Sammlung

Badewanne der Könige Maximilian II. und Ludwig II. aus dem Hotel Adler-Post in Bad Hindelang

Künstler/in
Entstehung
Datierung
zwischen 1848 und 1860
Material
Nadelholz, Lindenholz, Ahornholz, geschnitzt, bemalt, übermalt (teilweise)
Maße
H. 85,0 cm, B. 207,5 cm, T. 96,0 cm
Standort
Bayerisches Nationalmuseum (nicht ausgestellt)
Inventarnummer
2014/1
Bezug
Zugang
Ankauf 2014, Privatbesitz

Ein ungewöhnliches Bildhauermöbel wurde durch die Vermittlung eines Bad Hindelanger Restaurators aus dem Hotel Adler-Post angekauft. Dieses älteste Gasthaus der Region wechselte 2014 zum ersten Mal seit 1750 nicht im Erbgang, sondern durch Verkauf den Eigentümer, weshalb der Verlust historischer Relikte zu befürchten war. Das Gasthaus diente seit 1848 Prinz Luitpold als Absteigequartier auf den bis ins hohe Alter teilweise mehrmals jährlich durchgeführten Reisen in sein Jagdrevier im Ostrachtal oberhalb Hindelangs. Auch König Maximilian II. nächtigte hier 1858 auf seiner »Fußwanderung« von Lindau bis Berchtesgaden, wobei das Gasthaus in der Reisebeschreibung lobend hervorgehoben wird. In der Überlieferung des Hauses galt das gondelförmige Objekt, dessen Blecheinsatz verloren ging, als »Badewanne der Herrschaften«. Diese Identifizierung erscheint plausibel, da Deutungsversuche des sehr schwer gebauten Möbels als Bett- oder Sofagestell nicht überzeugen können. Für eine Zeit, als in München Wasserleitung und Kanalisation eingeführt waren und in Adel und gehobenem Bürgertum schon eigene Badezimmer mit fest eingebauten Wannen in modernen, am Klassizismus orientierten Formen aufkamen, wirkt diese Badewanne anachronistisch. Ob die ungewöhnlich reich gestaltete, an barocke Rennschlitten erinnernde Zierwanne als Versuch der Kompensation fehlenden Komforts zu deuten ist – Hindelang bekam erst 1897 eine öffentliche Trinkwasserversorgung – oder gerade als stolzes Betonen eines rustikalen Flairs, bleibt offen. Das ausgefallene Stück kann als Zeugnis der Verehrung angesehen werden, welche die Bevölkerung des Bayerischen Alpenraums dem Herrscherhaus entgegenbrachte. Diese Verehrung war wiederum nicht zuletzt eine Resonanz auf die Liebe der Wittelsbacher zu eben jener Landschaft und ihrer Kultur. Das wohlwollende Interesse der königlichen Familie wurde zu einer ersten und wesentlichen treibenden Kraft hinter der Entstehung der bayerischen Volkskunde und Heimatpflege, des Tourismus und Folklorismus. Deshalb ist die Badewanne ein wenngleich etwas rätselhaftes, so doch nicht minder wertvolles Objekt für den Sammlungsbereich Volkskunde.

BV002596995
Zum Objekt: Jahresbericht Bayerisches Nationalmuseum München 2014-2015, Renate Eikelmann (Hrsg.), München 2016, S. 26-27, S. 68, Abb. S. 26

BV044730155
Zum Objekt: Ausst.-Kat. Bayerische Landesausstellung, Benediktinerabtei Ettal, 03.05.-04.11.2018: Wald, Gebirg und Königstraum - Mythos Bayern. Veröffentlichungen zur Bayerischen Geschichte und Kultur, Bd. 67, Haus der Bayerischen Geschichte, Margot Hamm, Evamaria Brockhoff, Volker Bräu, Julia Lichtl, Ruth Wehning (Hrsg.), Regensburg 2018, S. 228 (mit Abb.), Kat.-Nr. 102

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