Sammlung
Metallikone in Form eines Kreuzes mit Assistenzfiguren
- Künstler/in
- Altgläubigenatelier
- Entstehung
- Russland
- Datierung
- 19. Jh.
- Material
- Messing, gegossen, emailliert, fünffarbig, vergoldet
- Maße
- H. 16,9 cm, B. 11,1 cm, T. 0,2 cm
- Standort
- Altes Schloss Schleißheim
- Inventarnummer
- 2011/70
- Bezug
- –
- Zugang
- Geschenk 2011, Privatbesitz, Aus dem Nachlass Hans-Joachim Härtel, München
Kruzifixe dieser Art dienen der Privatandacht und sind als ≫Hauskreuz≪ beziehungsweise ≫kiotnyj krest≪, das heißt Kreuz für einen Andachtskasten (kiot), in der Ikonenecke bekannt. Häufig sind sie in eine passgenaue Aussparung einer Tafel (≫Staurothekikone≪) eingefügt, der sie bei Gebrauch zum Beispiel für eine Krankensegnung entnommen werden können. Ein dreibalkiges Kreuz als festgelegte Grundform ist erweiterbar, in erster Linie mit den Assistenzfiguren (v. l.) hll. Martha und Maria sowie Johannes mit dem Hauptmann Longinus. Darüber und daneben können theoretisch beliebig viele Plaketten mit zum Beispiel den Hochfesten oder auch mit dem Namenspatron des Besitzers ≫angebaut≪ werden. Allerdings sind die Bildvorgaben festgeschrieben und quasi jeder Buchstabe vorgegeben. Abweichungen erlauben Rückschlüsse auf die jeweilige religiöse Gruppierung. Hier etwa steht anstelle des Kreuz-Titulus über dem Nimbus Christi nur das Christogramm IC XC mit den Abbreviaturen für ≫Car’ der Ehren≪ und ≫Sohn Gottes≪, ein Hinweis auf die Anfertigung in einer Altgläubigenwerkstatt. Einige von ihnen, die ≫Titulanten≪ (titlovščina), lehnten die Pilatus-Inschrift nach Art der Lateiner ab und verweigerten einem Kreuz mit dem Lemma INRI die Verehrung. So kritisch die altgläubigen Kunsttheoretiker, so penibel die Ausführung, die hier an der feinen Zeichnung der detailreichen Physiognomien bis in die Haarbehandlung abzulesen ist. Oben zeigt sich das Textil mit der Vera Icon der Ostkirchen: das Mandylion als Autoporträt Christi, untertitelt mit ≫nicht von Menschenhand gemachtes Bild≪, darunter zwei ≫Engel des Herrn≪ mit verhüllten Händen, an den Enden des zweiten Querbalkens die kosmischen Zeugen des Kreuzestodes Jesu, links ≫Sonne≪ und rechts ≫Mond≪ mit eingeschriebenem Kreuzhymnus ≫Dein Kreuz, Gebieter, verehren wir …≪, zu beiden Seiten des Gekreuzigten die Initialen für Lanze und Ysoprohr. Im Schrägbalken erscheint das Weichbild des irdischen Jerusalem mit dem Schriftzug ≫NIKA≪ (d. h. ≫Jesus Christus siegt≪). Die Sigle aus vier Lettern zu Füßen Christi besagt: ≫Die Schädelstätte wird zum Paradies≪, ein Verweis auf das Grab Adams als Ort der Erlösungstat.
BV002596995
Zum Objekt: Jahresbericht Bayerisches Nationalmuseum München 2010-2011, Renate Eikelmann (Hrsg.), München 2012, S. 47 (mit Abb.)
BV002539476
Zum Objekt: Münchner Jahrbuch der bildenden Kunst, 3. Folge, Bd. 63, München 2012, S. 253, Abb. 16
Systematik
Bildwerk [Plastik, Skulptur] - Kruzifix