Sammlung

Rubinglas-Deckelkrug

Künstler/in
Glasschnitt: Heinrich Schwanhardt, Montierung: Wolfgang Rößler
Entstehung
Nürnberg
Datierung
Glaskrug: um 1690; Montierung: zwischen 1691 und 1701
Material
Glaskrug: Rubinglas, geblasen, geschnitten; Montierung: Silber, vergoldet, getrieben, gegossen, punziert
Maße
H. (gesamt) 15,5 cm, Dm. (oben) 5,6 cm, Dm. (unten) mit Montierung 7,9 cm, Dm. (unten) ohne Montierung 6,45 cm, G. 390,7 g
Standort
Bayerisches Nationalmuseum (Saal 92)
Inventarnummer
2014/35
Bezug
Zugang
Ankauf 2014, Erworben mit Mitteln aus dem Vermächtnis Harry Beyer, Aus dem Kunsthandel, München, Sammlung Dr. Horst Mühleib, Mühlheim/Ruhr, 2013, Sammlung Heide Hübner, Würzburg, 1988, Collection Henry Yates Thompson, London, 1838-1928

Seitdem die Rezeptur zur Herstellung von Rubinglas gegen Ende des 17. Jahrhunderts unter anderem von Johann Kunckel in Potsdam wieder entdeckt worden war, avancierten Goldrubingläser zu beliebten Luxusobjekten, die nicht selten zusätzlich mit Glasschnitt und Edelmetallfassungen veredelt wurden. Dieser zierliche birnförmige Krug aus Rubinglas erhielt in Nürnberg eine silbervergoldete Montierung, bestehend aus Standring, Deckel mit punzierter Blattrosette und Daumenrast. Der Schnitt auf der Wandung zeigt eine von Lorbeerzweigen gerahmte emblematische Darstellung der Liebe: Über einem Altar, auf dem zwei Herzen aufrecht stehen, schwebt Amor. Er hält in der Linken seinen Bogen, in der Rechten ein Herz. Die Szene ist überschrieben mit der Devise in Versalien »UN SEUL ME SUFFIT« (Ein [einziges Herz] genügt mir). Der Schnitt wird dem Nürnberger Glasschneider Heinrich Schwanhardt zugeschrieben. Dieser wurde in der Werkstatt seines Vaters Georg Schwanhardts d. Ä. ausgebildet, der die Kunst des Glasschnitts auf Hohlglas in Nürnberg ab den Zwanzigerjahren des 17. Jahrhunderts etabliert und zur Perfektion geführt hatte. Heinrich Schwanhardt zählt zu den wichtigen Vertretern der zweiten Künstlergeneration, die den Ruhm der fränkischen Reichsstadt als Glasschnittzentrum prägten. Die Darstellung folgt einem Motiv aus der Emblem- und Devisensammlung, die Daniel de Feuille 1691 erstmals in Amsterdam veröffentlichte und die von 1693 bis 1703 in fünf Auflagen unter dem deutschen Titel »Emblematische Gemüths-Vergnügungen […]« in Augsburg erschien. Die Szene hat Heinrich Schwanhardt mehrfach in Rubingläser eingeschnitten. Sie findet sich fast übereinstimmend auf einem Deckelbecher in der Schatzkammer der Münchner Residenz, auf einem Deckelkrug der Sammlung Ernesto Wolf im Württembergischen Landesmuseum in Stuttgart, auf einem Krug im Schlossmuseum Arnstadt sowie auf einem Krug in der Eremitage in St. Petersburg.

BV002957171
Zum Glasschneider: Erich Meyer-Heisig, Der Nürnberger Glasschnitt des 17. Jahrhunderts, Nürnberg 1963

BV023217546
Zum Meisterzeichen: Kat. Nürnberger Goldschmiedekunst 1541-1868. Meister, Werke, Marken Teil 1: Textband, Bd. I, Teil 1, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, G. Ulrich Großmann (Hrsg.), Nürnberg 2007, S. 354, Kat.-Nr. MZ0739a

BV023217546
Zum Beschauzeichen: Kat. Nürnberger Goldschmiedekunst 1541-1868. Meister, Werke, Marken Teil 1: Textband, Bd. I, Teil 1, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, G. Ulrich Großmann (Hrsg.), Nürnberg 2007, S. 506, Kat.-Nr. BZ29

BV023217546
Zum Goldschmied: Kat. Nürnberger Goldschmiedekunst 1541-1868. Meister, Werke, Marken Teil 1: Textband, Bd. I, Teil 1, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, G. Ulrich Großmann (Hrsg.), Nürnberg 2007, S. 353-355

BV002596995
Zum Objekt: Jahresbericht Bayerisches Nationalmuseum München 2014-2015, Renate Eikelmann (Hrsg.), München 2016, S. 23-24, Abb. S. 23-24

Systematik

Gefäß - Krug - Deckelkrug

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