Sammlung

Astronomisches Kompendium

Künstler/in
Entstehung
Augsburg (?), Süddeutschland
Datierung
1568
Material
Messing, vergoldet
Maße
H. 4,2 cm, B. 6,8 cm, L. 6,8 cm
Standort
Bayerisches Nationalmuseum (Saal 22)
Inventarnummer
L 2014/98
Bezug
Zugang
Unbefristete Leihannahme 2014, Aus Privatbesitz. Erworben 2014 im Kunsthandel, Mannheim

Nahezu jede Seite dieses wissenschaftlichen Instruments ist mit einer Messfunktion besetzt. Die Sonnenuhr ist dreiteilig angelegt, um eine optimale Ausrichtung zur Sonne zu gewährleisten. Der untere Teil des Kompendiums birgt einen Kompass mit zwölfteiliger Windrose, wie sie bis ins 16. Jahrhundert neben der Einteilung in acht Hauptwindrichtungen gebräuchlich war. Das Deckelinnere zeigt mit verschiedenen konzentrischen Ringen den Kalender, und mit zwei drehbaren Scheiben sind das jeweilige Mondalter und die Mondphasen einzustellen. Das geometrische Quadrat auf der Oberseite schließlich dient der Messung von Entfernungen und Höhen. Hier trägt der »Universal Compast« auch die Datierung 1568 und die Inschrift »Faciebat per Nicolaum Rensbergensem Mathematicum« (Er fertigte es für den Mathematiker Nicolaus Rensberger). Der eigentliche Instrumentenbauer bleibt unbekannt, aber wie ähnliche Objekte ist das Kompendium wohl in Augsburg oder Nürnberg entstanden. Im Inventar der Münchner Kunstkammer von Johann Baptist Fickler von 1598 wird höchstwahrscheinlich dieses Astronomische Kompendium erstmals erwähnt: »Ein viereckheter Windtcompaß von Meßing, darauf ein Meßlaitter, von Niclas Rennsperger gemacht.« Den Namen Rensberger deutete Fickler fälschlich als den des Herstellers. Vielleicht kam das Stück der Kunstkammer abhanden, als 1632 die Schweden die Kunstkammer plünderten. Der Mathematiker Rensberger war laut den Vorworten seiner verschiedenen geometrischen und astronomischen Schriften in Coburg, Bamberg, Stadtamhof (Regensburg) und Augsburg ansässig, konnte insgesamt aber kaum größere Wirkung erzielen. Erhalten hat sich zudem ein etwas späteres, 1573 gefertigtes Kompendium mit der Signatur »N R FECIT«. Vermutlich sind die Inschriften auf diesen Geräten so zu verstehen, dass Rensberger, der sicher kein Goldschmied war, sie nach seinen Vorstellungen fertigen ließ, um mit ihnen seine Dienste einem potenziellen Förderer anzubieten.

BV016010802
Zum Objekt: Ernst von Bassermann-Jordan, Alte Uhren und ihre Meister, Leipzig 1926, S. 143

BV005356927
Zum Objekt: Ernst Zinner, Deutsche und niederländische astronomische Instrumente des 11.-18. Jahrhunderts, München 1956, S. 490

BV017285729
Zum Objekt: Jürgen Abeler, Das Wuppertaler Uhrenmuseum (Kulturgeschichtliche Museen in Deutschland Bd. 12), Berlin New York 1971, S. 16, Abb. Taf. 1

BV035084486
Zum Objekt: Die Münchner Kunstkammer. Katalog Teil 2 Bd. 2, Willibald Sauerländer, Bayerische Akademie der Wissenschaften (Hrsg.), München 2008, S. 592, Kat.-Nr. 1923

BV036555252
Zum Objekt: Jürgen Abeler, Meister der Uhrmacherkunst 2. Auflage, Wuppertal 2010, 456

BV036796641
Zum Objekt: Ralf Kern, Wissenschaftliche Instrumente in ihrer Zeit. Vom Astrolab zum mathematischen Besteck. 15. und 16. Jahrhundert Bd. 1, Köln 2010, S. 381 f., Abb. 18, Kat.-Nr. 18

BV042224922
Zum Objekt: Aukt.-Kat. Auktionen Dr. Crott (Hrsg.): 2014.11.15,90. Auktion, Mannheim 15.11.2014, Kat.-Nr. 250

BV018978620
Zum Vergleich: Georg Laue (Hrsg.), Scientifica (Kunstkammer Georg Laue ; 5), München 2004, S. 63 f., 158 f., Kat.-Nr. 26

BV002596995
Zum Objekt: Jahresbericht Bayerisches Nationalmuseum München 2014-2015, Renate Eikelmann (Hrsg.), München 2016, S. 20-21, Abb. S. 20, S. 68-69, Abb. S. 68

Systematik

Gerät - Messgerät

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