Sammlung

Turmuhr aus dem Königlichen Landgestüt in Erding

Künstler/in
Herstellung: Johann Mannhardt´sche Königlich Bayerische Hof-Thurmuhren-Fabrik
Entstehung
München
Datierung
1903
Material
Uhrwerk: Gusseisen, Stahl, gegossen, gedreht, gefräst, lackiert, farbig (teilweise), Bronze, gegossen, Holz; Sockel: Holz
Maße
Gesamt - Uhrwerk mit Pendel und Sockel aufgebaut, ohne Umlenkrollen: H. 171,0 cm, B. 72,2 cm, T. 75,8 cm
Standort
Bayerisches Nationalmuseum
Inventarnummer
2012/287.1-6
Bezug
Zugang
Überweisung 2012, National Watch & Clock Museum, Columbia, Die Uhr befand sich im Uhrturm des 1903 errichteten Königlichen Hofgestüts in Erding und verblieb dort nach der Auflösung des Gestüts. Um 1945 überführte James T. Carson, Soldat im Dienst der United States Army, das Uhrwerk in die USA. Nach seinem Tod am 20. Oktober 2011 überließ er die Uhr testamentarisch dem National Watch & Clock Museum in Columbia (PA).

Die Turmuhr entspricht einem industriell gefertigten Typus, der für kleinere Türme bestimmt war und zwei Schlagwerke für die Stunden und die Viertelstunden umfasst. Wie andere Turmuhren des Uhrmachers Johann Mannhardt (1798–1878) hat auch dieses Werk eine sogenannte Stiftenhemmung, die Mannhardt selbst entwickelt hat. Äußerlich wird die Uhr durch den gusseisernen Rahmen bestimmt, der rot lackiert und mit dünnen beigefarbenen Streifen versehen ist. Johann Mannhardt war einer der bedeutendsten Turmuhrenbauer des 19. Jahrhunderts. Seine Uhren zeichnen sich durch geringe Herstellungskosten, einfache Konstruktion und geringen Wartungsbedarf bei gleichbleibend hoher Präzision aus. Seine Firma lieferte Uhren in ganz Deutschland und in die Nachbarländer. So wurden die Münchner Frauenkirche, das Glockenspiel des Münchner Rathauses und der Kölner Dom damals mit seinen Werken ausgestattet. Auch nach der Zwangsversteigerung seiner Firma 1866 und nach seinem Tod 1878 führte das Unternehmen weiterhin den Namen Mannhardts. Die Turmuhr war im Uhrturm des Königlichen Landgestüts Erding eingebaut, das 1903 neu errichtet und bereits 1923 wieder aufgelöst wurde. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs rückten Truppen der United States Army in Erding ein. In den teilweise beschädigten und einsturzgefährdeten Bauten des ehemaligen Gestüts entdeckte einer der Soldaten die Turmuhr und erkannte ihren Wert. Um das Kunstwerk vor der Zerstörung zu bewahren, demontierte er die Uhr und schickte sie, sicher verpackt, in seine Heimat im Bundesstaat Pennsylvania. Er ergänzte die fehlenden Gewichte und Glocken und stellte das Werk funktionstüchtig in seinem Wohnhaus auf. Nach seinem Tod 2011 überließ er das Stück dem National Watch and Clock Museum in Columbia, Pennsylvania, das nach einem geeigneten neuen Eigentümer am Ursprungsort der Uhr Ausschau hielt, wodurch die Uhr 2012 nach Bayern zurückkehrte.

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Zum Vergleich: Walter Ackermann, Der Turmuhrenbau Johann Mannhardts (1798-1878) im 19. Jahrhundert, in: Uhren. Alte und moderne Zeitmessung 13. Jg. Heft 3, 1990, S. 21-35

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Zum Vergleich: Walter Ackermann, Der Turmuhrenbau Johann Mannhardts (1798-1878) im 19. Jahrhundert. Teil 2, in: Uhren. Alte und moderne Zeitmessung 13. Jg. Heft 4, 1990, S. 40-53

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Zum Objekt: Jahresbericht Bayerisches Nationalmuseum München 2012-2013, Renate Eikelmann (Hrsg.), München 2014, S. 39-40, Abb. S. 39

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Zum Objekt: Jahresbericht Bayerisches Nationalmuseum München 2012-2013, Renate Eikelmann (Hrsg.), München 2014, S. 82, Abb. S. 83

Systematik

Gerät - Messgerät - Physikalisches Gerät - Uhr - Turmuhr

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