Sammlung

Maria Magdalena (Figur)

Künstler/in
Bildhauer: Balthasar Permoser
Entstehung
Florenz
Datierung
zwischen 1677 und 1690
Material
Elfenbein
Maße
H. 19,8 cm
Standort
Bayerisches Nationalmuseum (Saal 85)
Inventarnummer
2017/3
Bezug
Zugang
Geschenk 2017, Erworben mit Mitteln aus dem Vermächtnis Harry Beyer, Aus dem Süddeutschen Kunsthandel, Aus dem Kunsthandel, Frankreich

Die Statuette zeigt die reuige Sünderin in weitem Gewand und mit langen, offen herabfallenden Locken. Sie streckt in leidenschaftlichem Gestus ihre Linke zur Seite und hält in der erhobenen rechten Hand ein Tuch, mit dem sie wohl ehemals den Kreuzstamm umfasste. Dies lässt die Figur als Teil einer Kreuzigungsdarstellung vermuten, wobei sich das Kreuz mit Christus nicht erhalten hat. Den Kopf mit schmerzerfülltem Gesicht dreht sie zur erhobenen Rechten und blickt nach oben in Richtung des Gekreuzigten. Die Figur zeichnet sich durch die Wucht ihrer organisch fließenden Bewegung aus, mit der ihr leidenschaftlich geäußerter Schmerz in Körperhaltung und Faltenführung des Gewandes Ausdruck findet. Die Frage nach einem erstrangigen Bildhauer lässt sich mit dem Verweis auf das Florentiner Œuvre des Balthasar Permoser beantworten, einem der wichtigsten Vertreter des Hochbarock in Deutschland. Bereits der weit nach außen gestreckte Arm der Magdalena erinnert an Gianlorenzo Berninis Monumentalskulptur des hl. Longinus in St. Peter in Rom und damit gleichzeitig an prägende Eindrücke, die Permoser vor seiner Ankunft in Florenz in Rom empfing. Im Vergleich mit mehreren Werken, die während seines Aufenthaltes in Italien ab der Mitte der 1670er-Jahre bzw. beziehungsweise seiner Anstellung durch die Medici in Florenz von 1677 bis 1690 entstanden sind, kann die kleine Figur als ein neuentdecktes frühes Werk Permosers vorgestellt werden. In Stil, Komposition, Physiognomie und Faltenorganisation verbindet sich die Statuette mit Permosers großformatigen Skulpturen für die Fassade der Theatinerkirche SS. Michele e Gaetano in Florenz. Physiognomie und Lockengestaltung der Maria Magdalena stimmen direkt mit den 1686 bis 1689 gearbeiteten weiblichen Allegorien der Hoffnung und der Armut im Geiste (siehe Asche) überein; kompositionell und in der Gewanddraperie ist die Elfenbeinstatuette außerdem mit der großen Nischenfigur des hl. Kajetan von 1689 / 90 im zweiten Stock der Fassadengliederung verbunden, die wiederum Berninis Longinus-Statue in St. Peter in Rom voraussetzt. Ein Detail der Gewandgestaltung bei der Sünderin, der um beide Füße rahmenartig geführte Saum, findet sich schließlich bei einer weiteren, archivalisch 1686 für Permoser bezeugten Elfenbeinarbeit, der Muttergottes des Kalvarienberges für Vittoria della Rovere im Museo degli Argenti im Palazzo Pitti (siehe Schmidt). Mit der Maria Magdalena wird der kleine, gleichwohl hochrangige Bestand an Elfenbeinarbeiten Balthasar Permosers um eine weitere hervorragende Statuette aus seiner Florentiner Frühzeit erweitert.

BV046266391
Zum Objekt: Jens Burk, Große Kunst in kleinem Format. Das Bayerische Nationalmuseum besitzt eine der weltweit bedeutendsten Sammlungen von Meisterwerken aus Elfenbein, in: Unser Bayern, Zweimonatliche Beilage der Bayerischen Staatszeitung 68. Jg. Heft 11/12, München 2019, S. 13-19, Abb. S. 17

Systematik

Bildwerk [Plastik, Skulptur] - Figur (Mensch) - Figur

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