Sammlung

Goldene Taschenuhr mit zweifachem Übergehäuse, Châtelaine

Künstler/in
Michael Zeidlmayr
Entstehung
München, Süddeutschland, London
Datierung
Uhr: um 1725; Kette: zwischen 1753 und 1754
Material
Uhr und Gehäuse:
Maße
Uhr mit innerem und äußerem Übergehäuse: H. 7,9 cm, Dm. 6,5 cm, T. 3,7 cm; Uhr mit innerem Übergehäuse: H. 7,5 cm, Dm. 5,7 cm, T. 3,4 cm
Standort
Bayerisches Nationalmuseum (Saal 87)
Inventarnummer
2015/116.1-6
Bezug
Zugang
Geschenk 2015, Erworben mit Mitteln aus dem Vermächtnis Harry Beyer, Privatbesitz

Dieses Ensemble besticht durch die überaus feine Ausführung und den hervorragenden Erhaltungszustand aller Teile, was auch die Funktionsfähigkeit des Uhrwerks einschließt. Die Taschenuhr hat ein Champlevé-Zifferblatt mit römischen Stundenzahlen I–XII und arabischer Minutenanzeige. Ein liebevolles Detail ist der Schlaghammer für die Stundenglocke, der mit den bayerischen Rauten verziert ist. Das goldene Gehäuse ist an den Seiten mit Akanthusrankenwerk durchbrochen, das von verschiedenen Vögeln und Tiermasken belebt wird. Im selben Ornamentstil ist das erste Übergehäuse mit einem facettierten Diamant im Druckknopf gehalten. Einzelne Felder sind hier von Muscheln und Blumengehängen besetzt, und die Unterseite nimmt das Relief der zwischen Bäumen rastenden Jagdgöttin Diana ein. Sie blickt nach rechts und gewahrt im Hintergrund Aktäon, der in einen Hirsch verwandelt wird. Um das Uhrgehäuse vor Kratzern zu schützen, liegt in dem Übergehäuse ein besticktes Seidentüchlein. Grün eingefärbte Rochenhaut, die durch feine Stifte fixiert ist, überzieht sodann das zweite Übergehäuse. Hinzu kommt zuletzt die Châtelaine mit drei Anhängern, deren vier Glieder durch kräftige Voluten gerahmt werden. Die stehende halbnackte Figur mit Fackel auf der oberen Zierplatte ist vermutlich als Mars zu identifizieren, an dessen Sockel zwei Nereiden kauern. Der auf einem Delphin reitende Amor und Masken schmücken die übrigen Zierplatten. Wie gewöhnlich waren auch an diesem Ensemble verschiedene Künstler beteiligt, von denen nur der im frühen 18. Jahrhundert nachgewiesene Münchner Uhrmacher Michael Zeidlmayr seine Signatur auf Werk und Zifferblatt hinterlassen hat. Sicher ebenfalls süddeutscher Produktion sind Uhr- und Übergehäuse, während die stilistisch leicht unterschiedene Châtelaine nach Ausweis der Marken 1753/54 in London entstanden ist. Der Goldschmied, der mit »WH« unter einer Krone signiert hat, ist womöglich mit William Hunt zu identifizieren, von dem eine weitere Châteleine mit Taschenuhr ebenfalls 2015 bei Sotheby’s in London zur Auktion kam.

BV002596995
Zum Objekt: Jahresbericht Bayerisches Nationalmuseum München 2014-2015, Renate Eikelmann (Hrsg.), München 2016, S. 34-35, Abb. S. 34

Systematik

Gerät - Messgerät - Physikalisches Gerät - Uhr - Räderuhr - Taschenuhr

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