Sammlung

Putto als Pandora aus der Serie "Ovidische Götter" (Figur)

Künstler/in
Modell: Franz Anton Bustelli, Ausformung und Bemalung: Porzellanmanufaktur Neudeck-Nymphenburg
Entstehung
München, Neudeck-Nymphenburg
Datierung
zwischen 1755 und 1757 (Modell, Ausformung und Bemalung)
Material
Hartporzellan, Aufglasurfarben, Gold, bemalt
Maße
H. 9,7 cm
Standort
Bayerisches Nationalmuseum (Saal 95)
Inventarnummer
2017/90
Bezug
Zugang
Geschenk 2017, B. Michael Andressen in Erinnerung an Dr. Alfred Ziffer aus dessen Sammlung

Wie an den Attributen erkennbar, verkörpern die vier kleinen, fein bemalten Puttenfiguren antike Götter, die allerdings nicht wie üblich als Erwachsene dargestellt sind, sondern in Gestalt von Putten. Dies war eine völlig neue Idee, weil Putten zuvor, etwa in der barocken Deckenmalerei, immer nur Beiwerk waren. Mit ihren kindlich-weich modellierten üppigen Körpern, den geziert verdrehten Haltungen und dem individuellen Ausdruck in ihren Gesichtern vermitteln die kleinen Porzellanfiguren dem Betrachter weniger das Gefühl von Würde als vielmehr von augenzwinkernder Heiterkeit. Jupiter lagert mit seinem Symboltier, dem Adler, auf einem Wolkensockel, in den sein Planetenzeichen eingeritzt ist und der den Himmel als sein Herrschaftsgebiet andeutet; mit bekröntem Haupt blickt der Göttervater mit erregt geöffnetem Mund eigentlich auf sein Blitzbündel, das hier leider zusammen mit der linken Hand abgebrochen ist. Die von Hephaistos als erste Frau erschaffene und von allen Göttern mit den besten Gaben beschenkte Pandora hält in ihrer Rechten kokett die Büchse empor, in der alles Übel eingeschlossen war, das sich aber auf der Welt verbreitete, als sie aus Neugierde den Deckel öffnete. Kybele, die Göttin der Fruchtbarkeit, trägt eine Stadtmauer als Krone und präsentiert auf einem großen Buch den Schlüssel, mit dem sie im Frühjahr die Erde aufschließt, damit das Wachsen beginnen kann. Amphitrite, die Herrin der Meere, ist durch den am Boden liegenden Dreizack ihres Gemahls Neptun benennbar, auch wenn sie Blumen in Hand und Haar trägt. Die Putten gehören zu einer Serie von insgesamt »26 Götter Figurlen, 1te Sort, ovidische Götter vorstellend«, die im Inventar der vorrätigen Waren der kurbayerischen Porzellanmanufaktur vom 8. August 1755 erstmals erwähnt und im Nymphenburger Preisverzeichnis von 1767 auch einzeln aufgeführt sind. Sie sind frühe, bereits sehr ausdrucksstarke, köstliche Werke des berühmten Modelleurs Franz Anton Bustelli, der im November 1754 als »Figurist« in die Porzellanmanufaktur in Neudeck eingetreten war; diese wurde 1761 nach Nymphenburg verlegt, wo Bustelli im April 1763 starb.

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Zum Vergleich: Ausst.-Kat. Bayerisches Nationalmuseum, München, 24. November 2004 - 13. März 2005: Franz Anton Bustelli. Nymphenburger Porzellanfiguren des Rokoko Das Gesamtwerk, Renate Eikelmann (Hrsg.), München 2004, S. 139, Kat.-Nr. 40

BV046807037
Zum Objekt: Katharina Hantschmann, Always up to date. Porcelain at the Munich Court, in: A passion for porcelain. Essays in honour of Meredith Chilton, S. 22-39, Karine Tsoumis, Vanessa Sigalas (Hrsg.), Stuttgart 2020, Abb. S. 34-35

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Zum Objekt: Katharina Hantschmann, Zur Erinnerung an unseren Vizepräsidenten Dr. Alfred Ziffer 20. April 1957 - 19. Oktober 2017, in: Keramos. Zeitschrift der Gesellschaft der Keramikfreunde e.V. Düsseldorf 2018. Jg. Heft 241/242, Gesellschaft der Keramikfreunde e.V. Düsseldorf (Hrsg.), Bramsche 2020, S. 4-10, S. 4-10, Abb. S. 8

Sammlung

Sammlung Alfred Ziffer

Systematik

Bildwerk [Plastik, Skulptur] - Figur (Mensch) - Figur

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