Sammlung

Puppe mit Blasebalg

Künstler/in
Entstehung
München (?)
Datierung
um 1900
Material
Porzellan (Kopf), Holz (Arme, Beine, Kasten), Gewebe (Kleid, Haube, Hose, Strümpfe, Schuhe, seitl. Kastenbespannung), Spitze, Metallborte (Kasten), Papier (Kasten, Schuhsohlen), Messing (Glöckchen, Rassel), Eisen, verzinnt (Glöckchen), Elfenbein (Rassel), Spielwerk (Kasten), bedruckt (Papier; Gewebe Kasten)
Maße
H. 24,5 cm, B. (max.) 10,4, T. 15,3 cm
Standort
Bayerisches Nationalmuseum (nicht ausgestellt)
Inventarnummer
2017/83
Bezug
Zugang
Geschenk 2017, Privatbesitz

Die Puppe mit Porzellankopf sitzt auf einem rechteckigen Podest. Wahrscheinlich soll sie ein Mädchen im Kleinkindalter darstellen. Die Figur trägt ein rosafarbenes, mit weißer Spitze besticktes Cape mit Kapuze und Spitzenstrümpfe, die in flachen Schuhen stecken. In den Händen hält die Puppe jeweils eine Schelle und um ihren Körper hängt eine Kette, an der eine weitere Schelle und eine Rassel befestigt sind. Der freundlich-neugierige Gesichtsausdruck der Puppe kündet von der guten Laune des Kindes, das offensichtlich Spaß am Spiel mit den Schellen hat. Die Extremitäten der Figur sind vertikal beweglich. Diese werden durch leichten Druck auf die vordere Kante des Podests in eine gleichförmige Auf-und-Ab-Bewegung versetzt, indem hiermit ein Federmechanismus in Gang kommt. Parallel zum Schellengeläut ertönt pro Kantenandruck die kurze Sequenz einer Melodie, die von einer im Podest verborgenen Spieluhr mit einer Walze oder Platte erzeugt wird. Aufgrund ihrer beweglichen Glieder zählt das Stück einerseits zur Gruppe der Gliederpuppen. Andererseits lässt es sich aufgrund der ausdrucksstarken Mimik auch den sogenannten Charakterpuppen zuordnen. Beide Puppentypen fanden zwar im 19.  Jahrhundert als Kinderspielzeug zunehmend Verbreitung, doch gehen sie auf ältere Vorläufer zurück, nämlich kleinformatige mechanische Automatenfiguren, die mittels Federaufzug beispielsweise Musikinstrumente spielten oder tanzen konnten. Die verwendeten Materialien und die Mechanik, aber auch seine fast perfekte Erhaltung verweisen darauf, dass solches Spielzeug nicht zum alltäglichen Gebrauch bestimmt war und für viele zudem außerhalb der eigenen finanziellen Möglichkeiten lag. Es steht zu vermuten, dass es sich bei dem Stück handelt es sich um ein zur Geburt oder Taufe überreichtes oder Tauf-Geschenk handelt, welches nie durch die Adressatin bespielt, sondern dieser allenfalls vorgeführt wurde. Mechanische Puppen der Zeit um 1900 sind relativ selten museal erhalten, weshalb die Schenkung eine äußerst willkommene Ergänzung des Bestands an Puppen darstellt. Leider war über die ursprüngliche Besitzerin nichts mehr zu erfahren.

Systematik

Spielzeug - Puppe

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