Sammlung
Fußbecher mit gravierten Darstellungen der Lebensalter
- Künstler/in
- –
- Entstehung
- Schweiz (?)
- Datierung
- 19. Jh.
- Material
- Silber, getrieben, graviert, vergoldet
- Maße
- H. 11,5 cm, Dm. (Fuß) 7,2 cm, Dm. (Lippenrand) 8,7 cm, G. 157,0 g
- Standort
- Bayerisches Nationalmuseum (nicht ausgestellt)
- Inventarnummer
- 2016/214
- Bezug
- –
- Zugang
- Geschenk 2016, Privatbesitz
Bei dem Fußbecher handelt es sich um eine historistische Arbeit im Stil der Spätrenaissance. Der sehr qualitätvolle gravierte Dekor auf der Wandung der zum Lippenrand hin ausschwingenden Kuppa ist dem Thema der Lebensalter gewidmet. In vier Szenen werden vier Lebensphasen vorgestellt, die durch die Bäume im Hintergrund in Analogie zu den vier Jahreszeiten gesetzt sind. Der Zyklus beginnt mit drei Kindern, die vor einem knospenden Baum gruppiert sind. Ein Taubenpaar vermittelt zur Sommerszene, in der unter einem blühenden Baum ein junger Mann seiner Angebeteten auf der Laute ein Ständchen bringt. Neben einem früchtetragenden Baum präsentiert sich ein gerüsteter bärtiger Mann in Feldherrenpose. Die letzte Szene zeigt einen über den Stock gebeugten Greis mit langem Bart unter einem Baum, der seine Blätter verliert. Im Hintergrund betritt der Greis eine Kapelle. Der gewölbte Standring des Fußes zeigt eine gravierte Arabeskenranke, die unterhalb des Lippenrandes wiederholt wird und dort einen Schild mit dem Wappen des Schweizer Adelsgeschlechts der Herren Giel von Gielsberg (freundlicher Hinweis von Prof. Ernst-Ludwig Richter) sowie die Initialen »I.B.« und »G.G.« einschließt. Direkte grafische Vorlagen für die Lebensalterdarstellungen konnten bislang nicht ermittelt werden. Sie weisen jedoch im Figurenstil und der Komposition starke Parallelen zur Holzschnittserie auf, die Tobias Stimmer (1539–1584) zugeschrieben wird und die auf jeweils fünf Blättern die zehn Lebensalter von Mann und Frau vorstellen und mit Versen kommentieren. Zur Aufwertung des Bechers, möglicherweise auch in bewusst fälschender Absicht, ist der Boden mit den Silbermarken eingelötet. Links vom Zentrierpunkt befindet sich das Beschauzeichen mit Adler nach links, rechts das Meisterzeichen in Schildform mit einem Kreuz über einer Kugel (Reichsapfel?). Da zahlreiche Städte einen nach rechts gewendeten Adler als Beschauzeichen verwenden, ist die Zuordnung bislang nicht eindeutig. Aufgrund der aus dem Schweizer Kontext stammenden Wappen und grafischen Vorlagen könnte es sich eventuell um Aarau handeln.
Systematik
Gefäß - Becher - Fußbecher