Sammlung
Eckschreibtisch
- Künstler/in
- Entwurf: Richard Riemerschmid, Ausführung: B. Kohlbecker & Sohn
- Entstehung
- München
- Datierung
- –
- Material
- Nadelholz, furniert (teilweise), Pappelholz (?), gebeizt, Ahornholz (?), gebeizt (?), Apfelbaumholz (?), auffurniert (?), Messing, Metall, Naturharz, poliert, Cellulosenitrat, gespritzt
- Maße
- Schreibtisch mit Aufsatz (gesamt): H. 174,6 cm, B. 212,0 cm, T. 75,7 cm, H. (Tischplatte) 75,3 cm
- Standort
- Bayerisches Nationalmuseum (nicht ausgestellt)
- Inventarnummer
- 2017/33.1-3
- Bezug
- –
- Zugang
- Geschenk 2017, Erworben mit Mitteln aus dem Vermächtnis Harry Beyer, Privatbesitz
Der gebürtige Münchner Richard Riemerschmid (1868–1957) erhielt im Jahr 1900 auf der Pariser Weltausstellung eine Goldmedaille für das ›»Zimmer eines Kunstfreundes‹«, das zugleich den Höhepunkt seiner Auffassung von Raum- und Jugendstilkunst dokumentierte. Seinen ersten öffentlichen Auftrag verdankte er kurze Zeit später, 1900 / 01, seinen Brüdern Carl und Arthur Riemerschmid. Die Enkel des Likörfabrikanten Anton Riemerschmid finanzierten in der Maximilianstraße einen Theaterneubau – die späteren Münchner Kammerspiele –, mit dem der Architekt Max Littmann und der Innendekorateur Richard Riemerschmid zugleich ein Hauptwerk des deutschen Jugendstils schufen. Ende 1902 begann Riemerschmid mit den Dresdener Werkstätten für Kunsthandwerk zusammenzuarbeiten. Auch hier avancierte er bald zum führenden Entwerfer. Das Modell des Eckschreibtischs wurde erstmals zusammen mit einem Eckschrank 1904 in der Zeitschrift ›Dekorative Kunst‹ veröffentlicht, womit ein Anhaltspunkt für die Datierung des Möbelensembles gegeben ist. Es handelte sich hierbei um eine im Fotoatelier arrangierte Rauminstallation. Organisch-expressive Gestaltungsprinzipien sowie florale Jugendstilornamente sucht man bei diesen Möbeln vergeblich. Die einzige auffällige Schmuckform bilden die Messingbeschläge. Sowohl der Armlehnstuhl als auch der wuchtige Herreneckschreibtisch stehen eher für klare, zweckmäßige und konstruktive Architekturverbindungen und für die Auseinandersetzung mit ostasiatischer Ästhetik. Beide Möbel wurden von der Kunstschreinerei Kohlbecker & Sohn ausgeführt. Während ein Buffet mit identischen Messingbeschlägen in die Villa Thieme (Georgenstraße 7) in München verortet werden kann, lässt sich der Eckschrank entgegen geäußerter Vermutungen nicht dort nachweisen, sondern taucht erstmals in der Likörfabrik Riemerschmid auf der Münchner Praterinsel auf (mMündliche Mitteilung von Reiner Hoppe, 2018)
Systematik
Möbel - Schreibmöbel - Schreibtisch