Sammlung

Sekretär

Künstler/in
Entstehung
Paris (?)
Datierung
um 1815
Material
Nadelholz, Eiche, Mahagoni (Furnierholz), Ahorn (Furnierholz), Bronze (Beschläge), feuervergoldet
Maße
H. 147,5 cm, B. 95,0 cm, T. 50,0 cm
Standort
Bayerisches Nationalmuseum (Saal 65/66)
Inventarnummer
2015/217
Bezug
Zugang
Vermächtnis 2015, Privatbesitz

Unter einem »Secrétaire à abbatant« versteht man ein hohes Schreibmöbel mit Schlagklappe, das im späten Rokoko aufkam und seit dem Klassizismus weit verbreitet war. Dieses Exemplar ist außen vollständig mit Mahagoni furniert. Die gesamte Front ist mit einem durchgehenden, an der Mittelachse gestürzten Blatt gestaltet, dessen changierende Maserung die Ästhetik des Möbels bestimmt. Die Gliederung ist schlicht: Die Plinthe, hohe Säulen an den Seiten und eine breite Schublade als oberer Abschluss rahmen die große Klappe und die Doppeltür im unteren Bereich. Die reichen Schlossbeschläge und Schubladengriffe sind floral gebildet – möglicherweise ein Hinweis auf ein Damenmöbel. Ausgefallener ist das Innere des Sekretärs in handwerklich perfekter Ausführung. Im Schreibfach tragen auf einem Sockelband stehende toskanische Säulen ein Gebälk mit Triglyphenfries und als Metopen alternierend weinbekränzte Maskarons und Rosetten aus feuervergoldeter Bronze. Die Säulen fassen ein offenes Mittelfach ein, seitlich befinden sich je vier Schubladen in senkrechter Reihung. Im unteren Bereich fällt besonders die Sicherung der Türen durch ein Bascule-Schloss auf, welches mit zwei Riegeln in die obere und untere Rahmung schließt; dank der inneren Bewehrung der Türen mit einer durchgehenden Messingplatte und durch die Verzahnung beider Türen in der Fuge mit Nut und Feder ist dieser Teil des Möbels besonders geschützt. Die Familie Beauharnais zog 1821 in ihr fertiggestelltes Palais ein. Herzogin Auguste Amalie, älteste Tochter von König Max I. Joseph und Gemahlin des Stiefsohns von Napoleon, Eugène de Beauharnais, vermerkte in ihrem Tagebuch: »Die meisten Möbel sind von Werner in Paris«. Gemeint ist der aus der Schweiz gebürtige Ebenist Jean Jacques Werner (1791–1849), der in der Tat sehr ähnliche, meist gestempelte Sekretäre in zurückhaltendem Empire-Stil hergestellt hat. An dem hier besprochenen Sekretär konnte allerdings kein Stempel gefunden werden.

BV002596995
Zum Objekt: Jahresbericht Bayerisches Nationalmuseum München 2014-2015, Renate Eikelmann (Hrsg.), München 2016, S. 41-42, Abb. S. 41

Systematik

Möbel - Schreibmöbel - Sekretär

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