Sammlung

Chinese, das Haupt neigend (Figur)

Künstler/in
Modell: Franz Anton Bustelli, Ausführung: Porzellanmanufaktur Neudeck-Nymphenburg
Entstehung
Neudeck
Datierung
um 1757 (Modell und Ausführung)
Material
Hartporzellan
Maße
H. 15,1 cm, B. 10,8 cm, T. 7,7 cm
Standort
Bayerisches Nationalmuseum (Saal 95)
Inventarnummer
2013/201
Bezug
Zugang
Ankauf 2013, Erworben mit Mitteln aus dem Vermächtnis Harry Beyer, Aus dem Kunsthandel, London

In einer 1760 datierten Formenliste der damals noch in Schloss Neudeck in der Münchner Vorstadt Au beherbergten und 1761 nach Nymphenburg verlegten kurbayerischen Porzellanmanufaktur ist unter anderem ein »stehender Chyneser, so vor dem Gözenbild das Haupt neuget« genannt, eine Figur des großen Modelleurs Franz Anton Bustelli, die bislang in der Sammlung des Museums noch fehlte und nun erworben werden konnte. Es handelt es dabei um eine sehr frühe, noch sehr scharfkantige Ausformung dieses Modells in seiner ursprünglichen Version, bei der der Haarzopf des Chinesen frei abstand. Da dieses fragile Detail – wie auch hier geschehen – leicht abbrach, wurde es wenig später überarbeitet und direkt am Kopf anliegend gestaltet. Der demutsvoll sein Haupt neigende Chinese gehört zu einem »Tempel der Götzen«, bei dem zwölf chinesische Adoranten singend, musizierend oder in Anbetung einem auf hohem Postament thronenden Götzenbild ihre Huldigung entgegenbringen. Wie die meisten Porzellanfiguren dieser Größe im 18. Jahrhundert dürfte das Ensemble als Dessertaufsatz für eine höfische Tafel konzipiert gewesen sein. Die Modelle zu den Porzellanchinesen schuf Bustelli um 1757, als erstmals »Chinesen« zum Bemalen an den Münchner Miniaturmaler Franz Karl von Rauffer gegeben wurden. In dieser Zeit hat die Familie von Kurfürst Max III. Joseph in München regelmäßig Briefe des Jesuiten-Missionars Florian Bahr aus Peking gelesen und regen Anteil am Schicksal der Mission in China genommen. 1753 spendete die Mutter des Kurfürsten 3000 Gulden für die Taufe von Chinesenkindern. Daher ist anzunehmen, dass das Chinesenensemble als spezieller Auftrag des bayerischen Kurfürstenhauses entstand. Formal anregend scheint eine motivisch vergleichbare Wandmalerei in der Pagodenburg im Nymphenburger Schlosspark gewesen zu sein. In diesem chinoisen Lustgebäude der bayerischen Kurfürsten wurde der achteckige Erdgeschossraum, das sogenannte Saletl, für Diners in kleinem Kreis genutzt. Auf dem runden Tisch in der Mitte des Raumes könnte die Chinesengarnitur sehr stimmig als Schmuck der Desserttafel gedient haben. Mit der Neuerwerbung des sich verneigenden Chinesen kann das Bayerische Nationalmuseum nun neun der insgesamt 13 Figuren dieses imaginären Chinesentempels sein Eigen nennen und als eindrucksvolles Ensemble präsentieren.

BV002596995
Zum Objekt: Jahresbericht Bayerisches Nationalmuseum München 2012-2013, Renate Eikelmann (Hrsg.), München 2014, S. 49-50, Abb. S. 49

BV047941988
Zum Objekt: Alfred Ziffer, Die Welt unter Glasur, in: Weltkunst Folge September 2014, Heft 91, Berlin 2014, S. 57-66, Abb. S. 65

BV002596995
Zum Objekt: Jahresbericht Bayerisches Nationalmuseum München 2014-2015, Renate Eikelmann (Hrsg.), München 2016, S. 66, Abb. S. 66

Systematik

Bildwerk [Plastik, Skulptur] - Figur (Mensch) - Figur

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