Sammlung
Geißelchristus (Figur)
- Künstler/in
- Egid Verhelst d. Ä.
- Entstehung
- München (?)
- Datierung
- zwischen 1726 und 1736
- Material
- Lindenholz, gefasst (polychrom)
- Maße
- H. 180,5 cm, B. 68,5 cm, T. 39,9 cm
- Standort
- Bayerisches Nationalmuseum (Saal 42-43)
- Inventarnummer
- 2016/166
- Bezug
- –
- Zugang
- Geschenk 2016, Bauer'sche Barockstiftung. Erworben 2016 aus Privatbesitz
Christus steht aufrecht mit nur leichter Ponderation. Er wendet seinen Oberkörper nur wenig, sein Haupt hingegen ganz zu seiner Rechten. Gegenläufig hat er nach links oberhalb des Nabels seine Hände übereinandergelegt, die ursprünglich an eine nicht erhaltene Geißelsäule gebunden waren. Christi Körper ist übersät mit blutenden Wunden. Auch über sein schmerzerfülltes Gesicht mit weit geöffneten Augen und Mund rinnt an Stirn und Wangen Blut herab. Neben dem hellen Lendentuch ist er mit einem roten Mantel bekleidet, der den gesamten Körper hinterfängt. Bei der erst jüngst in Privatbesitz entdeckten lebensgroßen Skulptur handelt es sich um eine der wenigen erhaltenen Arbeiten von Egid Verhelst d. Ä. (Antwerpen 1696 – Augsburg 1749), die für das Benediktinerkloster Ettal entstanden sind. Verhelst war 1726 nach Ettal berufen worden und führte dort bis 1736 eine Reihe von Aufträgen für die Neuausstattung der Klosterkirche St. Mariä Himmelfahrt sowie eine unbekannte Anzahl von ›Leidensstationen‹ aus, deren exakter Aufstellungsort nicht bekannt ist. Nach dem Brand der Klosterkirche 1744, dem die meisten Verhelst’schen Werke zum Opfer fielen, wurden im Zuge der Säkularisation 1803 die Reste dieser ›Leidensstationen‹ durch Georg von Dillis nach Oberammergau verbracht, um den »dortigen Bildhauern leidliche Vorbilder sichern« zu können (vgl. Dietrich 1986, S. 220 f.). Weitere Figuren dieser ›Leidenstationen‹ sind neben dem neu erworbenen Geißelchristus ein Ecce Homo im Oberammergau Museum sowie in St. Andreas in Trostberg eine Muttergottes und ein hl. Johannes Evangelista aus einer Kreuzigung. Über die erhaltenen Holzskulpturen Egid Verhelsts in Dießen (um 1738–1740) sowie eine bedeutende Pietà (um 1745) in Friedberg (Landkreis Aichach-Friedberg) hinaus kommt der Christusfigur aufgrund ihrer Herkunft aus Ettal als wichtige Erweiterung des bekannten Œuvres von Verhelst hervorragende Bedeutung zu. Diese wird noch aufgrund des Erhalts der originalen Fassung gesteigert.
BV046127680
Zum Objekt: Kat. Barock in Bayern. Bauer'sche Barockstiftung Förderprojekte 2014-2018, Bauer'sche Barockstiftung (Hrsg.), München 2019, S. 168-171 (mit Abb.)
Systematik
Bildwerk [Plastik, Skulptur] - Figur (Mensch) - Figur