Sammlung

Brautkleid mit separater Schleppe

Künstler/in
Entstehung
London, Großbritannien
Datierung
um 1900
Material
Seide, Leinen, Teilklöppelspitze, Baumwolle, Watte, Fischbein (Miederstäbe), Messing (Haken und Ösen)
Maße
L. (vorn) 138,0 cm, L. (hinten) 180,0 cm, L. (Schleppe) 282,0 cm
Standort
Bayerisches Nationalmuseum (nicht ausgestellt)
Inventarnummer
2014/101.1-4
Bezug
Zugang
Geschenk 2014, Privatbesitz

Die imposante Robe aus cremefarbenem Atlas ist mit Taft gefüttert. Aufgesetzte Dekorationen aus Chiffon und feinster Brüsseler Spitze mit üppigem Blumenmuster unterstreichen die Kostbarkeit des Kleides. Bei genauer Untersuchung stellte sich heraus, dass es vermutlich zunächst für eine Debütantin am englischen Königshof gearbeitet wurde. Ärmellose Kleider und lange Hof- oder Courschleppen waren zu einer solchen Veranstaltung vorgeschrieben. Wohl kurze Zeit später erfuhr das teure Ensemble eine Neugestaltung und diente als Brautkleid. Zu diesem Anlass war ebenfalls eine lange Schleppe üblich. Das Kleid wurde im Londoner Vorort Sydenham bei Walter Cobb gefertigt, einem der exklusivsten Kaufhäuser der Stadt um 1900. Auch die Umarbeitung erfolgte wohl im dortigen Atelier. Das Gewand besteht aus insgesamt vier Teilen. Das taillenkurze, mit Fischbein versteifte Oberteil mit tiefem spitzem Ausschnitt, der mit einem Einsatz gefüllt ist, besaß ehemals nur kurze Ärmelflügel. Der bodenlange Rock mit Schleppe liegt an der Hüfte eng an und ist zum Saum hin weit ausgestellt. Seine asymmetrische Form folgt der Mode um 1907. An Schultern und Taille des Kleidoberteils ist die lange, mit Watte gepolsterte Atlasschleppe befestigt, deren Rand und Unterseite mit Chiffonrüschen und -raffungen besetzt sind. Der mit Spitzen und Volants ausgestattete Taftunterrock unterstützt die unten weit ausladende Silhouette. Gleichzeitig verlieh er dem Kleid das damals sehr geschätzte »Froufrou«, also das Rascheln der Seide bei der kleinsten Bewegung. Bei der Umgestaltung zum Brautkleid, das etwas »züchtiger« und traditioneller sein sollte, fügte man cremefarbene Chiffonärmel mit Spitzenmanschetten an. Am Rockeinsatz wurde geraffter Chiffon aufgenäht. Breite, zweistufige Chiffonrüschen am Saum verleihen der Robe nun eine romantische Note.

BV002596995
Zum Objekt: Jahresbericht Bayerisches Nationalmuseum München 2014-2015, Renate Eikelmann (Hrsg.), München 2016, S. 29-30, Abb. S. 29

Systematik

Kleidung [Bekleidung, Kostüm] - Kleid

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