Sammlung

Federzeichnung: Segnendes Christkind Georg Petels, Skulptur von 1632 in der Barfüsserkirche Augsburg vom Schalldeckel der ehemaligen Kanzel

Künstler/in
Entstehung
Augsburg
Datierung
um 1632
Material
Papier, Federzeichnung, laviert (grau und weiß), Gouache
Maße
Trägerpapier: H. 37,0 cm, B. 28,5 cm; Grafik: H. 29,6 cm, B. 21,0 cm
Standort
Bayerisches Nationalmuseum (nicht ausgestellt)
Inventarnummer
2014/34
Bezug
Zugang
Ankauf 2014, Erworben mit Mitteln aus dem Vermächtnis Harry Beyer, Aus dem Kunsthandel, Paris

Die Zeichnung zeigt Georg Petels segnendes Jesuskind vom Schalldeckel der ehemaligen Kanzel in der Augsburger Barfüßerkirche. Die Figur entstand 1632 im Auftrag der evangelischen Gemeinde, die in der wechselvollen Stadtgeschichte während des Dreißigjährigen Krieges die vormalige Franziskanerkirche als Gotteshaus übertragen bekommen hatte. Bedeutung erlangt die Zeichnung neben ihrer künstlerischen Qualität als Dokument für das Aussehen der Skulptur vor Hinzufügung eines Globus mit Kreuz aus Anlass ihrer Anbringung 1750 auf dem Schalldeckel einer neuen Kanzel. Dafür wurde der linke Unterarm in seiner Position gedreht und nach oben angehoben. Laut früher Text- und Bildarchivalien hielt das Jesuskind in seiner Linken ehedem einen Kreuzstab. Die Zeichnung gibt somit den ursprünglichen Zustand von Petels Skulptur wieder. Größte Detailgenauigkeit wird der kompliziert um den Körper geführten Draperie gewidmet: Das von Gesäß und Rücken wie eine Schale abstehende Tuch wirft einen Schatten auf den Rücken; links daneben bleibt ein heller Bereich frei, der kontrastreich neben der dunkelsten Partie des im Licht-Schatten-Kontrast modellierten Tuches liegt und die Distanz zum Rücken klärt. In der etwas überproportionierten Wiedergabe des Kopfes – bedingt durch die erhöht vorgesehene Aufstellung – stimmen Zeichnung und ausgeführte Skulptur überein. Jedoch sind auch Abweichungen festzustellen, die es wenig plausibel machen, dass der Künstler die bereits fertiggestellte Figur gezeichnet hätte. In der »weich angelegte[n], teilweise kräftige[n] Binnenmodellierung und in der ›knorpelige[n]‹ Konturierung […]« (Alfred Schädler 1973, S. 132) entspricht die Ausführung den für Petel gesicherten Blättern. Als Präsentationszeichnung wäre sie im Werk Petels möglich, sie unterscheidet sich allerdings in der Technik vom kleinen, hauptsächlich aus Rötelzeichnungen bestehenden graphischen Œuvre des Künstlers.

BV002596995
Zum Objekt: Jahresbericht Bayerisches Nationalmuseum München 2014-2015, Renate Eikelmann (Hrsg.), München 2016, S. 21, Abb. S. 21

Systematik

Grafik [Graphik] - Zeichnung - Federzeichnung

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