Sammlung

Junge Frau, eine antike Vase mit Rosen bekränzend (Figur)

Künstler/in
Valentin Sonnenschein
Entstehung
Bern, Schweiz
Datierung
1780 (dat.)
Material
Terrakotta
Maße
H. 44,0 cm, B. 32,0 cm, T. 22,0 cm, G. 9,769 kg
Standort
Bayerisches Nationalmuseum (nicht ausgestellt)
Inventarnummer
2018/11
Bezug
Zugang
Geschenk 2018, Erworben mit Mitteln aus dem Vermächtnis Harry Beyer, Aus dem Kunsthandel, Paris, Aus der Sammlung Wildenstein

Auf querovaler Plinthe wendet sich die stehende junge Frau in einem tunikaähnlichen, locker getragenen Gewand einer monumentalen antikisierenden Deckelvase zu, die sie mit einer Rosengirlande bekränzt. Während sie sich lächelnd dem Betrachter zuwendet, dreht sie ihren Oberkörper mit leicht angehobenem linken Spielbein in Richtung der Vase und zeigt auf den umlaufenden Relieffries der Deckelvase. Der Fries beginnt vorne mit drei tanzenden Frauen, von denen die rechte eine Theatermaske emporhält. Die Rückseite schmücken eine an ein Säulenpostament gelehnte Lesende sowie eine dieser zugewandt sitzende Malerin. Johann Valentin Sonnenschein hatte nach seiner Lehrzeit von 1763–66 am württembergischen Hof in Stuttgart als Stuckateur eine Reihe von Dekorationen im frühklassizistischen Stil in verschiedenen Schlössern mit seinem Lehrer Ludovico Bossi (1731–1773) ausgeführt, bevor er als erstes eigenständiges Werk ab 1769 mit der (zerstörten) umfangreichen Stuckierung auf Schloss Solitude in Stuttgart für den Herzog Carl Eugen von Württemberg betraut wurde. Ab 1771 im Rang eines Hofstuckateurs stehend und seit 1773 Professor an der Akademie, gehört er als Stuttgarter Lehrer von Johann Heinrich Dannecker (1758–1841) und Philipp Jakob Scheffauer (1756–1808) zu den Wegbereitern des deutschen Frühklassizismus. Nach Jahren kräftezehrender Arbeit reiste er zur Erholung auf Einladung von Johann Caspar Lavater 1774 nach Zürich. Nach seiner Rückkehr befreite er sich im folgenden Jahr von den Fesseln des Hofdienstes, indem er erneut in die Schweiz ging, wo ihm Asyl gewährt wurde. Verschiedene Tätigkeiten in Zürich, darunter als Modelleur an der Zürcher Porzellanmanufaktur in Kilchberg-Schooren, gingen seinem Umzug nach Bern 1779 voraus. Als gefragter und hoch produktiver Künstler führte er dort zahlreiche plastische Bildnisse von Personen des politischen und künstlerisch-kulturellen Lebens aus. Daneben schuf Sonnenschein auch Zimmermonumente, wie etwa zur Erinnerung an Verstorbene, oder Genreszenen. Die Porträtzüge der jungen Frau lassen eine individuelle, jedoch noch nicht identifizierte Person vermuten, deren Kunstsinn im Verweis auf die Darstellenden Künste Tanz, Theater sowie auf Literatur und Malerei hervorgehoben wird. Die bislang unbekannte Terrakottaplastik ist das erste Werk des Künstlers im Bayerischen Nationalmuseum.

BV008031393
Zum Vergleich: Ausst.-Kat. Staatsgalerie Stuttgart, 15. Mai bis 8. August 1993: Schwäbischer Klassizismus zwischen Ideal und Wirklichkeit 1770-1830. Ausstellungskatalog der Staatsgalerie Stuttgart aus Anlaß ihres 150jährigen Bestehens, Stuttgart 1993, S. 99-110, Nr. 14-23 S. 177, Nr. 80a S. 451

BV017683080
Zum Vergleich: Ausst.-Kat. Metropolitan Museum of Art, New York, January 28 to April 25, 2004: Playing with fire. European terracotta models, 1740 - 1840, James David Draper, Guilhem Scherf (Hrsg.), New York 2003, S. 268-271, Nr. 126-127 S. 227-280, Nr. 130-131 S. 307

Zum Objekt: Aukt.-Kat. Boisgirard Antonini, Paris, 06.12.2017: Tableaux anciens, haute époque, arts de l'orient & de l'Islam, sculptures et objets d'art, Paris 2017, S. 64, Kat.-Nr. Lot 150

BV002596995
Zum Objekt: Jahresbericht Bayerisches Nationalmuseum München 2016-2018, Frank Matthias Kammel (Hrsg.), München 2019, S. 84 f.

BV002539476
Zum Objekt Münchner Jahrbuch der bildenden Kunst, 3. Folge, Bd. 70, München 2019, S. 219 f., Abb. Abb. 16

Systematik

Bildwerk [Plastik, Skulptur] - Figur (Mensch) - Figur

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