13. Juni 2019, 18 Uhr

Führung durch die Sammlungen

Venedig in Bayern

 

Erleichtert von einer großen Bürde äußerte sich Goethe als er 1786 zum ersten Mal nach Venedig reist und die Stadt, von der er schon so viel hörte, endlich mit eigenen Augen bestaunen konnte: „So ist denn auch, Gott sei Dank, Venedig mir kein bloßes Wort mehr, kein hohler Name, der mich so oft […] geängstigt hat.“ Zu Goethes Lebzeiten war Venedig bereits seit Langem zu einem der wichtigsten Anlaufpunkte auf der Grand Tour durch Italien geworden. Die Kenntnis der einzigartigen Lagunenstadt gehörte bereits seit der Renaissance zur Ausbildung von Fürsten und Adeligen, deren Sprösslinge allesamt gen Süden geschickt wurden, um in Venedig und Padua Italienisch zu lernen oder an den renommierten Universitäten zu studieren, eine Tradition, die bis ins späte 19. Jh. hinein bestehen blieb. Hiervon zeugt u.a. ein Reisetagebuch des Kurprinzen Karl Albrecht von Bayern im BNM, dessen Ankunft in Venedig am 8. März 1716 mit einer festlichen Regatta gefeiert wurde. Die Achse Venedig-Bayern war seit jeher von großer wirtschaftlicher Bedeutung v.a. für den Handel mit Luxusgütern, wie Stoffen und Gewürzen aber auch bedeutende Kunstwerke kamen über diese Handelsroute über die Alpen und fanden ihren Weg in die Sammlungen der bayerischen Herrscher. Kleine Repliken nach den Pferden der Quadriga des Markusdoms oder bedeutenden venezianischen Bauskulpturen sind Beispiele nicht nur für die herausragende Qualität venezianischer Kunstwerke, sie spiegeln zudem die Faszination wider, die nordalpine Sammler mit diesen Objekten verbanden. Bis heute ist Venedig eine Stadt der Widersprüche zwischen melancholischer Erhabenheit (Serenissima!) und schwärmerischem Kunstgenuss. Anhand exemplarisch ausgewählter Highlights der Sammlung – Malerei, Graphik, Bildhauerei und Glaskunst – soll in der Führung das Bild von Venedig als Stadt des Luxus und des Genusses ebenso beleuchtet werden, wie seine Bedeutung für den Handel mit dem Norden.

 

Führung mit Dr. Maria Aresin


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