Sammlung
Stehender Hl. König (Afrikaner) mit Gefäß (Krippenfigur)
- Künstler/in
- –
- Entstehung
- –
- Datierung
- –
- Material
- Ton, gebrannt, bemalt
- Maße
- H. 37,0 cm, B. 14,0 cm, T. 18,5 cm
- Standort
- Bayerisches Nationalmuseum (nicht ausgestellt)
- Inventarnummer
- 2016/49
- Bezug
- Inv.-Nr. 35/394, 60/179, 2016/48 und 2016/49 (Krippenfiguren)
- Zugang
- Geschenk 2016, Erworben mit Mitteln aus dem Vermächtnis Harry Beyer, Aus dem Kunsthandel, London
Im März 2016 konnte das Bayerische Nationalmuseum zwei Königsfiguren aus einer Terrakottakrippe erwerben, zu denen höchstwahrscheinlich ein dritter gehört, der bereits im Jahre 1935 vom Museum angekauft wurde. Die neu erworbenen sind der Mohrenkönig und der Weiße im reifen Alter, während die Plastik im Altbestand den greisen König mit seinem Pagen darstellt. Die Figuren zeichnen sich durch expressive Physiognomien und Mimik, variantenreiche Haltungsmotive bei ausdrucksstarken Anatomien sowie durch reiche Gewandung aus. Der reife Weiße steht in auffallend aufgerichteter, stolzer Haltung. Den Afrikaner kennzeichnet durch die spannungsvolle Biegung seines ganzen Körpers eine gleichermaßen zugewandte wie abwartende Haltung. Der Greis kniet gebeugt, neigt demütig sein Haupt und kreuzt ergriffen die Hände vor der Brust. Das Geschenk des Greises, ein geöffnetes Schatzkästchen mit Gold und Perlengeschmeide, steht vor ihm auf der Erdscholle. Der Mohr hält das Myrrhengefäß, der reife Weiße das Weihrauchschiffchen. Auch ohne die sich gegenseitig ergänzenden Geschenke spricht vieles für die Zusammengehörigkeit. So steht bei allen dreien der sehr lebendig und spontan wirkenden Modellierung eine detaillierte Ausarbeitung in Details wie etwa bei Schnürungen von Stiefeln und Gewändern, bei Borten oder Knopfleisten gegenüber. Einzelheiten der plastischen Gestaltung, etwa bei den Fingern, stimmen genauso überein wie solche der Bemalung, etwa die flüchtig getupften Augensterne. Die neu erworbenen Könige waren dem Museum schon in den 1960er-Jahren einmal vorgestellt, aber nicht zum Kauf angeboten worden. Möglicherweise war das Wissen um die vor 1935 erfolgte Trennung und den Verkauf der einzelnen Plastik an das Bayerische Nationalmuseum erhalten geblieben. Die Figuren sind offensichtlich Werke eines Bildhauers und keine Serienware, wie es in den italienischen Krippenzentren Neapel und Sizilien häufig vorkommt. Sie lassen sich am ehesten der venezianischen Kunstlandschaft zuordnen, wie ein Vergleich mit dem Figurenstil von Malern wie Piazzetta, Pittoni oder Diziani zeigt. Über Kurt Rossacher, den Salzburger Händler und Sammler von Bozzetti und Skizzen des Barock, gelangte eine verwandte Krippe ohne Könige 1965 an das Museum of Fine Arts in Boston. Dieser vermutete eine Zusammengehörigkeit, was aus stilistischen Gründen und aufgrund besonderer Verwandtschaft bei Anatomien, Haltungsmotiven, Gewandstil und Accessoires nicht völlig abwegig erscheint, aber einer kritischen Prüfung bedürfte.
Systematik
Krippe - Figur (Krippe)