Sammlung

Geburt Christi (Krippenfigur)

Künstler/in
Entstehung
Portugal
Datierung
2. Viertel 18. Jh.
Material
Terrakotta (rötlich), modelliert, gebrannt, bemalt, vergoldet (teilweise), gefirnist (teilweise)
Maße
H. 33,0 cm, B. 43,0 cm, T. 28,0 cm
Standort
Bayerisches Nationalmuseum (Saal 153)
Inventarnummer
L 2014/38
Bezug
Zugang
Unbefristete Leihannahme 2014, Krippenfreunde Augsburg und Umgebung e.V.

Die Krippenkunst Portugals war in der Krippensammlung des Bayerischen Nationalmuseums bisher nicht vertreten. Diese Lücke schließt nun die Hauptgruppe einer portugiesischen Krippe von höchster Qualität: Maria und Joseph, die sich liebevoll dem Jesuskind zuwenden. In Portugal wurden monumentale Krippen aus Terrakotta für Klöster und Adel von den besten Bildhauern des Landes geschaffen. Die Krippen waren stets auf einem Berg arrangiert und beständig installiert. In der Ferne anzuordnende Gruppen wurden maßstäblich verkleinert, während Figuren im Vordergrund über einen halben Meter groß sein können. Figurengruppen wie musizierende Engel, Geschenke bringende Hirten oder die Reiterei der Heiligen Drei Könige wurden als feste Einheiten gebildet. Sicher war auch unsere Geburt Christi Teil eines umfangreicheren Ensembles. Wie für portugiesische Krippen typisch, zeigt die Gruppe eine Kaltbemalung höchster Verfeinerung in zarten Buntfarben und – zum Beispiel auf dem Gewand Mariens – aufgelegte vergoldete Ornamentik. Charakteristisch sind Frömmigkeit und Reinheit, Innigkeit und Lieblichkeit im Ausdruck, welche die Figuren ausstrahlen, ohne dabei naiv zu wirken. Rudolf Berliner attestierte 1955 der portugiesischen Krippenkunst eine »Vollendung, die nie übertroffen und vielleicht nur noch von der neapolitanischen erreicht worden ist«, zu der es trotz Unterschieden im Ausdruck auch Gemeinsamkeiten gibt, vor allem in der Meisterschaft der plastischen Modellierung und der Oberflächenbehandlung sowie in einem hohen Realismus, wie hier bei der Vegetation. Die neuzugegangene Gruppe der Heiligen Familie entspricht nahezu exakt einem Ensemble im Lissaboner Museu Nacional de Arte Antiga, das zu der dort verwahrten, hoch bedeutenden Krippe des Konvents Madre de Deus beziehungsweise zum Dreikönigsaltar in eben dieser Kirche gehört. Als Meister werden António Ferreira (tätig in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts) oder sein Vater Dionisio vorgeschlagen. Eine bessere Erforschung dieser Epoche der portugiesischen Kunstgeschichte bleibt vorerst ein Desiderat.

BV002596995
Zum Objekt: Jahresbericht Bayerisches Nationalmuseum München 2014-2015, Renate Eikelmann (Hrsg.), München 2016, S. 68

Systematik

Krippe - Figur (Krippe)

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