Sammlung

Nachtlichtuhr

Künstler/in
Johann Philipp Treffler
Entstehung
Augsburg
Datierung
um 1670
Material
Vorderseite Gehäuse: Laubholz, vergoldet (teilweise), gebeizt, gefirnisst, Messing, gefasst, Glasscheibe, durchgefärbt, grün; Rückseite Gehäuse: Eichenholz, gebeizt, gefirnisst; Schlüssel zum Gehäuse: Eisen; Innenraum: Stahlblech, gefasst, schwarz; Uhrwerk: Messing, Stahl
Maße
Gehäuse: H. 64,5 cm, B. 48,5 cm, T. 23,5 cm, G. 9,80 kg; Schlüssel zum Gehäuse: L. 6,0 cm
Standort
Bayerisches Nationalmuseum (nicht ausgestellt)
Inventarnummer
2016/168.1
Bezug
Zugang
Geschenk 2016, Erworben mit Mitteln aus dem Vermächtnis Harry Beyer, Aus dem Mannheimer Kunsthandel

Die Uhr hat ein tabernakelartiges Holzgehäuse mit gedrehten Säulen an den Seiten und gesprengtem Volutengiebel. Bedeutender ist das Zifferblatt, auf dem die Uhrzeit nicht durch Zeiger, sondern durch bewegliche Ziffern angezeigt wird. Die dekorative Bemalung zeigt vor einer Landschaft Herkules mit dem Himmelsgewölbe, darüber Chronos mit Sense und Stundenglas. Ein halbkreisförmiger Ausschnitt ist in vier Segmente mit römischen Ziffern für die Viertelstunden geteilt, in dem sich eine Scheibe mit zwei Öffnungen dreht, in denen wiederum die Stundenzahlen erscheinen. An der Position der Stundenzahl gegenüber den Viertelstunden lässt sich die Uhrzeit ablesen. Die Stundenzahlen befinden sich auf Messingplättchen, die an einer Kette hängen und durch eine im Innern verborgene vieleckige Scheibe stündlich wechselnd an den Öffnungen vorbeigeführt werden. Ein Fenster mit grün eingefärbtem Glas unter dem Zifferblatt erlaubt den Blick auf das Pendel. Für den Gebrauch bei Nacht war im oberen Teil des Gehäuses eine Öllampe angebracht, deren Flamme die durchbrochenen Ziffern hinterleuchtete. Die rückwärtige Platine des Uhrwerks zeigt die italianisierende Signatur des Uhrmachers Johann Philipp Treffler, der 1625 als Sohn des Drechslers Tobias Treffler in Augsburg geboren wurde. Noch bevor er seine eigene Lehrzeit als Drechsler beendet hatte, ging er nach Florenz und wurde dort 1656 Uhrmacher und Drechsler für Großherzog Ferdinando II. de’ Medici. 1664 kehrte Treffler nach Augsburg zurück, wo er vermutlich diese Uhr fertigte. Nachtlichtuhren wurden kurz nach der Mitte des 17. Jahrhunderts in Italien entwickelt, nachdem der von Schlaflosigkeit geplagte Papst Alexander VII. den Wunsch nach einer Uhr geäußert hatte, auf der sich nachts die Zeit ohne vorheriges Anzünden einer Kerze ablesen ließe und die obendrein möglichst geräuschlos laufen solle. Dem entsprachen im Jahr 1656 die Gebrüder Matteo, Pier Tommaso und Giuseppe Campani. Treffler folgte ihnen in markanten Details. Dazu zählen die Spindelhemmung mit Kuhschwanzpendel, die am Uhrwerk unten und nicht wie gewöhnlich oben angebracht sind, wohl um diese empfindlichen Teile von der Licht- und Wärmequelle fernzuhalten.

BV008552852
Zum Objekt: Klaus Maurice, Die deutsche Räderuhr. Zur Kunst und Technik des mechanischen Zeitmessers im deutschen Sprachraum. Band 1: Text und Register 1. Auflage, München 1976, S. 184-186

BV002382315
Zum Objekt: Klaus Maurice, Die deutsche Räderuhr. Zur Kunst und Technik des mechanischen Zeitmessers im deutschen Sprachraum. Band 2: Katalog und Tafeln. 1. Auflage, München 1976, S. 85, Kat.-Nr. 680

BV023310059
Zum Objekt: Birgit Kremer, Nachtlichtuhren in Europa. Erstaunliche Modellvielfalt über die Jahrhunderte Teil 2, in: Klassik Uhren Heft 4, 2008, S. 24-38, S. 26 f.

BV036555252
Zum Objekt: Jürgen Abeler, Meister der Uhrmacherkunst 2. Auflage, Wuppertal 2010, S. 561

BV037328280
Zum Küntler: Inge Keil, Johann Philipp Treffler (1625-1698), Drechsler und Uhrmacher der Medici, in: Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben Bd. 103, 2011, S. 157-186, S. 175, Abb. 1, Kat.-Nr. 2

BV043983910
Zum Objekt: Aukt.-Kat. Auktionen Dr. Crott (Hrsg.): 12.11.2016., 94. Auktion, Hotel Sheraton, Frankfurt Flughafen, Mannheim 2016, S. 25-29, Kat.-Nr. Los 514

BV017839168
Zum Vergleich: Silvio A. Bedini, Johann Philipp Treffler. Clockmaker of Augsburg, Washington, D. C. 1957, S. 25-27

BV038149492
Zum Vergleich: Silvio A. Bedini, Agent for the Archduke. Another Chapter in the Story of Johann Philipp Treffler, Clockmaker in Augsburg, in: Physis 3. Jg. Heft 2, 1961, S. 137-158, S. 155

BV019897278
Zum Vergleich: Silvio A. Bedini, L'orologio notturno. Un'invenzione italiana del XVII secolo, in: La misura del tempo. L'antico splendore dell'orologeria italiana dal XV al XVIII secolo, Trient 2005, S. 201-219, S. 216

BV023056125
Zum Vergleich: Karsten Gaulke, Antje Scherner, Ein Meisterwerk voller Rätsel. Die Augsburger Prunkuhr (Museumslandschaft Hessen Kassel, Monographische Reihe Bd. 20), Museumslandschaft Hessen Kassel. Michael Eissenhauer (Hrsg.), Kassel 2007, S. 60

BV047107525
Zum Vergleich: Ausst.-Kat. Museo Poldi Pezzoli, 19.03.2021-19.07.2021, Mailand: La forma del tempo, Lavinia Galli (Hrsg.), Milano 2020

Systematik

Gerät - Messgerät - Physikalisches Gerät - Uhr

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