Sammlung

Hirschfänger mit Monogramm König Ludwigs I. von Bayern mit Scheide und Gehänge

Künstler/in
Peter Knecht
Entstehung
Solingen
Datierung
2. Viertel 19. Jh.
Material
Hirschfänger: Horn, Messing, vergoldet, Stahl, gebläut (teilweise), vergoldet (teilweise); Scheide: Holz, Leder, Messing, vergoldet; Tragegurt: Goldfaden, Silberfaden, Seide, Leder, Lamé, Eisen, gebläut (teilweise), vergoldet
Maße
Hirschfänger in Scheide: L. 77,2 cm, B. 9,8 cm, T. 4,3 cm; Hirschfänger: L. 76,4 cm, L. (Klinge) 64,0 cm, B. 9,8 cm, B. (Klinge) 3,1 cm, T. 4,3 cm; Scheide: L. 64,0 cm, B. 3,8 cm, T. 4,0 cm; Tragegurt: L. 107,0 cm, B. 6,0 cm, H. 32,0 cm, Gesamtgewicht 1,31 kg
Standort
Bayerisches Nationalmuseum (Saal 86)
Inventarnummer
2016/70.1-3
Bezug
Zugang
Geschenk 2016, Erworben mit Mitteln aus dem Vermächtnis Harry Beyer, Aus dem Kunsthandel, Worpswede, Aus süddeutschem Adelsbesitz

Der Hirschfänger ist eine Stichwaffe für die Jagd, die für die Parforcejagd entwickelt wurde und mit der der Jäger dem bis zur Ermattung gehetzten Rotwild den Fangstoß versetzte. Seine Klinge ist oft nur auf einer Seite geschärft, um die sich auf das Wild werfenden Hunde keiner Verletzungsgefahr auszusetzen. Vom Barock bis ins 19. Jahrhundert war der Hirschfänger eine Ehrenwaffe, die häufig kostbar geschmückt war und die den ›hirschgerechten‹ Jäger auszeichnete, der also das dem hohen Adel vorbehaltene Rotwild zu jagen berechtigt war. Das vorliegende Exemplar hat einen Griff aus Horn, der die Form eines stilisierten Greifvogelkopfes hat, eine leicht s-förmig geschwungene Parierstange und ein muschelartiges Stichblatt. Die Klinge ist zur Hälfte mit einer Bläuung überzogen, die vergoldete Trophäen und florales Ornament umschließt und in einer Akanthusranke ausläuft. Bei diesem Hirschfänger ist neben der Scheide noch das zugehörige Gehänge bewahrt geblieben. Die Scheide trägt das Monogramm König Ludwigs I. von Bayern (1786–1868, König 1825–1848), die gebläute Gurtschnalle die Königskrone. Wenngleich der Schmuck dieses Hirschfängers gegenüber den opulenten Exemplaren des Barock weitaus reduziert ist, lebt das Ensemble durch die kräftigen Farbkontraste zwischen den blanken und den gebläuten Partien, den kräftigen Vergoldungen und dem Dunkel des Leders und des Horns. Die Gestalt der Waffe entspricht dem Erscheinungsbild bayerischer Diensthirschfänger, die häufig mit Klingen aus Solingen versehen waren. Das königliche Monogramm legt nahe, dass Ludwig I. den Hirschfänger womöglich einem ergebenen Adeligen im Rahmen einer Jagdgesellschaft als Gunstbeweis und Geschenk übergeben hat, sofern er ihn nicht selber trug.

BV001080128
Zum Vergleich: Ausst.-Kat. Deutsches Jagdmuseum, München, 3. Juli - 5. Oktober 1980: Wittelsbacher Jagd. München 1980, S. 122, 127, 134, Abb. S. 36, 134, Kat.-Nr. 166, 190, 260

BV043053651
Zum Vergleich: Herbert H. Westphal, Hirschfänger. Zur historischen Entwicklung jagdlicher Seitenwaffen, Berlin 2015, S. 670-681, Kat.-Nr. 400-407

BV002535886
Zum Künstler: Albert Weyersberg, Der Solinger Waffenfabrikant und Volksmann Peter Knecht, geb. 1798, gest. 1852, in: Zeitschrift für historische Waffen- und Kostümkunde 12. Jg., 1935, S. 135-136, S. 135 f.

Systematik

Waffe - Hieb- und Stichwaffe - Hirschfänger

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