Sammlung

Chronos auf dreieckigem Postament (Figur)

Künstler/in
Modell: Dominikus Auliczek, Ausformung und Bemalung: Porzellanmanufaktur Nymphenburg
Entstehung
München, Nymphenburg
Datierung
vor 1767 (Modell); um 1770 (Ausformung und Bemalung)
Material
Hartporzellan, Aufglasurfarben, Gold, bemalt
Maße
H. (mit Sockel) 46,6 cm
Standort
Bayerisches Nationalmuseum (nicht ausgestellt)
Inventarnummer
2017/117
Bezug
Zugang
Geschenk 2017, B. Michael Andressen in Erinnerung an Dr. Alfred Ziffer, Aus dem Kunsthandel, London, Aus der Sammlung des Hauses Sayn-Wittgenstein

Diese Nymphenburger Porzellanplastik ist in der Preisliste der Manufaktur von 1767 als »Saturnus auf dreieckigem Postament, 11 Zoll« aufgeführt und kostete damals in bemalter Version 50 Gulden, weiß 36 Gulden. Saturn, griechisch Kronos, ist allerdings nicht als der Titan und Vater von Zeus dargestellt, der seine Kinder fraß und dann auch als Gott des Ackerbaus verehrt wurde. Die Sichel, mit der er seinen Vater Uranos entmannt haben soll, steht als Zeichen dafür. Vielmehr ist »Saturnus« hier als Chronos wiedergegeben, als Gott der Zeit, der schon im Hellenismus und vor allem in der Nachantike mit Flügeln dargestellt wurde. Mit Kronos hatte Chronos ursprünglich nichts zu tun, wurde aber wegen des Namens schon in der Antike immer wieder mit diesem verschmolzen. Im Barock und Rokoko war Chronos als Mahner der Vergänglichkeit wesentlich bekannter und fand gerade auch in der Sepulkralskulptur vielfältige Darstellung. Die Nymphenburger Figur zeigt also Chronos mit Flügeln als alten ausgemergelten Mann mit langem, windzerzausten Bart. Er sitzt zusammengesunken auf dem kleinen bewachsenen Felsstück und hebt seine Sense nur mit Mühe drohend empor. Seine labile Position und Kraftlosigkeit wird durch den hohen dreieckigen Volutensockel betont, auf den er platziert ist. Die Sockelreliefs mit gekreuzter Sense und Stundenglas unterstreichen seine Charakterisierung als Personifikation des Todes. Die Figur ist ein Werk des international ausgebildeten Bildhauers Dominikus Auliczek (1734–1804), der 1763 die Nachfolge Bustellis als Modellmeister der Nymphenburger Porzellanmanufaktur antrat. In seiner zeitgenössischen Biographie von 1772 ist ein »Saturnus mit vier Genien« genannt. Derartige Assistenzfiguren sind jedoch nicht bekannt. Möglicherweise war ein zweites Exemplar des Chronos (in der Sammlung Bäuml erhalten) einst Mittelfigur eines solchen Ensembles. Hier sitzt der Gott der Zeit mit erhobener Sanduhr auf einem wesentlich niedrigeren durchbrochenen Rocaillesockel. Typisch für Auliczek ist zudem das größere Format des Chronos, das im beginnenden Klassizismus vielfach bevorzugt wurde. Allerdings hat er hierbei noch nicht zu der souveränen Formensprache seiner großen Götterserie gefunden, die – ebenfalls bereits 1772 erwähnt – Elemente des Hochbarock mit dem Vorbild der Antike verbindet.

BV001064007
Zum Objekt: Friedrich H. Hofmann, Geschichte der Bayerischen Porzellan-Manufaktur Nymphenburg, Band I: Wirtschaftsgeschichte und Organisation, Leipzig 1921, S. 185, Abb. 173

BV001064009
Zum Objekt: Friedrich H. Hofmann, Geschichte der Bayerischen Porzellan-Manufaktur Nymphenburg, Band III: Produktion und Verschleiss, Leipzig 1923, S. 472-473

BV014170672
Zum Objekt: Ausst.-Kat. Museo Provinciale d'Arte, Trient, 27.06.-20.09.1991: Le porcellane. [la mostra Da Meissen a Nymphenburg, porcellane del Settecento ..., Museo Provinciale d'Arte, Trento, Castello del Buonconsiglio, 27 giugno - 20 settembre 1991] Alfred Ziffer, Trient 1991 (Cataloghi delle collezioni / Provincia Autonoma di Trento, Servizio Beni Culturali, Museo Provinciale d'Arte, Bd. 1), Kat.-Nr. 46

BV046667055
Zum Objekt: Katharina Hantschmann, Zur Erinnerung an unseren Vizepräsidenten Dr. Alfred Ziffer 20. April 1957 - 19. Oktober 2017, in: Keramos. Zeitschrift der Gesellschaft der Keramikfreunde e.V. Düsseldorf 2018. Jg. Heft 241/242, Gesellschaft der Keramikfreunde e.V. Düsseldorf (Hrsg.), Bramsche 2020, S. 4-10, S. 4-10, Abb. S. 9

Systematik

Bildwerk [Plastik, Skulptur] - Figur (Mensch) - Figur

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