Sammlung

Pokal mit schlafender Nymphe und Satyr

Künstler/in
Elias Rosbach
Entstehung
Zechlinerhütte (Gde. Rheinsberg)
Datierung
um 1740/1750
Material
Glas, entfärbt, geschliffen, geschnitten, geblänkt
Maße
Gesamt: H. 24,7 cm, Dm. (Kuppa 10,5 cm, Dm. (Fuß) 11,8 cm, G. 560 g
Standort
Bayerisches Nationalmuseum (nicht ausgestellt)
Inventarnummer
L 2012/255
Bezug
Zugang
Unbefristete Leihannahme 2012, Museumsstiftung zur Förderung der Staatlichen Bayerischen Museen. Stiftung Sammlung Friedlaender, Aus der Sammlung Adelsberger, Wiesbaden, Aus der Sammlung Helfried Krug

Über dem leicht gewölbten Fuß mit Rundbogenfacetten erhebt sich der reich profilierte Balusterschaft. Dieser ist ebenso wie der massive ausgebauchte Ansatz der Kuppa facettiert und mit eingestochenen Luftblasen versehen. Die um die konische Kuppa laufende Szene in Mattschnitt stellt eine Nymphe in den Mittelpunkt, die schlafend unter einem knorrigen Baum liegt. Ein Satyr nähert sich ihr und versucht, das Tuch, auf dem sie ruht und das ihre Scham bedeckt, wegzuziehen. Von hinten schlägt Eros mit seinem Bogen auf ihn ein, um ihn von seinem Vorhaben abzuhalten. Auf der anderen Seite des Baumes kniet ein Putto vor einem Früchtekorb. In den Wolken schwebt ein von Schwanen gezogener Wagen; darunter wird der Blick auf eine Landschaft mit Hirschjagd gelenkt. Die Darstellung spielt auf die Geschichte der Antiope an, Tochter von König Nykteus, die durch Zeus in Gestalt eines Satyrs verführt wurde. Stil und Qualität des Glasschnitts lassen auch bei diesem Pokal an eine Ausführung durch den Berliner Glasschneider Elias Rosbach denken. Ähnlich wie bei dem Deckelpokal mit Flussgott greift Rosbach für die Hauptfigur auf eine Vorlage aus einem anderen Medium zurück: in diesem Fall wohl auf den 1682 publizierten Kupferstich Valentin Lefebvres, der eine schlafende Nymphe in einer Landschaft nach einer frühen Komposition von Tizian zeigt. Der Stich wurde um 1749 in einer Überarbeitung von Johann Gottfried Seuter wieder aufgelegt (vgl. Blatt in London, British Museum, Inv.-Nr. 1936,1007.16); darauf erscheint die liegende Schöne seitenverkehrt, so wie sie Rosbach auf dem Pokal wiedergibt. Möglicherweise wurde der Glasschneider aber auch von der Radierung Bernard Barons aus dem Jahr 1742 inspiriert, der Tizians Gemälde ≫Jupiter und Antiope≪ (sog. Venus von Pardo) im Louvre zeigt, denn neben Antiope kommen auf diesem Bild Zeus als Satyr, Eros mit Pfeil und Bogen sowie eine Hirschjagd im Hintergrund vor.

BV002596995
Zum Objekt: Jahresbericht Bayerisches Nationalmuseum München 2012-2013, Renate Eikelmann (Hrsg.), München 2014, S. 33-34, Abb. S. 33

Sammlung

Sammlung Friedlaender

Systematik

Gefäß - Pokal

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