Sammlung

Thronende Madonna (Figur)

Künstler/in
Entstehung
Untersteiermark, Slowenien
Datierung
um 1390/1400
Material
Konstruktion: Gipsmörtel, Gips, Anhydrit, Calcit, Tonpartikel, rot, hochgebrannt; Polychromie: Ölfarbe (?)
Maße
H. 72,0 cm, B. 41,5 cm, T. 39,0 cm, G. 82,0 kg
Standort
Bayerisches Nationalmuseum (Saal 1)
Inventarnummer
L 81/49
Bezug
Zugang
Unbefristete Leihannahme 2013, Ernst von Siemens Kunststiftung, Freundeskreis des Bayerischen Nationalmuseums e.V., München, Erworben mit Hilfe der Kulturstiftung der Länder

Dank der großzügigen Unterstützung der KulturStiftung der Länder, der Ernst von Siemens Kunststiftung und des Freundeskreises des Bayerischen Nationalmuseums e.  V. konnte 2012 eine steinerne Madonna erworben werden, die als ein Schlüsselwerk für die höfisch geprägte Kultur der Jahre um 1400 gelten darf. Die an der Kunst des Prager Kaiserhofes orientierte Figur galt bislang als salzburgisch, findet ihre engsten Stilparallelen aber im Süden der historischen Steiermark, dem heutigen Slowenien. Dort kennt man auch weitere Werke derselben Gattung, während thronende Madonnen unter den Steinarbeiten dieser Zeit sonst erstaunlich selten sind. Bemerkenswert sind darüber hinaus das jugendliche Aussehen der Maria und die Tatsache, dass ihr Haar nicht von einem Schleier bedeckt wird. Auch eindeutige Hinweise auf die Befestigung einer Krone fehlen. Die Figur wurde aus einer Gussmasse gearbeitet, deren Hauptbestandteil der Kulturgeologe Gerhard Lehrberger von der TU München 2013 als Hochbrandgips identifiziert hat. Trotz intensiver Untersuchungen konnte noch nicht eindeutig geklärt werden, ob das Bildwerk in einer Form gegossen, antragend gearbeitet oder aus einem Gussblock herausgearbeitet wurde. In der Literatur ist die neu erworbene Madonna seit Langem bekannt und in ihrer Bedeutung gewürdigt worden. 1910 erwarb sie der Münchner Hofantiquar Böhler vom Innsbrucker Kunsthändler und Sammler Colli, bereits seit 1981 ist sie im Bayerischen Nationalmuseum ausgestellt. Über die ursprüngliche Herkunft des Bildwerks fehlen verlässliche Angaben. Wechselweise werden die Gegend um Seckau in der Steiermark, das untere Inntal und die westlichsten Salzburger Besitzungen in Tirol, was wohl das Zillertal meint, genannt. Durch die neuen kunsthistorischen Zuordnungen verdient die erste dieser Nachrichten besondere Beachtung.

BV012457566
Zum Objekt: Kat. Geschichte der Bildenden Kunst in Österreich. Gotik, Geschichte der Bildenden Kunst in Österreich [in sechs Bänden], hrsg. von Hermann Fillitz, Bd. II, Bd. II, Günter Brucher (Hrsg.), München 2000, Kat.-Nr. 119

BV041641194
Zum Objekt: Matthias Weniger, Die böhmisch orientierte Steinskulptur um 1400, in: Patrimonia Folge Eine schöne Madonna für das Bodemuseum, Heft 366, Kulturstiftung der Länder (Hrsg.), Berlin 2013, S. 39-55, Abb. 28

BV036103590
Zum Objekt: Matthias Weniger, Thronende Madonna mit Kind, um 1390/1400, in: 30. Jahresbericht der Ernst von Siemens Kunststiftung München, 01.10.2012 - 30.09.2013, München 2013, S. 12

BV002596995
Zum Objekt: Jahresbericht Bayerisches Nationalmuseum München 2012-2013, Renate Eikelmann (Hrsg.), München 2014, S. 42-43, Abb. S. 42

BV046193239
Zum Objekt: Ausst.-Kat. Bergbau- und Gotikmuseum Leogang, 25.05.-31.10.2019 und Národní galerie Prag, 22.11.2019-19.04.2020: Schöne Madonnen aus Salzburg. Gussstein um 1400, Nationalgalerie Prag in Zusammenarbeit mit dem Bergbau- und Gotikmuseum Leogang (Hrsg.), Prag 2019, S. 110-113 (mit Abb.), Kat.-Nr. 10

Systematik

Bildwerk [Plastik, Skulptur] - Figur (Mensch) - Figur

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