Sammlung

Ikone: Vitenikone Hl. Julitta und Kirik

Künstler/in
Entstehung
Russland
Datierung
2. Hälfte 18. Jh.
Material
Tempera auf Holz
Maße
H. 55,5 cm, B. 48,2 cm, T. 4,0 cm
Standort
Altes Schloss Schleißheim (nicht ausgestellt)
Inventarnummer
2011/109
Bezug
Zugang
Überweisung 2011, Bayerisches Staatsministerium der Justiz

Das Märtyrerpaar der hl. Julitta und ihres Sohnes Kirik (lat. Quiricus) hat sich im religiösen Bewusstsein des Westens weit weniger lebendig gehalten als in den Ostkirchen. Insgesamt heftete sich die Verehrung mehr an den gemarterten Dreijährigen, obwohl er selten ohne seine Mutter dargestellt wird. Das Stroganov-Malerhandbuch bildet die beiden an ihrem Festtag, dem 15. Juli, sogar wie eine stehende Muttergottes mit Kind ab. Im Westen war die Überlieferung von den beiden aus Iconium stammenden Blutzeugen der Diokletianischen Christenverfolgung längst vergessen. Doch hatten während des Mittelalters ihre Reliquien im Kult der Alten Kirche Galliens, Spaniens und Italiens einen festen Platz eingenommen. Und vielfach wurden Kirchen ihrem Schutze unterstellt, wie die Pfarrkirche von Tramin in Südtirol, aus der das Bayerische Nationalmuseum den ehemaligen Hochaltar von Hans Klocker besitzt. Stets wird er als ≫Traminer Altar≪ bezeichnet, selten das Patrozinium der dortigen Pfarrkirche zu den Heiligen Julitta und Quiricus namentlich genannt. Der Chor dieses Gotteshauses zeigt bis heute die kurz nach 1400 gemalten Fresken mit der Leidensgeschichte seiner beiden Kirchenpatrone, die auch auf dem Altar dargestellt sind. Sie fungierten als Titularheilige ≫Saint Cyr et Sainte Juliette≪ auch für das ehemalige Bistum von Nevers, und noch heute lauten einige burgundische Ortsnamen auf die einstigen Schutzheiligen. Im Osten ist ihr Ruhm nie verblasst, am wenigsten bei den russischen Altritualisten, aus deren Werkstatten diese Ikonostas-Ikone stammt. Dafür sind die in einigen Szenen, voraus im zentralen Hauptfeld, überaus prominent ins Bild gesetzten Zweifingergesten (Engel) prototypische Erkennungszeichen. Die untertitelte Bildergeschichte erzählt die Martyrien von Mutter und Kind, deren fantastische Ausmalung traditionell alle Horrorvisionen von Kreuzigung über Verbrennen bis zum Aussetzen auf dem offenen Meere bedient (≫Motiv vom unzerstörbaren Leben≪). Das Mittelfeld zeigt die beiden mit je einem dreibalkigen, ≫achtendigen≪ Märtyrerkreuz, rechts bei ihrer Enthauptung, links als von Engeln bewachte heilige Leiber. Julitta hält eine Schriftrolle mit dem Beginn des Kommuniongebetes ≫Ich danke Dir, o Herr, mein Gott …≪.

BV002596995
Zum Objekt: Jahresbericht Bayerisches Nationalmuseum München 2010-2011, Renate Eikelmann (Hrsg.), München 2012, S. 44 (mit Abb.)

Systematik

Malerei - Ikonenmalerei - Ikone

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