Sammlung
Kruzifixus
- Künstler/in
- Johann Peter Schwanthaler
- Entstehung
- –
- Datierung
- um 1785/1790
- Material
- Laubholz, geschnitzt, gefasst (polychrom)
- Maße
- H. 145,0 cm, B. 75,0 cm, T. 20,0 cm
- Standort
- Bayerisches Nationalmuseum (nicht ausgestellt)
- Inventarnummer
- 2016/154.1
- Bezug
- –
- Zugang
- Geschenk 2016, Dr. Hans Hirtl- und Dr. Edeltraud Hirtl-Dimpfl-Stiftung. Erworben 2016 aus Privatbesitz
Christus ist mit diagonal weit nach oben ausgestreckten Armen und übereinander gelegten Füßen ans Kreuz geschlagen. Ein voluminöses Lendentuch ist um die leicht nach rechts ausschwingende Hüfte und die Beine geschlungen und mit einem zweifach geführten Strick verknotet. Seitlich wirbeln zwei eckig gebrochene Enden des Tuchs fast auf Kniehöhe herab. Das Antlitz gibt eindringlich den Moment seines Dahinscheidens wieder. Im Unterschied zu drastischen Schilderungen seines Leidens vermittelt die Gestalt Christi hier in ihrer formalen Strenge jenseitige Ruhe und einen Moment der Entrückung. Zeige- und Mittelfinger seiner ausgestreckten Rechten bilden dabei einen Segensgestus. Der rückseitig ausgehöhlte, modern überfasste Korpus lässt sich dem Œuvre von Johann Peter Schwanthaler d. Ä. (Ried im Innviertel 1720–Ried im Innviertel 1795) als ausdrucksstarkes Werk seiner letzten Schaffensphase zurechnen. Eine Reihe von Kruzifixen der 1770er- und 1780er-Jahre zeigt ein vergleichbares Kompositionsschema des Gekreuzigten, allerdings mit einem Lendentuch, das zu einer Seite diagonal über die Oberschenkel geführt ist. Das hier symmetrisch als Dreieck gestaltete Lendentuch mit seinen Enden zu beiden Seiten der Beine findet sich bei Schwanthalers Werken ab den 1780er-Jahren bis kurz vor seinem Tod 1795. Vor allem die Kreuzigungsgruppe von Aspach in Oberösterreich, für die der Künstler im August 1789 entlohnt wurde, besitzt ein vergleichbares Lendentuch und ebenfalls gelängte Proportionen. Mit dem Erwerb dieses Kruzifixus wird die Skulpturensammlung des Bayerischen Nationalmuseums um das Werk eines bislang nicht vertretenen Mitglieds der über sieben Generationen tätigen Künstlerdynastie Schwanthaler vermehrt, die im 17. und 18. Jahrhundert in Ried im Innviertel ansässig war und kurz vor 1800 nach München übersiedelte. Johann Peter Schwanthaler d. Ä. gilt dabei nach Thomas Schwanthaler (1634–1707) und Ludwig Michael von Schwanthaler (1802–1848) als eines der bedeutendsten Mitglieder der Familie.
Systematik
Bildwerk [Plastik, Skulptur] - Figur (Mensch) - Figur