Sammlung
Medaillon: Porträt von Elisabeth Groß, der Ehefrau des kurpfälzischen Hofrates und Arztes Dr. Karl Joseph Groß
- Künstler/in
- Modell: Johann Peter Melchior, Ausformung: Adam Clair, Porzellanmanufaktur Nymphenburg
- Entstehung
- München, Nymphenburg
- Datierung
- 1803.01.00
- Material
- Biskuitporzellan
- Maße
- H. 13,4 cm, B. 11,0 cm
- Standort
- Bayerisches Nationalmuseum (nicht ausgestellt)
- Inventarnummer
- L 2012/2
- Bezug
- –
- Zugang
- Unbefristete Leihannahme 2012, Privatbesitz
Die beiden Nymphenburger Reliefmedaillons zeigen in sehr fein ausgearbeiteten Profilbüsten den kurpfälzischen Hofrat Dr. Karl Joseph Groß, der laut kurpfälzischem Hofkalender von 1783 ≫Stadt-, Fabriken- und Hospitalmedikus zu Mannheim≪ war, sowie seine Gemahlin Elisabeth Groß, geborene Hebberling. Ihr Vater, ein kurpfälzischer Schaffner, war ein enger Freund des Modellmeisters Johann Peter Melchiors, der die Porträts in seiner Frankenthaler Zeit geschaffen hat, bevor er 1794 vor den napoleonischen Revolutionstruppen nach Nürnberg floh und 1797 schließlich Anstellung in der Nymphenburger Porzellanmanufaktur fand. Frankenthaler Ausformungen der Porträts befanden sich 1911 noch im Familienbesitz der Hebberlings in Köln-Lindenthal. Durch ein Arbeitsbüchlein weiß man, dass der ebenfalls von Frankenthal nach Nymphenburg gewechselte Bossierer Adam Clair auch in der bayerischen Manufaktur Porträts von Dr. Groß ausgeformt hat, im Januar 1803 vier und im Oktober 1803 nochmals zwei, wofür er je 45 Kreuzer erhalten hat. Doch waren bislang keine Nymphenburger Ausformungen bekannt. Im Vergleich der Nymphenburger mit den Frankenthaler Exemplaren wird deutlich, dass beide aus denselben Gipsnegativformen ausgeformt worden sind. Vermutlich waren diese Gipsformen während der Kriegswirren im Familienbesitz verblieben und bei der Nachbestellung nach Nymphenburg mitgeliefert worden. Möglicherweise waren sie aber auch nach der Besetzung Frankenthals durch die napoleonischen Truppen und der Auflösung der Manufaktur mit deren übrigen Restbeständen im Jahre 1800 in die Schwesteranstalt in Nymphenburg bei München gebracht worden. Hier hatte der Pfälzer Kurfürst Carl Theodor 1777 die Regierung über die nun vereinigten Gebiete von der Pfalz und Bayern übernommen und war somit oberster Dienstherr beider Manufakturen geworden.
BV002596995
Zum Objekt: Jahresbericht Bayerisches Nationalmuseum München 2012-2013, Renate Eikelmann (Hrsg.), München 2014, S. 37-38, Abb. S. 37
Systematik
Schmuck - Medaillon