrsg.), Berlin u. München 2019, S. 159, Abb. 5.18

Systematik

Bildwerk [Plastik, Skulptur] - Figur (Mensch) - Figur | Architektur - Architektureinzelteil - Sockel

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