Sammlung
Œuvrealbum "Ehrengaben in Lederschnitt" und Heft "Erläuterungen z. Musteralbum meiner Lederschnittarbeiten vom Anbeginn 1889 bis zum Ende meines Schaffens"
- Künstler/in
- Franz Xaver Weinzierl
- Entstehung
- München
- Datierung
- von 1889 bis 1931
- Material
- Inventarband: Leder, Silber (Eckbeschläge)
- Maße
- Inventarband: H. 55,0 cm, B. 44,0 cm, T. 9,5 cm; Heft: H. 16,7 cm, B. 10,5 cm, Blätter 16
- Standort
- Bayerisches Nationalmuseum (nicht ausgestellt)
- Inventarnummer
- 2017/61.1-2
- Bezug
- –
- Zugang
- Geschenk 2017, Privatbesitz
Der gebürtige Münchner Franz Xaver Weinzierl (1860–1942) wandte sich nach Abschluss seines Studiums an der hiesigen königlichen Kunstgewerbeschule schon bald der Technik des Lederschnitts zu. So verzierte er lederüberzogene Prachteinbände, Bücher, Urkunden, Kassetten oder Glückwunschadressen mit erhabenen Mustern und figürlichen Motiven. Anders als bei der Prägetechnik handelt es sich beim Lederschnitt um eine Treib- und Punzierarbeit. Das von Weinzierl verwendete Leder besaß durchschnittlich eine Stärke von 0,2 bis 0,25 cm und wurde mit warmem Wasser aufgeweicht. Nach dem Einritzen des Motivs weitete der Künstler das Leder mit verschiedenartigen Werkzeugen. Es folgten Trocknungsprozesse und die Unterfütterung mit einer Paste, damit sich eine erhabene Oberfläche bildete. Weinzierl beherrschte dieses Veredelungsverfahren, bei dem es auf die korrekte Schnitttiefe ins Leder sowie die exakte Abfolge von Einweich- und Trocknungsprozessen ankam, in herausragender Weise. Die Lederschnitttechnik gehörte nicht zum Buchbinderhandwerk, so dass Weinzierl als selbstständiger Künstler arbeitete und vor allem für Buchdruckereien hochwertige Prachteinbände in Lederschnitttechnik vom Entwurf bis zur Fertigstellung lieferte. Auf der Landesausstellung Nürnberg erhielt Weinzierl 1896 die goldene Staatsmedaille für seine Arbeiten. 1908 berief ihn Oskar von Miller an das zwei Jahre zuvor gegründete Deutsche Museum als Kalligraph und Lederschnitttechniker. Zu den mit seinen kunstgewerblichen Prunkwerken geehrten Adressaten zählten Prinzregent Luitpold, der deutsche Kaiser Wilhelm II., Otto von Bismarck sowie der rumänische König Carol I. Darüber hinaus nahm er an den Weltausstellungen in Chicago 1893 und in Paris 1900 teil. All diese Werke sind in dem Originalinventar mit Abbildungen verzeichnet, das Weinzierl von 1889 bis kurz vor seinem Tod 1942 führte. Die Vorderseite des Einbands aus braunem Kalbsleder wird von einem Porträtmedaillon geschmückt. Dargestellt ist Pallas Athene, die Schutzgöttin der Künste und des Handwerks, im Profil nach rechts. Sie trägt einen Helm mit Rankenornament und Rosskamm, unter dem ihre langen Haare hervorscheinen. Beim Lederschnitt bevorzugte man die seitliche Profilansicht, denn so war es möglich, die Nase plastisch hervorzuheben. Hinterfangen wird das Bildnis von einer kreisrunden, mosaikartig gestalteten Scheibe, deren Rand von einem Blattkranz gerahmt ist. Am Büstenrand erscheint das heraldische Wappen der Familie Weinzierl und darunter die Aufschrift »EHRUNGEN IN LEDERSCHNITT. F. X. WEINZIERL«. Jeweils in den Ecken befinden sich vergoldete quadratische Messingbeschläge mit zwei lorbeerkranzhaltenden Genien, Rollwerkornamenten und einem Groteskenkopf.
Systematik
Schriftwesen - Buch