Sammlung

Kruzifixus

Künstler/in
Georg Schweigger (zugeschrieben)
Entstehung
Nürnberg
Datierung
um 1650
Material
Messing, ziseliert, punziert, vergoldet (teilweise)
Maße
H. 26,0 cm, B. 22,0 cm, G. 1.668 g
Standort
Bayerisches Nationalmuseum (nicht ausgestellt)
Inventarnummer
2017/49
Bezug
Zugang
Geschenk 2017, Erworben mit Mitteln aus dem Vermächtnis Harry Beyer, Aus dem Kunsthandel, Berlin, Aus einer Privatsammlung in Österreich

Der Gekreuzigte ist als Toter im Dreinageltypus dargestellt. Ihn umhüllt ein voluminöses Lendentuch, welches faltenreich über Kreuz gebunden ist; links endet es in »einem rotierenden, seitwärts geöffneten Faltenmotiv, rechts in einem wulstig überhängenden Gewandstück« (Bernhard Decker). Als zugrundeliegendes Modell gilt der geschnitzte Holzkruzifixus mit Resten polychromer Fassung im Metropolitan Museum of Art, New York (Inv.-Nr. 64.101.1555, H.Höhe 27,9 cm), den Yvonne Hackenbroch (Theodor Müller folgend) dem Nürnberger Bildhauer Georg Schweigger zugeschrieben hat. Mit Hinweis auf eine stilistische Verbindung zu Werken des Landshuter Bildhauers Hans Leinberger widersprachen Margarete Schuster und in Folge Bernhard Decker dieser Zuweisung. Eine Reihe von Beobachtungen spricht jedoch dafür, Modell wie auch den gegossenen KCorpus an Georg Schweigger zu geben. Er nahm in seinen retrospektiven Werken nicht allein auf die Arbeiten des Nürnberger Meisters Veit Stoss Bezug, so dass die stilistische Nähe zu Kruzifixen des Leinberger-Umkreises (Schloss Matzen,; Pinkofen bei Eggmühl) nicht als Gegenargument taugt. Beim Kruzifixus wirken diese Vorbilder jedoch übertriebener umgesetzt. Zudem ist der ausbalancierende Umgang mit den plastischen Massen des Lendentuchs typisch für die Barockzeit, wie auch die Nagelung an den Handwurzeln erst im 17.  Jahrhundert nachweisbar wird. Die Zuweisung an Georg Schweigger wird durch die Punzierungen am Lendentuch – vergleichbar denen an Medaillen mit Humanistenporträts Schweiggers – und die von Spirallocken gerahmte Physiognomie unterstrichen, wie sie bei seinen religiösen Reliefs vorkommen. Hervorzuheben ist auch der historische Kontext. Georg Schweigger verfertigte Johann Georg Doppelmayer (1730) zufolge »um 1662 […] aus Messing ein grosses Cruzifix und darauf noch andere aus Holtz, die nach Köln, Prag, ja gar nach Polen verschickt wurden. Er machte ebenfalls viele kleine Crucifixe […] von Metall, Holtz, Gips […] mit einer grossen Geschicklichkeit«. Die erstmalige Abbildung unseres Kruzifixus’ im Auktionskatalog Neumeister 1996 zeigt noch die Oberfläche vor Abnahme der damals noch erhaltenen bräunlichen Patina. Mit dem Kruzifixus gelangt eines jener retrospektiven Werke in die Sammlungen des Bayerischen Nationalmuseums, die als besonders charakteristisch für Georg Schweigger gelten können.

Systematik

- Kruzifixus

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