Sammlung

Kommode mit Schäferszenen

Künstler/in
Johann Friedrich Spindler, Heinrich Wilhelm Spindler
Entstehung
Bayreuth (?), Potsdam (?)
Datierung
um 1765
Material
Fichtenholz (konstruktive Teile), Nussbaumholz (Furnier), Ahornholz (Furnier), Zwetschgenholz (Furnier), Rüsterholz (Furnier); Beschläge: Bronze, vergoldet
Maße
H. 75,5 cm, B. 127,5 cm, T. 64,0 cm
Standort
Bayerisches Nationalmuseum (Saal 94)
Inventarnummer
2013/152
Bezug
Zugang
Geschenk 2013, Privatbesitz

Die dreischübige, traversenlose Kommode ist im Grundriss kraftvoll geschweift, in der Frontalen bzw. im Querschnitt jedoch gerade – mit Ausnahme der geschweiften Füße, des unteren Abschlusses und einer Nase an den vorderen Kanten. Die beruhigte Grundform des späten Rokoko wird von stimmigen, qualitätsvollen Marketeriebildern belebt. Alle Flächen haben eine mehrfache Rahmung von Schrägfriesen mit Kreuzfugen aus schlichtem und gemasertem Furnier. Front und Platte sind in ein großes mittleres Bildfeld und schmalere seitliche Felder mit netzförmiger Parketterie gegliedert. Alle Dekorfelder werden von C- und S-förmig geschweiften Adern aus Ahorn eingefasst, deren Verbindungen feine Rocaillen akzentuieren. Die vier Bildfelder an der Front, an den Seiten und auf der Platte zeigen weite Landschaftsausblicke mit pastoralen Szenen unter tiefem Horizont: Auf der Platte zwei Schäferinnen mit Herde, auf der Front eine Schäferin mit Schafen am Pferch, wobei ein kindlicher Flussgott und ein Schäferkarren die arkadische Stimmung unterstreichen, und auf den Seitenfeldern eine rastende Frau aus dem fahrenden Volk mit Kleinkind auf dem Rücken sowie eine schlummernde Hirtin. Die Darstellungen zeigen authentische Beispiele für die höfische Schäfermode des dritten Viertels des 18. Jahrhunderts. Zugleich erinnern Details wie die skurrilen Felsen oder der Schafpferch, der nicht der Fluchtpunktperspektive der Landschaft unterworfen ist, an ostasiatische Vorbilder, wie sie durch Porzellan oder durch Lackmalerei auf Möbeln verbreitet waren. Die Brüder Johann Friedrich und Heinrich Wilhelm Spindler spielten als Hofschreiner in Bayreuth und ab 1764 in Potsdam eine wichtige Rolle für die Einführung der Blumenmarketerie des Rokoko in Deutschland. Die Zuschreibung basiert auf der großen Nähe der Marketerien zu gesicherten Möbeln um 1765 / 67 im Neuen Palais in Potsdam. Die arkadische Welt der Darstellungen verbindet das Kommodenpaar ebenso mit dem Marketerienkabinett aus Schloss Fantaisie bei Bayreuth von 1762 / 65, einem im Bayerischen Nationalmuseum befindlichen Hauptwerk der Spindler.

BV005017927
Zum Objekt: Heinrich Kreisel, Georg Himmelheber, Die Kunst des deutschen Möbels. Möbel und Vertäfelungen des deutschen Sprachraums von den Anfängen bis zum Jugendstil. Spätbarock und Rokoko. Bd. 2, 2. Auflage, München 1983, Abb. 726

BV000658937
Zum Vergleich: Ausst.-Kat. Bayerisches Nationalmuseum, München, 18. Juli 1986 - 02. November 1986: Sammlung Fritz Thyssen. Ausgewählte Meisterwerke, Bayerisches Nationalmuseum (Hrsg.), München 1986, S. 182-183 (mit Abb.), Kat.-Nr. 77

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Zum Objekt: Jahresbericht Bayerisches Nationalmuseum München 2012-2013, Renate Eikelmann (Hrsg.), München 2014, S. 50-51, Abb. S. 50

Systematik

Möbel - Kommode

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