Sammlung

Portaluhr

Künstler/in
Jean-François Bailly
Entstehung
Paris
Datierung
1807
Material
Gehäuse: Bronze, teilweise brüniert; Zifferblatt: Messing, Email; Werk mit Glocke: Messing
Maße
H. 61 cm, B. 34,5 cm, T. 14,5 cm; Pendel: L. 27 cm, Dm. 5,1 cm
Standort
Bayerisches Nationalmuseum (nicht ausgestellt)
Inventarnummer
2015/218
Bezug
Zugang
Vermächtnis 2015, Privatbesitz

Nach der 1798 bis 1801 von Napoléon Bonaparte (1769–1821, reg. 1804–1814) durchgeführten Ägyptenexpedition hat das Land am Nil für einige Zeit die gesteigerte Aufmerksamkeit der in zunehmendem Maße an orientalischen Exotika interessierten europäischen Öffentlichkeit auf sich gezogen. Zum kulturgeschichtlichen Phänomen der für die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts typischen ›Ägyptomanie‹ gehört insbesondere die für den Empire-Stil charakteristische Übernahme altägyptischer Elemente in das ikonographische Repertoire des europäischen Kunsthandwerks. Der architektonische Aufbau des Uhrengehäuses orientiert sich an der Fassadengestaltung eines Tempels der griechisch-römischen Epoche. Im Zentrum der Sockelvorderseite steht eine menschenköpfige Kanopusvase, die als Punkte stilisierte Hieroglyphen trägt; sie wird flankiert von zwei antithetisch angeordneten Apis-Stieren und zwei Horus-Falken, die auf dem Kopf Mondscheibe und -sichel tragen. Acht mit einem Kuhkopf als dem Emblem der Himmelsgöttin Hathor verzierte Säulen ruhen auf Postamenten, die mit weiblichen, Königsschurz und -kopftuch tragenden Standfiguren geschmückt sind, die Kränze in den Händen halten. Links und rechts neben der in der Mitte des Gebälks angebrachten geflügelten Sonnenscheibe kniet vor einer ebenfalls geflügelten Sphinx mit Uräusschlange an der Stirn eine falkenköpfige Gottheit. Darüber hockt auf einem pyramidenartig abgestuften Aufbau eine Würfelfigur, die vor sich einen Naos mit einer Darstellung des Gottes Osiris hält. Wie zahlreiche andere Portaluhren dieser Zeit hat auch dieses Exemplar ein Werk, das neben dem Stundenschlag keine weiteren Funktionen aufweist. Ein im Gehäuse identisches Exemplar aus dem Besitz des Pariser Kunsthändlers Gaston Meyer ist 1938 in der Ausstellung »Bonaparte en Égypte« gezeigt worden. Die ungewöhnliche Form des Tempeldaches begegnet auf einem zwischen 1800 und 1805 für die Bibliothek von Malmaison hergestellten Modell des Hathor-Tempels von Dendera aus der Sammlung der Kaiserin Joséphine de Beauharnais (1763–1814).

BV037874953
Zum Vergleich: Ausst.-Kat. Musée de l'Orangerie, Paris: Bonaparte en Égypte. Maxime Kahn, Maurice Sérullaz (Hrsg.), Paris 1938, S. 186, Kat.-Nr. 622

BV044411456
Zum Vergleich: Jean-Marcel Humbert, Du temps perdu au temps retrouvé. Les pendules pharaoniques, ou l'heure à l'égyptienne, in: Aegyptiaca. Journal of the History of Reception of Ancient Egypt 2. Jg., 2018, S. 92-123, S. 100, Abb. 5

BV002596995
Zum Objekt: Jahresbericht Bayerisches Nationalmuseum München 2014-2015, Renate Eikelmann (Hrsg.), München 2016, S. 40-41, Abb. S. 40

BV002596995
Zum Objekt: Jahresbericht Bayerisches Nationalmuseum München 2014-2015, Renate Eikelmann (Hrsg.), München 2016, S. 40-41, Abb. S. 40

Systematik

Pendule

Weitere Werke