Sammlung

Deckelpokal mit Jagdszenen

Künstler/in
Balthasar Wendl
Entstehung
München
Datierung
um 1600
Material
Silber, gegossen, getrieben, ziseliert, vergoldet
Maße
Gesamt: H. 40,7 cm, Dm. 13,0 cm, G. 677 g; Deckel: H. 16,6 cm, Dm. 13,0 cm, G. 240 g; Pokal: H. 24,6 cm, Dm. 11,6 cm, G. 435 g
Standort
Bayerisches Nationalmuseum (Saal 27)
Inventarnummer
2016/159.1-2
Bezug
Zugang
Geschenk 2016, Erworben mit Mitteln aus dem Vermächtnis Harry Beyer, Aus dem Kunsthandel, London/München, Aus Adelsbesitz

Der Pokal ist ein bedeutendes Zeugnis der Münchner Goldschmiedekunst der Spätrenaissance. Fuß, Schaft, Kuppa und Deckel sind mit getriebener Schweifwerkornamentik aus Volutenspangen, Blüten, Früchtebouquets, Tuchdraperien sowie geflügelten Engelsköpfen überzogen. Unterhalb des Lippenrandes befinden sich in drei von Volutenspangen gerahmten Feldern gravierte Jagddarstellungen. Sie zeigen eine Hirsch- und eine Entenjagd sowie einen Falkner beim Füttern seiner Falken. Möglicherweise handelte es sich bei dem Pokal um den ›Willkomm‹ eines fürstlichen Jagdhauses. Besonders fein gearbeitet ist die Deckelbekrönung aus einem sogenannten Schmeck, einem aus geschnittenen Silberblechteilen hergestellten Blütensträußchen, das in einer Henkelvase steckt. Während die Silbermarke mit Mönchskopf eindeutig als Beschauzeichen Münchens zu identifizieren ist, lässt sich die schildförmige Meistermarke mit einem Andreaskreuz weder bei Max Frankenburger noch bei Marc Rosenberg in dieser Form nachweisen. Versuchsweise wird die Marke dem Münchner Goldschmied Balthasar Wendl (Meister 1568–1622) zugeschrieben. Sein Wappen, das im Wappenbuch der Münchner Goldschmiedemeister (1606–1757) dokumentiert ist, zeigt ebenfalls ein Andreaskreuz und ist zudem das einzige Wappen eines Goldschmieds, das in der für den Pokal infrage kommenden Zeit zwischen Ende des 16. und Anfang des 17. Jahrhunderts mit der Marke vergleichbar ist. Balthasar Wendl erwarb nach seiner Ausbildung in Landshut 1568 in München die Meistergerechtigkeit. Einige Aufträge haben in den Münchner Hofzahlamtsrechnungen Niederschlag gefunden: 1576 lieferte Wendl die Einfassung eines »Conterfetts« für Herzog Ferdinand, im Jahr 1600 etliche Haften. Beim Bau des Jesuitenkollegs vergoldete er die auf dem Grundstein angebrachte Inschrift. Diese Aufträge belegen, dass der Meister im Umkreis des Wittelsbacher Hofes beschäftigt war, in den auch durchaus ein solcher Pokal passen würde. Balthasar Wendl verstarb am 4. Dezember 1622.

BV049085243
Zum Objekt: Ausst.-Kat. Bayerisches Nationalmuseum, München, 11.05.2023-15.10.2023: Unverblümt. Keiyona C. Stumpf im Bayerischen Nationalmuseum, Frank Matthias Kammel (Hrsg.), München 2023, S. 61

Systematik

Gefäß - Pokal - Deckelpokal

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