Sammlung

Liturgisches Textil

Künstler/in
Entstehung
Serbien
Datierung
1792 (dat.)
Material
Leinen, bedruckt, Kupferstich (?)
Maße
B. 72,5 cm
Standort
Altes Schloss Schleißheim
Inventarnummer
2013/146
Bezug
Zugang
Vermächtnis 2013, Privatbesitz

Das Antimension (griech.; kirchenslavisch: antimins) bezeichnet ein viereckiges liturgisches Tuch, welches unerlässlich für die Feier einer orthodoxen Liturgie ist. Wie der Name sagt, verwandelt es die Stelle, an des es «an Tisches statt« (griech. «anti«, lat. «mensa«) zu liegen kommt, in einen Altar. Gewöhnlich kommt die Textilie auf einem festen Altar zum Einsatz, erinnert aber an ihren ursprünglichen Zweck zu Zeiten der Christenverfolgung; sie konnte und kann, auch außerhalb eines Sakralgebäudes, etwa im Feld, auf dem Schiff oder im Lager, den Gottesdienst ermöglichen. Auf diesem Tuch darf nichts außer Diskos und Kelch zu stehen kommen, womit die Exklusivität der Stelle als Rüsttisch für den liturgischen Akt der Eucharistie ausgedrückt ist. Nur dafür wird es ausgebreitet; ansonsten liegt es zusammengefaltet in einer Stofftasche auf dem Altar. Mit dieser wird es üblicherweise geweiht, wobei Ort und Datum sowie der weihende Bischof unterschriftlich auf dem Antimension verewigt sind. Als Unterzeichner firmiert in der Schriftkartusche handschriftlich rechts unter dem serbischen Wappen Iosif Iovanović Šakabenta, Bischof von Vršac (dt. Werschetz), der es »am Gründonnerstag im Monat April des Jahres 1792« geweiht hat, und zwar »in der Kirche zur Geburt des Hl. Johannes des Vorläufers im Gute Satulmik«. Der heute rumänische Ort ist in der Josephinischen Landesaufnahme der österreichisch-ungarischen Monarchie verzeichnet. In Auftrag gegeben wurde der Druck vom Metropolitenhofe in Sremski Karlovci (Karlowitz) als dem Sitz des serbischen Patriarchen sowie geistlichen und politischen Machtzentrum. Hier wirkte unter anderem Zacharije Orfelin (1726–1785), von dem die Ökumenische Sammlung Weinhold eines von drei weiteren Antimensien besitzt und der mit Hristofor Žefarović den Zenit der serbischen Druckgrafik bildet. Beide genossen ihre Ausbildung in Wien. Kulturgeschichtlich von Interesse ist der serbische religiöse Kupferstich unter der Voraussetzung einerseits des Einfuhrverbotes russischer Werke und andererseits von eigenen Druckereien im Habsburger Staate: Funktional verankert in den Traditionen der Orthodoxie, zeigt das ikonografische Programm eine westeuropäische Ästhetik. In der Mitte die Grablegung Christi, betrauert von Josef von Arimathäa, Maria Salome, Maria Magdalena, der Muttergottes, Johannes dem Theologen und Nikodemus. Im Hintergrund das Kreuz, darüber das Mandylion; in den vier Eckrocaillen die Evangelisten. Wie die Perspektive und die naturalistische Landschaftsszenerie ist die große Vielzahl der Leidenswerkzeuge eine Übernahme aus dem barocken Bildgebrauch des katholischen Westens, das umrahmende Schriftband mit dem Karfreitags-Troparion («Der ehrwürdige Joseph …«) hingegen ein obligater Bestandteil jedes orthodoxen Totentuches. Hier fließen augenscheinlich West und Ost nicht nur geo-, sondern auch grafisch zusammen.

BV002596995
Zum Objekt: Jahresbericht Bayerisches Nationalmuseum München 2012-2013, Renate Eikelmann (Hrsg.), München 2014, S. 65-67, Abb. S. 66

Sammlung

Sammlung Harry Beyer

Systematik

- Tuch

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