Sammlung

Ovale Deckeldose

Künstler/in
Georg Wecker
Entstehung
Prag (?)
Datierung
1592 (dat.)
Material
Elfenbein, gedrechselt
Maße
H. 10,0 cm, Dm. 11,0 cm, G. 272 g
Standort
Bayerisches Nationalmuseum (Saal 85)
Inventarnummer
2017/51.1-3
Bezug
Zugang
Geschenk 2017, Erworben mit Mitteln aus dem Vermächtnis Harry Beyer, Erworben im Kunsthandel, London, Aus der Sammlung Guy Onghena, Belgien, Aus der Sammlung Nicolaus Landau, Paris

Die ovalgedrechselte Deckeldose mit glattem Dosenkörper besitzt die Form eines Postaments mit profiliertem Sockel und auskragendem, flachen Deckel mit Zargenverschluss. Auf dem Deckel sitzt eine (ursprüngliche?) passig gedrehte Rosette, in deren heute leerem Gewinde vermutlich ein (metallener?) Knopf eingeschraubt war. Sowohl Deckel wie Boden sind mit eingeschnittenen Doppellinien in Ellipsenform verziert und wiederholen damit die Grundform der ovalen Dose selbst. Die teils kreuzförmig versetzten Ellipsen wie auch Monogramm und Jahreszahl sind mit schwarzer Farbe nachgezogen. Die Deckeldose lässt sich aufgrund identisch monogrammierter Vergleichsstücke im Grünen Gewölbe in Dresden, die ihr in der Machart bis hin zu den eingeschnittenen Doppellinien gleichen, dem Kunstdrechsler Georg Wecker zuweisen. Der Sohn des Hans Wecker, Hofdrechslers Herzog Albrechts V. von Bayern, war in gleicher Funktion für den bayerischen Thronfolger und späteren Herzog Wilhelm V. tätig. Am Münchner Hof konnte er die von dem Mailänder Kunstdrechsler Giovanni Ambrogio Maggiore 1574 in Bayern eingeführte neuartige Kunst des Ovaldrehens erlernen, ehe er 1576 zusammen mit dem herzoglichen Geschenk einer Drehbank an den sächsischen Hof gesandt und bereits 1578 zum Hofdrechsler ernannt wurde. Georg Wecker hat dort das Elfenbeindrehen auf damals neuestem technologischen Niveau etabliert. Während sich in den Münchner Sammlungen Drechselkunststücke aus Elfenbein von Georg Wecker nicht erhalten haben, besitzt das Grüne Gewölbe eine reiche Sammlung Kollektion seiner Arbeiten, unter denen sich jedoch keine zwischen 1591 und 1600 datierten Stücke befinden. Jüngeren Überlegungen zufolge wechselte Georg Wecker bereits nach dem Tod Kurfürst Christians I. von Sachsen 1591 an den Hof Kaiser Rudolfs II. nach Prag, um erst kurz vor der Regierungsübernahme Kurfürst Christians II. 1600 nach Dresden zurückzukehren. 1601 wird in Prag sein Sohn Hans (Johann) zum Kammerdrechsler Kaiser Rudolfs II. ernannt. Im Inventar der rudolfinischen Kunstkammer von 1607–1611 findet sich eine Reihe monogrammierter Arbeiten Georg Weckers mit Jahresangabe, darunter auch von 1594. So liegt die Vermutung nahe, dass die 1592 datierte Deckeldose aus der rudolfinischen Kunstkammer stammt, deren Bestände 1648 bei der Einnahme Prags durch die Schweden erbeutet und im Folgenden auseinandergerissen wurden.

Systematik

Behältnis [Behälter] - Büchsen (Dosen) - Dose - Deckeldose

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