Sammlung
Putto mit modernem Sockel (Figur)
- Künstler/in
- Ignaz Günther
- Entstehung
- München
- Datierung
- Putto: um 1770; Sockel: zwischen 1975 und 1982 (?)
- Material
- Putto: Lindenholz (?), gefasst, weiß; Sockel: Laubholz, gefasst, versilbert
- Maße
- Putto: H. 15,6 cm, B. 11,2 cm, T. 6,5 cm; Sockel: H. 7,5 cm, B. 13,6 cm, T. 6,5 cm; Gesamt (Putto auf Sockel): H. 20,5 cm, B. 13,6 cm, T. 6,5 cm
- Standort
- Bayerisches Nationalmuseum (nicht ausgestellt)
- Inventarnummer
- 2017/119.1-2
- Bezug
- Inv.-Nr. 2017/118.1-2 - 2017/120.1-2 (Christus am Kreuz und zwei Putten)
- Zugang
- Geschenk 2017, Erworben mit Mitteln aus dem Vermächtnis Harry Beyer, Privatsammlung Benno Michael Gantner
Christus wird lebendig, von Schmerz erfüllt und mit klagend geöffnetem Mund himmelwärts blickend am Kreuz gezeigt. Sein überschlanker Körper zeichnet sich durch die sensibel-nervöse Oberflächenmodellierung der angespannten Muskeln und Sehnen aus. Zum Kruzifix gehören zwei nur mit Draperien um die Hüften bekleidete Putten. Das fragmentarisch erhaltene Ensemble wird in seinem ursprünglichen Aussehen und seiner Ikonographie durch ein Glockenrelief von Ignaz Günther mit Kruzifix und zwei Putten (Inv.-Nr. 13 / 262) deutlich, welches mit der dazugehörigen Matrize (Inv.-Nr. 13 / 251) sowie der Matrize mit dem Gekreuzigten alleine (Inv.-Nr. 13 / 268a) im Bayerischen Nationalmuseum verwahrt wird. Das Relief erweist die vollrunden Figuren als die Reste einer Allegorie auf die Erlösung durch den Kreuzestod Christi. Unter dem Gekreuzigten lehnt auf dem Glockenrelief eine Tafel mit der Aufschrift »Psal:115 V:16«, ein Hinweis auf die Psalmstelle »Diripuisti vincula mea – Du hast meine Fesseln gelöst«. Die Putten des Reliefs besitzen noch die bei der vollrunden Gruppe verlorenen Attribute: Dder linke Putto, neben dem ein Schädel liegt, fasst das Ende einer Kette, die an einem um seinen Oberkörper geschmiedeten Reif hängt, der wiederum auch beim vollplastischen Putto noch vorhanden ist. Beim rechten, in einer Hand einen Palmzweig haltenden Putto erkennt man den abgerissenen Rest einer Kette, an der eine Eisenkugel befestigt ist, und unterhalb von ihm liegt eine von einem Felsblock erdrückte Schlange. »In signifikanter Weise symbolisiert die Darstellung als Ganzes die Erlösung von den Banden des Todes und der Sünde durch den Kreuzestod Christi« (Volk 1982). Die drei Skulpturen gleichen in ihrer Weißfassung Ausformungen in Porzellan nach Güntherschen Modellen, wobei der KCorpus eine enge kompositorische Verbindung zu dem aus der Cäcilienkapelle der Münchner Residenz stammenden Porzellan-Kruzifixus (Inv.-Nr. L 2000 / 388) nach einem Modell Günthers (Leihgabe der Bayerischen Schlösserverwaltung) aufweist. Kompositionell rufen unserer KCorpus und der mit ihm verwandte große, farbig gefasste Kruzifixus im Münchner Stadtmuseum eine prominente Erfindung Paul Egells, Günthers Lehrer der Mannheimer Jahre 1751 / 52, in Erinnerung. Dessen im Zweiten Weltkrieg in Berlin zerstörtes Kruzifix vom Hochaltar der kKatholischen. Unteren Pfarrkirche in Mannheim von 1738–1741 / 42 erweist sich als eindrucksvoll wirkendes Vorbild, welches Günther mit der für ihn charakteristischen physiognomischen Gestaltung in schlankeren Proportionen verschmolz. Im Vergleich zum Münchner Kruzifixus (Münchner Stadtmuseum) schlug Peter Volk für den kleinen Kruzifixus der allegorischen Gruppe wegen dessen festerer Körperstruktur und dem sparsamer gestalteten Lendentuch mit härteren, gebrochenen Falten eine spätere Entstehung in den Jahren um 1770 vor. Mit dem Neuankauf wird die umfassende Sammlung von Skulpturen Ignaz Günthers um eine bisher nicht vorhandene rundplastische Darstellung des Gekreuzigten vom Typus des Christo Vivo ergänzt.
BV038601841
Zum Objekt: Peter Volk, Neues zu Ignaz Günther, in: Ars Bavarica Bd. 25/26, München 1982, S. 101-114, S. 110-114, Abb. 10, 11, 12
BV000992324
Zum Objekt: Ausst.-Kat. Bayerisches Nationalmuseum, München, 07. Mai 1985 - 21. Juli 1985: Bayerische Rokokoplastik. Vom Entwurf zur Ausführung, Bayerisches Nationalmuseum (Hrsg.), München 1985, S. 80, Abb. S. 81, 82, Kat.-Nr. 76
Systematik
Bildwerk [Plastik, Skulptur] - Figur (Mensch) - Figur